Die Medienwirtschaft klagt und jammert, weil die alten GeschĂ€ftsmodelle wegschmilzen und ihr keine neuen einfallen. FĂŒr Leute wie Sie und mich, die also solche Blogs schreiben oder lesen, gibt es neue Modelle. Die New York Times in den USA blĂŒht und gedeiht (dank Trump), der Guardian in UK ist gesundet. Ihre Leser*innen*zahlen wachsen und wachsen. Immer grössere Probleme hat dagegen der Trash. Bild in Deutschland, Sun in UK oder Regierungsmedein in Russland oder der TĂŒrkei wird nichts mehr abgekauft.
Alte “Gesetze” wie “Sex sells”, “Sex&Crime” oder “Bad News are Good News” verkehren sich gegen sich selbst. Es hat sich rumgesprochen, wie in dieser Branche gelogen wird, und dass, je mehr jemand davon konsumiert, umso schlechter davon draufkommt – ohne irgendwas NĂŒtzliches zu erfahren. Deutsche Medien, denen Informationen einst geglaubt wurden, wie z.B. die einst mĂ€chtige und wichtige Regionalpresse, werfen sich suizidal in diesen Strudel des Untergangs. Statt um ihre GlaubwĂŒrdigkeit zu kĂ€mpfen – genug Milliarden haben ihre EigentĂŒmerfamilien angehĂ€uft – werden nicht nur Auslandskorrespondent*inn*en, sondern auch HauptstadtbĂŒros rasiert, bis nichts mehr an Gesicht ĂŒbrig ist. Die Strassen der Information werden zu starren Schienenwegen verengt. Was bei MobilitĂ€t und Umweltschutz die Zukunft ist, ist bei Medien das nahende Ende.
Im Zusammenhang mit den Paywall-Strategien deutscher Medien hatte ich hier bereits auf den Digital News Report des Reuters-Institute hingewiesen. Es handelt sich hier um vielleicht die grösste Mediennutzungs-Untersuchung weltweit. Kein Wunder: mit Reuters steckt ein wahrlich fetter Konzern dahinter, der zu 55% immer noch in (kanadischem) Familienbesitz ist.
Die “Hitparade” der LĂ€nder, wieviele % ihrer Befragten von Nachrichten nichts mehr wissen wollen, ist beeindruckend. Ebenso die Aussage des Reports, dass diese Zahlen weltweit ansteigen. Diese Medien versuchen sich mit dem Label “Verschwörungstheorien” gegen die Konkurrenz in den asozialen Netzen zu wehren. Gleichzeitig transportieren sie mit QualitĂ€t und Auswahl ihrer Nachrichten selbst (mindestens) eine LĂŒge: dass frĂŒher alles besser war. Wissenschaftlich nachgewiesen ist das Gegenteil. Sie handeln dennoch lieber mit GefĂŒhlen als mit Informationen.

Wenns zu brenzlig wird: Schweigen

Und wenn es politisch allzu riskant wird, verzichten sie lieber auf beides. In den UntersuchungsausschĂŒssen ĂŒber das Breitscheidplatz-Attentat Weihnachten 2016 in Berlin tritt die MittĂ€terschaft deutscher Geheimdienste und “Sicherheits”behörden immer mehr zutage. Sie versuchen sich in verfassungswidriger Weise daran, die Legislative, die sie steuern und kontrollieren soll, ihrerseits unter Kontrolle zu halten, weitgehend erfolgreich, unter MittĂ€terschaft von CDU und SPD. Indizien blinzeln hervor, dass sich Teile des “Verfassungsschutz” genannten Inlandsgeheimdienstes sogar als Servicedienstleister der Terrororganisation IS betĂ€tigten. Das sind zwar kriminelle Bad News, aber ĂŒberhaupt nicht sexy. Also Teppich drĂŒber und Schotten dicht. Welchen Medien, die nicht darĂŒber berichten, sollen wir noch was abkaufen?