In einem Gespräch mit einer gleichaltrigen Freundin stellte ich gestern beim Mittagessen die steile These auf, dass “wir” – zu unserem grossen Glück – die Klimakatastrophe “nicht mehr erleben” werden. Mmh, obwohl ich es durchaus für realistisch halte, dass mein persönliches Ableben in einem der kommenden Hitzesommer stattfinden wird. Letzterer Verdacht wird ganz aktuell durch die laufenden Motoren verstärkt, die im Beueler Combahnviertel die Atemluft aromatisieren, in dem irrigen, aber unausrottbaren Glauben, dem allgegenwärtigen Autostau dadurch einige Sekunden Lebenszeit abzuringen. Wie kommichdrauf?
René Martens/MDR-Altpapier schrieb zum Thema Journalismus und Klimapolitik mal wieder durchgehend richtig: “Der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstgefälligkeit – Der Vertrauensverlust der Medien hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Journalisten sich ihre Themensetzungskompetenz ausreden ließen – und einreden ließen, es wäre paternalistisch, das Publikum mit Inhalten zu konfrontieren, die es nicht nachfragt.”
Brückenpanik in Bonn – coming soon: Wasserpanik in Berlin
Weil deutsche Medien so sind, ist auch die Politik so, wie sie ist. Sarkastisch schreiben selbst Leserbriefschreiber, dass die jetzt aktenkundigen Brückenschäden eindeutig “völlig überraschend” und “überhaupt nicht zu erwarten” waren. Wie hätte mann darauf kommen sollen? Eine Möglichkeit wäre die Befragung von Fachleuten gewesen. Aber wer hat denn heutzutage für sowas noch Zeit? Und entsprechend gross ist die Aufregung, geschäftstüchtig befeuert von ebenden Medien, die darauf hätten aufmerksam machen können, bevor der jetzige für sie geschäftsfördernde Schaden auftritt.
Anderes Beispiel: so, wie in Bonn derzeit die lange absehbare Brückenpanik ausgebrochen ist, so wird in Berlin in Kürze Wasserpanik ausbrechen. Das Stadtgebiet ist durch alle Wetterperioden hindurch im Dürremonitor jederzeit gut zu erkennen. Und da sich die Braunkohlekonzerne schon immer einen schlanken Fuss gemacht haben, und dabei tatkräftig von Bundes- und Landesregierungen unterstützt werden, sitzen die Berliner*innen demnächst auf dem Trockenen. Aber vom Klimawandel – s.o. René Martens – nichts hören oder sehen wollen. Mein Rat: lassen Sie die Finger von Berliner Immobilien! 😉
Der von Martens absolut richtig analysierte Sachverhalt scheint den Status eines physikalischen Gesetzes zu erlangen – der Bonner Brückenschaden läuft exakt so ab, wie der globale Klimaschaden – obwohl er doch ein reines menschlich absolut beeinflussbares Produkt von Politik und sozialem Handeln ist. Selbstverständlich muss jetzt “alles” dafür getan werden, dass der Autoverkehr irgendwie wieder fliessen kann – Klima hin oder her … Wiekommichdrauf?
Von George Sand lernen
Die gleichen Fragen muss sich vor knapp 200 Jahren schon die Schriftstellerin Aurore Dupin, die sich als erwachsene Frau “George Sand” nennen liess, gestellt haben. In der Jungen Welt steht ein absolut lesenswertes Porträt der Dame von Stefan Ripplinger: “Sozialistische Literatur: Ketzerkommunismus – Vor 150 Jahren starb die Schriftstellerin George Sand. Sie rief eine revolutionäre »Kirche der Zukunft« aus und setzte ganz entschieden auf Gewalt”. Nur einige Tage paywallfrei.
Über Madame Sand ist mir dunkel ein weit launigerer Beitrag unseres Autors Hans Conrad Zander in Erinnerung. Das kann aber eine Täuschung meinerseits sein. Ich befrage seine Erinnerung und lasse Sie das Ergebnis wissen.
Am Schluss ist Stefan Ripplinger eine besonders tröstliche Formulierung gelungen: “Diese Entfernung von der Geschichte ist vielleicht das Privileg des Alters und kann ohnehin ein beeindruckendes Werk nicht ungültig machen. Es gebe niemanden auf der Welt, der in seinem Leben so viel geträumt und so wenig gehandelt habe wie sie, notiert George Sand in der Autobiographie. Tatsächlich hat sie gehandelt, als sie träumte.”

Die Zeilen in Sachen Spree werden dich jetzt leider etwas enttäuschen, weil die „Mitte“ Berliner die letzten sein werden, die bemerken werden, dass da kein Wasser mehr drin ist.
Zuerst wird der Spreewald trocken liegen (der liegt aber in Brandenburg). Vielleicht wird sogar der Müggelsee (gefühltes Brandenburg) trocken liegen, aber die Touristendampfer werden immer noch fröhlich über die Innenstadt-Spree wie die inneren Kanäle Berlins schippern: Stelle dir das einfach wie einen großen, geschlossenen See vor.
Die Spreeprobleme sind den Verantwortlichen der Berliner-Wasserwerker seit Jahrzehnten bekannt und sie arbeiten daran: Aber gegen den Klimawandel, wie für die nachlassende Wasserzufuhr können sie nichts. Ich beschäftige mich ebenfalls seit Jahren mit der Spree und habe größten Respekt vor den Berliner-Wasserwerkern.
Die Mehrheit in diesem Land ist offensichtlich immer noch ignorant in Sachen Klimawandel und Wasserprobleme für Deutschland: Den Beweis zeigt jede Wahl.
Und was Wahlen in Berlin angeht, zeigen die auch klar, wo die Ignoranten mehrheitlich in dieser Stadt leben: In den Außenbezirken. Ruhig leben im eigenen Haus in Müggelheim (1. AFD 33 Prozent) oder in Lichterfelde (1. CDU 31,8 Prozent) und dann mit dem Auto in die lebhafte Innenstadt und Abends daheim über Berlin-Mitte meckern. In den Außenbezirken des Berliner Südens gibt es pro Kopf beinahe doppelt so viele Autos, wie in Berlin-Mitte: Ne, Zehlendorf ist auch an das U-Bahnnetz angeschlossen.
Dass es auch in Berlin immer schwerer wird, liegt weniger an den Berlinern, sondern die Gründe sind hauptsächlich die gleichen wie überall. Unter anderen: „Wie in vielen deutschen Großstädten fehlt es auch in Berlin an bezahlbaren Mietwohnungen für Haushalte mit geringerem und mittlerem Einkommen“.
Feierabend Gruß
Gilbert, mit Riesen Respekt (neben dem Normalen) für das Aussprechen eines Faktes, der dich elementar betreffen wird: Hitzesommer. Viele andere Ältere begreifen das nicht, obwohl beinahe die Hälfte der über 60-Jährigen in Deutschland Blutdruck-Medikamente nehmen müssen: Das und Hitze bekommt überhaupt nicht gut.