Schnitzelkriminalität / Politikberatung / Feminismus im Islam

Von , am Dienstag, 20. August 2019, in Genuss, Lesebefehle, Politik.

mit Update: Link zu einem Plädoyer fürs Fleischessen
Ich gebe zu, ich esse gerne Schnitzel. Besonders gerne ein echtes Wiener, wenn es von glücklichen Tieren und von glücklichen Köch*inn*en ist. In Bonn habe ich mal ein sehr gutes im Weinhäuschen am Mehlemer Rheinufer gegessen. Dort hat vor einigen Jahren eine sehr liebevolle österreichische Küche das alte Weinstubenangebot abgelöst – ohne auf gute Weine zu verzichten. In Berlin bevorzuge ich ein ähnliches Konzept in der Westfiliale des Cafè Einstein in der Kurfürstenstrasse; wegen einer Produktionsfirma in der Nähe sitzen da oft bekannte Schauspieler*innen-Gesichter rum – die wissen halt, was schmeckt.
Wenn Sie auch zu denen gehören, die sich das Schweinefleischessen nicht abgewöhnen konnten und/oder wollten, dann sollten Sie es zumindest über sich bringen, diesen Film aus der NDR-Reihe 45Min zu verfolgen: “Unser Schnitzel”. Anders als im Weinhäuschen oder im Einstein sind die allermeisten Schnitzel in Deutschland nicht vom Kalb, sondern vom armen Schwein. Autor Julian Prahl verzichtet auf die beliebte Gegenüberstellung Bio vs. Konventionell, ebenso auf Ekelbilder, die uns übelwerden lassen. Er verzichtet allerdings nicht auf Bilder aus der Wirklichkeit des Tiertransports und des Schlachtens. Die meisten Betriebe gaben keine Drehgenehmigung, aber es gibt Klügere, die sich lieber bewusst zeigen wollen, um die Herrschaft über die Bilder nicht zu verlieren. Wenn Sie danach noch Schwein essen mögen, bitte sehr! Ich werde es tun, aber selten, und ohne am “falschen Ende” zu sparen. Update 21.8.: ein Plädoyer für Fleischessen, wie ich es nicht besser schreiben könnte, liefert hier Jakob Srobel Y Serra/FAZ.
Ebenso lesens- oder hörenswert war dieses Feature von Ralph Gerstenberg für DLF-Kultur “Wissenschaftler als Politikberater – Die Rolle der Experten im postfaktischen Zeitalter”. Mein ehemaliger Landesvorstandschef bei den NRW-Jungdemokraten (es muss ca. 1983 gewesen sein) Volker Perthes kommt dort prominent zu Wort. Ich sehe so ein Feature als einen verdienten Lohn seiner starken wissenschaftlichen und Führungsarbeit in einer wichtigen Hauptstadtinstitution.
Einen wichtigen Perspektivenwechsel bietet das oftmals herausragende Magazin “FAZ Quarterly” mit diesem Text der pakistanischen Autorin Bina Shah. Strategisch klug will sie Feminismus und Islam verbinden, um umso kraftvoller das Patriarchat bekämpfen zu können. Ihre Beschreibung der Alltagsprobleme der grossen Mehrheit der Frauen in islamischen Ländern ist entscheidend für die Bestimmung kluger Strategien, und unterscheidet sich stark von den geschwätzigen Diskursen in Mitteleuropa.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.