BSC-Spiele, die ich im Stadion besucht habe, waren in der Regionalliga West (= 4. Liga) immer sehenswert. Darum enschloss ich mich, mich dort von möglichem Ärger über das Gladbachspiel gegen die Dosenlimonade abzulenken. Zunächst zweifelte ich, ob es ein guter Entschluss war. Das Spiel konnte für mich nicht “falsch” ausgehen. Einerseits, weil ich Gladbach-Fan bin, andererseits, weil ich dem BSC den Klassenerhalt wünsche, damit ich die Gladbacher U23, und auch die des BVB, unter stressfreien Umständen – keine Warteschlangen, nirgends! – spielen sehen kann. Dazu besteht trotz des heutigen Spielausgangs Hoffnung.

Vor dem Spiel: Körperverletzung

Als erstes bereute ich meine pünktliche Anreise. Die Beschallung vor dem Anpfiff, das kenne ich schon aus der Bundesliga, ist qualitativ (Inhalte und gespielte Musik) und quantitativ (Lautstärke) eine Körperverletzung, und dient vor allem dazu, den Fans nicht die “Regie” zu überlassen. Fans? Naja, die paar Dutzend Gladbach-Fans waren ohne Trommelunterstützung nicht unauffälliger, als die Bonner. Selbst gegen so einen attraktiven Gegner schafft Bonn nicht über 1.000 Zuschauer*innen. Immerhin war der “VIP-Bereich” am Stadionrestaurant genauso gut gefüllt, wie die Stadiontribüne. Aber ein fettes Display über der Nordkurve (auch wieder von der Stadt geschenkt?), das in der 2. Halbzeit unter Flutlicht ständig die Lichtverhältnisse auf dem Spielfeld veränderte.

Zu Spielbeginn schenkte der BSC den Gladbachern in der 5. Minute einen Foulelfmeter. Es drohte langweilig zu werden. Bei gefühlt 70% Ballbesitz, ständiger Zirkulation unter Einbeziehung des Torhüters (tadellose Balltechnik auch bei Jan Jakob Olschowsky, die Kamps-Torwartschule), aber ohne eine einzige Torszene – das schien jedoch in erster Linie die Gladbacher selbst einzuschläfern. Sie wurden überheblich, die Abwehr stand zu hoch, und nach der ersten BSC-Torchance in der 18. Minute schlug es dann in der 20. schon ein. Erst gegen Ende der 1. Halbzeit ergaben sich auch 1 1/2 Gladbacher Torszenen.

Van Lents wirkungsvolle Pausenansprache

Irgendwas muss Ari van Lent (“Ich habe keine ‘Spielerfrau’, ich habe eine richtige Frau”) in der Pause dann besprochen haben. Denn gleich zu Beginn der 2. Halbzeit präsentierte sein Team den ersten ansehnlichen Spielzug, der schön zum erneuten Führungstreffer vollendet wurde. Als Bennetts dann in der 86. mit einem schönen Schuss zum 3:1 vollendete schien der Drops gelutscht.

Gute Moral beim BSC – vielleicht zu heissgekocht?

Doch nun bewährte sich die durchgehend gut sichtbare kämpferische Moral des BSC. Während die Gladbacher sich schon auf der Rückreise wähnten, spielten die Bonner einen blitzsauberen Konter zum 2:3 des eingewechselten Daniel Somuah. Der Kerl hat schon in der Jugend beim BSC gespielt, und nach Stationen beim FC Köln und in Velbert ist er nun schon wieder seit 6 Jahren ‘n Bönnsche Jung’.

Die kämpferische Moral der Bonner war also einerseits beeindruckend. Allerdings liefen die Jungs gelegentlich zu heiss. Das fand nicht nur seinen Ausdruck in einer überflüssigen Rudelbildung zum Ende der 1. Halbzeit, und mehreren Gelben Karten – sondern vor allem in zwei Abseitssituationen, in die sich die Bonner in der 68. und 70. Minute selbst hineinspielten, und so hochkarätige Chancen vereitelten, mit denen sie den entscheidenden Punch hätten setzen können.

Daran zeigte sich, dass Ari van Lent mit dem Teambuilding schon weiter ist. Beeindruckend zum Beispiel die Anlaufarbeit von Kapitän Thomas Kraus, der, wenn auch ohne eigenen Torerfolg, zum besten Speiler gewählt, und in der 83. Minute ausgepumpt ausgewechselt wurde. Im Amateurfussball werden die Mannschaften jedes Jahr fast komplett umgebaut und müssen sich erst einspielen. Das verspricht meistens in der Rückrunde den besseren Fußball.

Bleibt zur Lage nach dem Spiel anzumerken: die Stadtwerke treten zwar als Sponsor auf. Aber auf der Eintrittskarte ist keine freie ÖPNV-Nutzung vermerkt. Welchen Sinn soll solches Sponsoring also noch mal genau haben? Dann habe ich auf dem Rückweg die 61 noch wegfahren sehen. Ging also zu Fuss zum Suttnerplatz. Von dort fuhr dann geschlagene 10 Minuten nichts über die Brücke. Die gesamte Abreise nach dem Schlusspfiff summierte sich an einem Freitagabend auf eine Stunde, innerstädtisch. Ungefähr so lang, wie von Mönchengladbach Hbf. bis zu meiner Beueler Haustür. Pffft.

Aber die Bratwurst war wieder gut. Metzgerqualität.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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