Bertelsmann – mit Pornos Milliardärin

Von , am Montag, 4. November 2019, in Medien.

In den 90ern muss es gewesen sein, als die deutschen Schulmädchenreports und britischen Sexmagazine bei Sat1 und Kabel1 alle so abgenudelt waren, wie Bahnhofskinos. Die ersten Jugendlichen bastelten mit Modems rum. Aber der bertelsmanneigene Kanal Vox hatte noch einen Berg abzuspielender französischer Billigpornos seiner Senderschwester M6 auf Halde. Und also wurde die Fliessbandware in Wochenendnächten abgespielt. Softpornos, also nichts war echt. Es wurde nicht gekleckert, die Studiodekoration konnte immer wieder ohne Grundreinigung wiederverwendet werden. Die französischen Models mussten ein paar Schamhaare zeigen und konnten sich so ein Studium finanzieren.
In der deutschen Öffentlichkeit nahm niemand Notiz davon. Frau Mohn firmierte als Freundin der Bundeskanzlerin, wie ihre Artgenossin Friede Springer. Erst als das M6-Lager abgesendet war, machten sie noch einmal PR damit, dass jetzt Schluss damit sei. Zufällig war das Neuland entstanden, in dem es mehr zu sehen gab und gibt. Wenn Sie zu alt sind, um zu wissen, wie Sie das Zeug finden, fragen Sie ihre Enkelkinder. Aber gucken Sie das nicht ohne Aufsicht Ihrer Enkel; mit dem Popups, automatischen Weiterleitungen und Datendiebstählen kämen Sie ohne Kinderaufsicht nicht zurecht.
Bertelsmann hat eine andere Sorte Pornos zum Bereichern entdeckt, und Extradienst-Gastautor Bernd Gäbler/Tagesspiegel ist zu danken, dass er darauf aufmerksam macht. Ich selbst will so einen Müll nicht sehen, und kann es auch nicht. Bei DVB-T2-Empfang wollen die allen Ernstes noch Geld dafür haben (70 Euro/Jahr), wofür sie mir sehr viel zahlen müssten, damit ich meine Lebenszeit damit verschwende.
Was Gäbler da beschreibt, sind volksverhetzende Sozialpornos, mit einer voyeuristischen Schamlosigkeit, die schöne nackte Körper, selbst wenn sie echt kopulieren würden, nie erreichen können. Gibt es keine Medienaufsicht? Doch, aber was macht die den ganzen Tag? Brauchen wir neue Mediengesetze? Doch, aber die zuständigen Länderministerpräsidenten laufen 20 Jahre hinter der Medienmusik her, und haben sowieso ganz andere Sorgen.
Also was kann mann und frau tun, ausser Terrorismus (natürlich nur Gewalt gegen Sachen)? Ich würde mir wünschen, dass mal ein paar Journalist*inn*enteams die Mitglieder der Familie Mohn besuchen, mit der Frage, wie es ihnen eigentlich dabei geht, mit Sozialpornos Milliardär*in zu werden.
Die Bertelsmann-Stiftung wird sicherlich in Kürze mit Vorschlägen für eine Grundgesetzreform um die Ecke kommen. Kleines Brainstorming zu Art. 1: “Die Würde des Menschen ist unbegrenzt abtastbar.” Oder Art. 1.1 a: “Ausgenommen vom Antastverbot sind die Medien eines halben Dutzends superreicher deutscher Familien.” und umgekehrt: “Ausgenommen von den Menschenrechten sind solche, die die deutsche Rechtschreibung und die Grundrechenarten nicht beherrschen.”

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