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Wer führt die SPD?

von Ulrich Horn
Schauen sich die SPD-Mitglieder gelegentlich noch Umfragen an? Denjenigen, die sich diesen Tort antun, müsste es beim jüngsten ZDF-Politbarometer mulmig geworden sein. Unter den zehn wichtigsten Politikern finden sich dort sechs von der Union, zwei von den Grünen und sogar einer von der FDP. Auch von der SPD ist einer dabei, nur einer. Ausgerechnet der, den die SPD-Mitglieder nicht zu ihrem Vorsitzenden machten: Olaf Scholz. Anders als unter seinen Genossen genießt er in der Bevölkerung offensichtlich großen Respekt. In der Umfrage steht er auf Platz 3. Die Sympathie, die er bei den Wählern findet, wirkt sich auf die Partei aber nicht aus. Sie stagniert seit langer Zeit bei 15 Prozent. Die Bürger unterscheiden offenbar zwischen Scholz und der SPD. Sie wissen: Die SPD will sich nicht hinter ihm versammeln. Wie soll sie da von ihm profitieren? Sie hat sich von ihrer Jugendorganisation die Doppelspitze Esken/Walter-Borjans aufschwatzen lassen. Unter den zehn wichtigsten Politikern tauchen sie nicht auf. Sie prägen weder die politische Diskussion noch die Richtung der Politik. Sie werden kaum wahrgenommen. Viele kennen sie gar nicht. Sie wirken einfallslos, um nicht zu sagen: einfältig. Walter-Borjans fordert in einem fort Steuererhöhungen, Esken trampelt von Fettnapf zu Fettnapf. Bei ihrer Wahl vor einem halben Jahr kündigten beide an, sie würden die Partei bis Ende 2020 auf 30 Prozent bringen. Diesem Ziel ist das Duo keinen Schritt näher gekommen. Man kann mit Fug und Recht feststellen: Bisher haben sie alle Erwartungen erfüllt.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

2 Kommentare

  1. Helmut Lorscheid

    Lieber Ulrich Horn,

    und – was lernen wir daraus? Soll jetzt, weil die Blödzeitung und der restliche Papiermüll aus dem Haus Springer und die andere rechte Knochen in den noch vorhandenen Zeitungsredaktionen lieber den Scholz haben, die SPD diesen Kerl aufstellen . Ernsthaft? Als SPD-Kanzlerkandidaten. Ja dann sag mir doch mal einer, wie sie mit diesem Mann für die SPD werben soll. Wo bitte ist der inhaltlich betrachtet denn noch Sozialdemokrat? Was ist falsch an dem was WalterBorjan fordert? Was Frau Esken will, weiß ich auch nicht, Ich habe auf die einzige Frage, die ich ihr bisher gestellt habe, nach über einer Woche noch keine Antwort. Wenn die mit mir alsJournalisten so umgeht, wie ist das wenn ihr ein Hans Müller aus Hilden schreibt? Andere sagen mir, die sei im persönlichen Gespräch ganz vernünftig. Vielleicht macht sie auch einfach nur eine sehr schnelchte Pressearbeit… Aber Olaf Scholz mag ja bekannt und bei politisch uninteressierten auch beliebt sein. Aber das war der Herr Schulz auch…

    • Ulrich Horn

      Lieber Herr Lorscheid,

      ob Herr Scholz der richtige SPD-Vorsitzende wäre, weiß ich nicht. Festzuhalten ist, dass er laut ZDF-Umfrage im Moment von allen SPD-Mitgliedern das meiste Vertrauen genießt. Das sollte der SPD zu denken geben. In diesem Vertrauensbeweis drückt sich auch Misstrauen aus, das die Bürger gegen die SPD hegen. Das sollte der SPD ebenfalls zu denken geben. Es erklärt ihre dürftige Zustimmungsrate von 15 Prozent. Mit ihnen ist die SPD noch gut bedient. Die meisten Bürger spüren, dass mit der Partei etwas nicht stimmt. Wüssten sie, wie es in der SPD aussieht und zugeht, wäre ihr Umfragewert sicher einstellig. Diejenigen in der SPD, die Esken und Walter-Borjans zu Vorsitzenden gemacht haben, legen es gar nicht darauf an, Vertrauen zu schaffen und Mehrheiten anzustreben. Sie wussten schon, dass mit den beiden neuen Parteichefs kein Blumentopf zu gewinnen ist. Wer kann sich schon Esken oder Walter-Borjans als Kanzler(in) vorstellen? Es fehlt an fast allem, was es dazu braucht. Wer glaubt schon, dass sie als Kanzlerkandidaten bessere Werte als die derzeitigen Umfrageergebnisse erzielen werden? Es fehlt an fast allem, was es dazu braucht. Wer glaubt schon, dass sie eine Partei führen können? Es fehlt an fast allem, was es dazu braucht. Der SPD ist der Sinngehalt ihrer Existenz abhanden gekommen. Ihn zu erneuern, übersteigt die Möglichkeiten der beiden Parteichefs bei weitem.

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