In Deutschland ist es beliebt, politische Konstellationen der Gegenwart (und Zukunft) mit dem Römischen Reich zu vergleichen. Die politisch-kulturelle Wurzel dieses – in den meisten Fällen – intellektuell-trägen Unsinns liegt in einem Klischee, das noch meiner Generation der Geschichtsunterricht zu verkaufen versuchte: mit der “Eroberung Roms durch die Germanen” begann eine (über) tausendjährige Kontinuität des “Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation” der erst der fiese Napoleon 1806 den Garaus machte.
Der gleiche Napoleon brachte so nebenbei die Entdeckung der Bürgerrechte der französischen Revolution in deutsche Länder, für Zeitgenoss*inn*en gewiss eine Sensation, die in unserem Geschichtsunterricht jedoch kaum eine Rolle spielte. Dafür aber, dass ein gewisser Bismarck 1871 nach einem Krieg gegen Frankreich (und wieder einen Napoleon) Deutschland “wiederherstellte”. Das mit dem “tausendjährigen” sollte sich dann wenige Jahre später wiederholen. Noch heute bauen deutsche Faschisten darauf ihre Lügengebäude.
Aber ich schweife ab. Das Römische Reich bleibt Gegenstand historischer Forschung. Es hatte noch kein Internet. Noch nicht einmal den Buchdruck. Darum ist dieses DLF-Kultur-Feature von Chrsitian Berndt “Rom in der Spätantike – Der Untergang einer Supermacht” erfrischend. Es gibt den Stand und die Kontroversen der Forschung wieder, inklusive einer Kritik an zuspitzenden, monokausalen Deutungen. Klimawandel und Pandemien spielten damals schon eine wichtige Rolle; ihre Bedeutung sollte aber auch nicht spekulativ überhöht werden.
Donald Trump hat sicher keine Zeit, sich das anzuhören.