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Ein Spartakus-Moment

Die Sklav*inn*en erheben sich

Spartakus? Die Älteren (und die Schwulen) kennen den gleichnamigen Sandalenfilm. Ob es ihn wirklich gegeben hat? Jedenfalls hat es seine Überlieferung in die Neuzeit geschafft. In der westdeutschen BRD gab es sogar einen mehrere Jahrzehnte politisch relevanten Studentenverband, der sich romantisierend nach ihm benannt hatte. Wahrscheinlich handelte es sich in der Antike um eine marodierende Bande, über die das Römische Reich, eine klassische Sklavenhaltergesellschaft, längere Zeit die Kontrolle verloren hatte.

Den Sklav*inn*en, die sich heute erheben, darf eine weit grössere Bildung und politische Reife, und darum auch mehr Erfolgsaussicht zugeschrieben werden. Alexandria Ocasio-Cortez darf als eine ihrer authentischen Repräsentantinnen angesehen werden, über die weltweit begeisterte Hymnen geschrieben werden, die für den alten Spartakus noch in Steine gekloppt werden mussten. Was hier z.B. die US-Basketballerinnen organisiert haben, das hat grosse menschliche und politische Klasse. Eine Schwarze Deutsche Satou Sabally mittendrin.

Sklaverei in Deutschland

Immer noch glauben viele eingeborene Inländer*innen, Sklaverei sei eine Sache zwischen Afrika und Amerika gewesen. Und beim Kolonialismus seien die Andern (Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal) “ja viel schlimmer” gewesen. Das ist unwahr. In der Disziplin Massenmord und -vernichtung sicherte sich Deutschland souverän einen Spitzenplatz. Die Industrialisierung dieses Verbrechens durch die Nazis wurde vom Hohenzollern-Regime über mehrere Jahrzehnte in den afrikanischen Kolonien vorgedacht, konzipiert und trainiert – ein prachtvolles Fundament für die Nazis. Wenn ich mein Lebensalter von meinem Geburtsdatum rückwärts rechne, hätte ich alles live erleben müssen. Das nenne ich historischen Fortschritt.

Was bis heute geblieben ist, ist immer noch schlimm und kriminell genug. Manfred Kriener hat in der taz am Wochenende einen angemessenen Überblick über die Verbrechen in der deutschen Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung geschrieben. Wenn am Coronavirus was Gutes zu entdecken ist, dann, dass sich dieses Sklavenhaltersystem jetzt an denen rächt, die es Jahrzehnte haben geschehen lassen. Werner Bartens, der Arzt und Journalist der SZ, beschreibt es als “Glutnester”: solange wir dieses Sklavenarbeitssystem zulassen, wird es uns ständig neue Ansteckungsquellen bescheren.

Ursula Hudson, die zu früh verstorbene Vorsitzende der deutschen Sektion der globalen Slowfood-Bewegung, schrieb hoffnungsfroh in ihrem letzten Leitartikel für das jüngst erschienene Slowfood-Magazin (noch nicht online, vermutlich ab morgen): “Wenn aber nun das Große nachgibt, hat das Kleine wieder die Chance zu wachsen und gebraucht zu werden. Und das gilt für alle Produktionszweige, nicht nur für Fleisch.” Im gleichen Heft plädiert Carlo Petrini für “Neue, junge Landwirtschaft – Die Technologie zugunsten einer Rückkehr aufs Land nutzen, die wirklich nachhaltig sein könnte.”

Es ist ein grosses Fenster der Gelegenheit. In Deutschland sind noch nicht genug politische Kräfte zu sehen, die es erkennen.

Ein Kommentar

  1. Joachim Petrick

    Im Buch Beck`sche Elementarbücher 1981 „Lessing Epoche – Werk- Wirkung“ beschreiben Wilfried Barner, Gunter Grimm. Helmuth Kiesel, Martin Kramer S. 38 aus welchem Grund unter anderen im Spätmittelalter im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Sklaverei, trotz Bauernaufständen nach Bauernlegen, Bauernstechen, Bauernkrieg 1525, wieder Fahrt aufnahm, weil die Ideen des Absolutismus von Gottes Gnaden nicht zuletzt durch Reaktion des Vatikans auf die Reformation Bruder Martin Luthers mit a seinen 95 Thesen zu Wittenber 1517, 1525 angehört beim Wormser Reichstag,mit zweitem Schisma der Christenheit nach 1453 um sich griff, eine seit 300 Jahren aufkommende Unart heillos verstärkte, dass Versammlungen der Stände, des Adels, Geistlicher, Bürgertums in Städten vorzugsweise der Hanse, Freier Bauern im Vorwege von Reichstagen vom Kaiser, Königen, klerikalen, säkularen Fürsten nicht mehr einberufen wurden, bzw. ohnehin immer seltener stattfanden, bei Reichstagen keine Anhörung ihrer Interessen mehr fanden, wie dies in der mittelalterlichen „monarchia mixta“ schriftlich niedergelegt war. In welcher der Monarch in der höchsten Gewalt, die er ausübte, durch Freiheitsrechte, Privilegien unterschiedlicher Stände eingeschränkt war.

    Sklaverei war bis Beginn missionierendes Kolonialismus europäischer Mächte im 18. Jahrhundert , eine rein private Angelegenheit von privaten Akteuren außerhalb jeder Kontrolle, verstärkt nach Berliner Kongokonferenz 1884/85 unter Schirmherrschaft Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarcks zur Aufteilung Afrikas an europäische Mächte in Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise seit 1873, unter Effizienzgesichtspunkten, nicht wie angeblich Portugal, Kolonien brachliegen zu lassen, mit staatlicher Finanzierung der Aufstellung von Kolonialtruppen, Flotten, diese nach Afrika, Ozeanien, Südostasien zu entsenden, weltweit europäischen Staaten unter vorgeblicher Mission, Sklaverei vor Ort entschieden zu bekämpfen, durch Landnahme Zugang zu Ressourcen für eigene Volkswirtschaft zu sichern, einheimische Bevölkerung nach Landraub, Vermögensentzug durch europäische Siedler unter “patriotischem“ Schutz der Kolonialtruppen, Freiheitsberaubung in Lagern, Unterernährung ausgesetzt, zu fremdem Zweck umzuerziehen.

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