Journalismus stirbt durch politisches Desinteresse
Das Gerede von der “Vierten Gewalt” ist eine missratene Autosuggestion und durch die Verfassung nicht gedeckt. Wenn eine MilliardĂ€rsfamilie “die Lust verliert”, wie z.B. in Köln, dann verschwindet der (lokale) Journalismus eben eines Tages. Wer wĂŒrde ihn in Köln vermissen, ausser Lutz Hachmeister? Entsprechend verbittert und realistisch ist der Mann.
Die Bestandsaufnahme des “Medienquartetts” im Deutschlandfunk gestern Abend (Audio 44 min) ist in nahezu allen Teilen eine realistische Analyse. Auch die Ideen und VorschlĂ€ge gehen im Grossen und Ganzen in eine vernĂŒnftige Richtung. Allerdings sind die, wie der Teilnehmer Hachmeister wohl am zutreffendsten ahnt, politisch auch komplett unrealistisch.
Denn es gibt kein politisches Gesicht, geschweige denn eine komplette Organisation oder gar Partei, die sich nur wenigstens dafĂŒr interessiert. Sie sind so sehr mit sich selbst und ihren selbstreferentiellen KreislĂ€ufen in Berlin und des LandeshauptstĂ€dten beschĂ€ftigt, dass sie das medienpolitische GeschĂ€ft angesichts seiner KomplexitĂ€t und mangelnder eigener intellektueller Durchdringung gerne subalternen politischen Beamten in den Staatskanzleien der BundeslĂ€nder ĂŒberlassen. Die wiederum verstehen das Medien-Weltgeschehen weniger, als ihre eigenen Enkel, die sie aber persönlich fast nie antreffen, weil sie ja immer “auf Arbeit” sind. So bleiben sie so dumm, wie mann zwangslĂ€ufig in jahrzehntelanger Laufbahn wird.
Wenn sich das nun bitterer liest, als Hachmeister in der fachlich auf Ballhöhe operierenden Runde klingt, dann haben Sie diesen Text verstanden. Eine Lösung habe ich nicht; fĂŒr eine adĂ€quate Strategieentwicklung fĂŒhle ich mich zu alt. JĂŒngere mĂŒssen das ĂŒbernehmen. Aber wo lernen sie das?