In der Epstein-Saga lassen sich die Kontinuitäten nachlesen: Grosskapitalgruppen, einsickerndes Organisiertes Verbrechen, professionelle Lobbynetzwerke. Dennoch läuft in einer Demokratie nicht immer alles nach Plan, dem perversesten Gerrymandering zum Trotz. Bernie Sanders war nah dran, die eine oder andere in Stein gemeißelte Gewissheit zum Einsturz zu bringen. Nicht immer ist der böse Klassenfeind alles schuld. Zumal seine Bosheit seit Jahrhunderten bekannt ist. Gelegentlich macht auch die Linke Fehler, und schafft es sehr oft, sich darüber so zu erhitzen und abzulenken, dass wichtige Fragen in den Hintergrund treten. Jacobin-Autor Matt Karp vermittelt in seiner kritischen Analyse der Vorwahlniederlagen von Sanders 2016 und 2020 davon einen Eindruck. Legen Sie sich eine Karte der US-Bundesstaaten daneben, damit sie seinen Ausführungen folgen können.
Christoph Bieber und Klaus Kamps/Carta identifizieren die Schwachstellen und Fehler der Demoskop*inn*en in den USA, die nur zum Teil und mit grösster Mühe von 2016 bis heute ausgebessert und repariert wurden. Darum bleibt eine tief im Magen liegende Ungewissheit, ob die Weltöffentlichkeit von den wie auch immer zweifelhaften Wahlergebnissen im November nicht doch überrascht wird. Auch bleibt hierzulande zu diskutieren, ob hier nicht ähnliche methodische Fehler begangen werden. Da die Demoskopie-Betreiber keineswegs wissenschaftliche “Institute” sind, sondern (Teile von) Marktforschungskonzerne, behandeln sie ihre Methoden nicht transparent, sondern wie Geschäftsgeheimnisse. Und führen verdeckte Kriege um Marktanteile gegeneinander.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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