mit Update 7.12.
Sind Ü-60-jährige wie ich in ihrer Lebenszeit von (gutem) Journalismus verwöhnt worden? Manchmal, und immer öfter, ist mir heute so. Armin Wolf habe ich hier schon selbst oft genug gelobt. Der Spiegel feiert ihn mit und berichtet entsprechendes aus den asozialen Netzwerken. Dabei macht der Mann nur seine Arbeit (der Spiegel verzichtete auf diese Verlinkung, warum nur?).
Sebastian Kurz, den ich selbst redlich hasse, wagt sich immerhin in so ein Auswärtsspiel, das er zum Glück kaum gewinnen kann. Schon der Helmut Kohl der 80er Jahre wäre von seinen Berater*inne*n daran gehindert worden, in so eine Situation überhaupt reinzugehen. Damals war es noch Alltagsarbeit von Journalist*inn*en, kritische Fragen zu stellen. Weil Kohl das so hasste, und in entsprechenden Situationen unvorteilhaft ausflippte, setzte er das Privat-TV in Deutschland höchstpersönlich durch. Die Branche dankte es ihm mit wohltätigen Spenden. Heute ist ein kritisches Interview also ein internationales Medienevent.
Update 7.12.: Der was-mit-Medien-Fachdienst “Meedia” kommentierte das Interview von Armin Wolf mit “seinem” Bundeskanzler so, als habe Wolf “seine Interviewkunst zelebriert”. Ein fataler, aber repräsentativer Irrtum. Es ist nicht Kunst, sondern Handwerk. Es ist nicht Talent, sondern erlernbar. Und was-mit-Medien, die das nicht begreifen, haben ihren Job verfehlt.
Die Herren Wolf und Kurz sprachen über die Coronaproblematik. Für geopolitische Perspektiven fehlt bei dem Thema leider die Zeit. Dabei sind sie bei kaum einem derzeit wichtiger. Hier werden Sie geholfen.
Catharina Hänsel/Jungle World berichtet zur Impfstrategie in Indien, dem wichtigsten Impfmarkt der Welt, und zwar nicht nur, was die zu impfenden, sondern auch, was die Produktion betrifft.
Florian Rötzer/telepolis berichtet über die Impfkonflikte in Europa, die geschmackvoll gewürzt werden von einer Brüsseler Schwulen-Gangbangparty (Autor: Detlef zum Winkel).