Mit Update nachmittags
Aus vielen Regionen Afrikas, nicht nur, aber insbesondere auch solchen, die bis 1918 deutsche Kolonien waren, und die bis heute auf Entschädigungen für erlittenes völkermörderisches Unrecht warten, wird immer wieder, zuletzt bei der Ebola-Epidemie, berichtet, dass weissen europäischen absolut gutwilligen medizinischen Entwicklungshelfer*inne*n massives Misstrauen entgegengebracht wird. Warum nur? Dieses Misstrauen ist kein Hexenglauben, sondern erfahrungsgesättigt. Und selbstverständlich sicherheitshalber von Generation zu Generation weitergegeben worden, auf dass sich das Erlittene nicht wiederhole.
Dass einer der Täter ein gewisser Robert Koch war, dessen Namen ein staatliches Institut trägt, das heute wohl allen in Deutschland an ihrer Gesundheit interessierten geläufig ist, vergrössert heute fast alle Probleme rund um die Coronavirus-Bekämpfung. Wer mag nur auf die Idee gekommen sein, dass dieses Institut diesen Namen weiter tragen könne und solle?
Wenn sich die deutsche Virusbekämpfung und Impfstrategie zu solchen Kontinuitäten bekennt, wie will sie dann Ängste und Befürchtungen dagegen bekämpfen? Oder will sie das gar nicht?
Das sind nur wenige Fragen, von sehr vielen, je länger Sie darüber nachdenken, die das gestern von der exzellenten DLF-Wissenschafts-Redaktion gesendete Feature von Julia Amberger “Menschenexperimente- Robert Koch und die Verbrechen von Ärzten in Afrika” aufwirft.
Spricht das nun dafür oder dagegen, sich impfen zu lassen? Diese Frage wird nicht behandelt.
Aber die, die sich zu dieser Geschichte bekennen oder glauben, sich darum herumdrücken zu können, sind mindestens für Politik als Beruf komplett ungeeignet, und sollten sich lieber “neuen Herausforderungen stellen”. Denn sie schaden der – nur weltweit wirksamen – Virusbekämpfung, und so nebenbei, aber das ist mir nur eine Nebensache, dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Eine deutsche Kontinuität: dass dieses Ansehen den Herrschenden am Arsch vorbeigeht, solange nur die Geschäfte gut laufen.
Tut mir leid, hiermit Ihrem Wohlbefinden Schaden zuzufügen. Sie werden sich besser fühlen, wenn Sie Wege finden, sich dagegen selbst zu engagieren.
Update nachmittags: Lesen Sie zur Weltabgewandtheit deutscher Debatten und kultureller Praxis auch das Interview von Peter Nowak/Jungle World mit der Afrikanistin Anette Hoffmann “»Das schafft nur schizophrene Museen« über die Eröffnung des Berliner Humboldt-Forums und die Restitution kolonialer Raubkunst”. Die dort erwähnte Webseite von Barazani Berlin hat die Jungle World leider nicht verlinkt.