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Persönliche Existenzvernichtung

Julien Assange muss man nicht mögen, aber auch er hat wie alle Menschen Gerechtigkeit verdient. Doch was die öffentliche Meinung im Allgemeinen und britische Gerichte im Besonderen mit ihm veranstalten, ist ein menschenrechtlicher und demokratischer Skandal. Dass sich nun auch noch eine Journalistin des allgemein als seriös geltenden Deutschlandfunks an der Rufmordkampagne an Assange beteiligt, ist nicht hinnehmbar. Julien Assange hat mit der Plattform “Wikileaks” geheime Dokumente über Verbrechen und Gräueltaten der US-Armee an Zivilisten und den Mord an zwei Journalisten von Reuters öffentlich gemacht. Es hat sich damit um die Pressefreiheit verdient gemacht.

Anstatt jedoch den Pulitzer-Preis zu bekommen, wird er seit Jahren mit windigen juristischen Anschuldigungen überzogen, sein Ruf gezielt ruiniert, er wird von der britischen Justiz in skandalöser Weise mit Vorwürfen  verfolgt, die sich bei genauerem Hinsehen als nicht haltbar erwiesen haben. Wie infam diese Beschuldigungen angesichts der zugrunde liegenden Sachverhalte sind, hat Lukas Zimmermann im “Freitag” akribisch nachgezeichnet.  Dass eine ausgewachsene Großbritannien-Korrespondentin des Deutschlandfunk, wie Christine Heuer, sich mit einem journalistisch entsetzlichen Beitrag an dieser allgemeinen Geschichtsklitterung beteiligt, ist bedauerlich. Ihr vor Verdrehungen von Täter- und Opferrollen, politisch motivierten Herabwürdigungen der Notwendigkeit, staatliche Kriegsverbrechen aufzudecken und Verharmlosungen der Menschenrechtsverletzer in Uniform nur so strotzender Beitrag ist ein Offenbarungseid des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Politisch abenteuerliche Thesen wie die, Assange und die Enthüllungen von Wikileaks hätten 2016 zum Wahlsieg Donald Trumps beigetragen, disqualifizieren sich selbst. Wie verdreht muss die Realitätswahrnehmung von Frau Heuer sein, dass sie offensichtlich nicht wahrnimmt, dass es gerade die Unglaubwürdigkeit Hillary Clintons und ihrer Außenpolitik war, die viele Demokraten 2016 daran hinderte, sie zu wählen? Dass unter anderem dubiose Millionenspenden Ukrainischer Oligarchen auf den Konten der “Clinton-Stiftung” landeten, deren Zweck bis heute nicht geklärt ist. Und da sollte wohl, denkt man Frau Heuers Kritik zuende, Vertuschung die richtige Alternative gewesen sein? Wer sich zu solchem Blödsinn versteigt,  verletzt jede journalistische Ethik.

Dieser Beitrag hatte zwar keinerlei Aufklärungswert, diente aber dazu, weiter die persönliche  Integrität Julien Assanges zu zerstören, ihn zur Persona non Grata abzustempeln und damit den Vorwand zu liefern, ihn weiter mit zweifelhaften und einer unabhängigen rechtstaatlichen Justiz unwürdigen Vorwürfen zu überziehen.  Wer Menschenrechtsorganisationen, die sich für einen Whisteblower einsetzen, als “persönlichen Fanclub” diffamiert, begibt sich auf ein Terrain, das diffamatorisch sonst nur von Geheimdiensten vom Kaliber des GPU, des MI6, der NSA  oder des BND bespielt wird.

2 Comments

  1. Helmut Lorscheid

    Ich habe den Text von Roland Appel zum Anlass genommen für eine Email an den Hörerservice des Deutschlandsfunks:
    Sehr geehrte Damen und Herren

    in Iher Berichterstattung über den Prozess gegen Julian Assange hatten sie stets eine
    Formulierung die beinhaltete Assange habe “militärische Geheimnisse” verraten.
    Das kann man so sehen, aber nur wenn man Mörder argumentativ schützen mag.
    Haben Sie die Reuter Kollegen vergessen, die einfach aus einem Hubschrauber erschossen
    wurden?
    Ich zitiere gerne Roland Appel, der es in seinem Kommentar auf den Punkt gebracht hat:

    “Julien Assange hat mit der Plattform “Wikileaks” geheime Dokumente über Verbrechen und Gräueltaten der US-Armee an Zivilisten und den Mord an zwei Journalisten von Reuters öffentlich gemacht. Es hat sich damit um die Pressefreiheit verdient gemacht.”
    https://extradienst.net/2021/01/16/persoenliche-existenzvernichtung/

    Ich bitte in Zukunft diese Tatsachen nicht zu vergessen und in der Beschreibung dessen, was
    Assange veröffentlich hat, auch beachten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Helmut Lorscheid
    Journalist

  2. rudolf schwinn

    Den Deutschlandfunk habe ich bisher als eine seriöse Anstalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschätzt. Der erhellende Artikel von Roland Appel zeigt mir nun, dass Vorsicht geboten ist. Wenn man den Text von Frau Heuer, den der extradienst dokumentiert, gelesen hat, wird man dem Kommentator beipflichten und ihn ob seiner Aufmerksamkeit würdigen.

    Man fragt sich, wo eine Journalistin mittleren Alters gelebt hat, dass sie nicht die Blutspur US-amerikanischer “Operationen”, die sich um den Globus zieht, wahrnimmt. Und wie naiv man sein muss anzunehmen, das in den Vereinigten Staaten gegen den verdienstvollen Aufklärer Julian Assange angestrengte Verfahren könnte sich gegen die Mörder in Uniform wenden.

    Nun geht es hier nicht allein um wunderliche Gedankenbilder einer DLF-Redakteurin, die sich in der Sphäre von “Quer-Denkern” und “Verschwörern” einnebelt. Denn bevor Frau Heuer ins Mikrophon sprechen konnte, muss ihr Text das Placet für den Sender verantwortlicher Persönlichkeiten gefunden haben. Und dieser Umstand macht deutlich: Aufklärung ist dringend geboten. Die Verbreitung von vernunft- und evidenzwidriger Ansichten findet keinen Rückhalt im Rundfunk-Staatsvertrag.
    Roland Appel hat, wie ich finde, einen wichtigen Mahnruf an den Deutschlandfunk adressiert.

    Mit dankbaren Leser-Grüssen,
    rudolf schwinn

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