Von diesem Ostermontag an, hat Armin Laschet gesagt, würden sich er und Markus Söder verständigen, wer die Unionsparteien als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führen werde. Laschet scheint – trotz allem – dazu gewillt zu sein.

Viel spricht dafür, dass es so kommt. Söder könnte zum Rückzieher neigen – auch deshalb, weil immer neue Amigo-Affären verlangen, dass er daheim in Bayern seine Partei vor Schlimmerem bewahrt. Oder auch, weil er – in Umkehrung früherer CDU/CSU-Verhältnisse – taktisch so klug sein will wie ehedem Helmut Kohl (1979/80) und Angela Merkel (2002), die als CDU-Vorsitzende dem amtierenden CSU-Chef (Strauß/Stoiber) den Vortritt ließen und warten konnten, bis ihre Zeit gekommen war. Die aktuellen Umfragen der Unionsparteien sprechen für eine solche Kalkulation.

Laschet aber müsste fortan Fragen beantworten, ob er auch im Falle einer Niederlage bei der Bundestagswahl bereit sei, das Ministerpräsidentenamt in Nordrhein-Westfalen abzugeben, als Oppositionsführer nach Berlin zu ziehen und der CDU/CSU-Fraktion vorzusitzen. Seine Antwort kann nur „Ja!“ lauten. 2012 war Norbert Röttgen eine ähnliche Festlegung abverlangt worden. Seine Niederlage als CDU-Spitzenkandidat bei der NRW-Landtagswahl wird darauf zurückgeführt, dass er die Zusage verweigerte, gegebenenfalls auf sein Amt als Bundesumweltminister zu verzichten. Das ist nicht vergessen.

Die Berufung Laschets zum Kanzlerkandidaten hätte in jedem Falle Auswirkungen auf die nordrhein-westfälische CDU. Sein Nachfolger als Ministerpräsident muss qua Verfassung Mitglied des Landtags in Düsseldorf sein. Berliner CDU-Größen aus NRW kommen deshalb nicht in Betracht. Von denen aber gibt so viele, dass sie sich nach der Bundestagswahl gegenseitig auf den Füßen stehen werden: Ralph Brinkhaus, der CDU/CSU-Fraktionschef; Jens Spahn, Gesundheitsminister und Teampartner Laschets; CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak; dazu noch Röttgen, der Mittelstandspolitiker Carsten Linnemann und vielleicht auch Friedrich Merz, der ebenfalls mehr als bloß ein Bundestagsmandat anstrebt. Selbst im Falle eines Wahlsieges könnte Laschet nicht alle mit Posten versorgen. Die CDU-Frauen und andere CDU-Landesverbände werden Ansprüche erheben. Noch schärfer würde der Konkurrenzkampf, wenn Laschet – in Absprache mit Söder, wie sie einst Merkel mit Stoiber traf – nach der Wahl den Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion übernehmen wollte.

Über den/die Autor*in: Günter Bannas (Gastautor)

Günter Bannas ist Kolumnist des Hauptstadtbriefs. Bis März 2018 war er Leiter der Berliner Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine Beiträge im Beueler-Extradienst sind Übernahmen aus “DER HAUPTSTADTBRIEF AM SONNTAG in der Berliner Morgenpost”, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion. © DER HAUPTSTADTBRIEF