Wenn ich nach der Wende 1990 Berlin besuchte, hatte ich einen freundlichen Gastgeber, der zum Politestablishment der Hauptstadt zu zählen war. Er hatte sich in einem der ersten fetten Investorenprojekte in Mitte und Prenzlauer Berg eine schicke Eigentumswohnung in Parklage gesichert. Als er eine Familie gründete und das Besucher*innen*zimmer zum Eigenbedarf wurde, erwarb er in dem Komplex noch eine Besucher*innen*wohnung dazu. Diese hatte ein Fenster zur Parkseite, das ich des nachts zur besseren Belüftung meines Schlafes öffnete. Nunja, viel Schlaf war nicht. Denn in dem Park trafen Dealerbanden aufeinander, und schlugen und schossen ihre Revierkämpfe aus. Praktischerweise mit einem Polizeirevier an einer Ecke des Parks. Da war aber wohl nachts niemand zuhause. Oder wollte nicht stören. So erfreute ich mich umso mehr der späteren Rückreise in meine rheinische Heimat zu meiner Beueler Wohnlage, die nur durch den Flugplatz Hangelar in akustisch vergleichbarer Weise belästigt wird.
An dieses Erlebnis erinnerte mich gestern dieser Bericht von Alexander Fanta/netzpolitik über das Ausschiessen der Reviere zwischen den Datendealern in Brüssel, mittendrin Flintenuschi als spezielle Freundin des Springerkonzerns. Spielen unsere gewählten Regierungen die Rolle des verwaisten Polizeireviers? So kommt es mir öffentlich vor. Tatsächlich sind ihre Teile aber Teile der rivalisierenden Lobby-Banden. Es könnte einem egal sein, wenn die sich gegenseitig verkloppen. Wenn es nicht unsere Daten wären, um die es geht.
Leonhard Dobusch wirft im gleichen Medium die berechtigte Frage auf, warum die Redaktionen der öffentlichen Sender nicht schon längst Crowdrecherche-Projekte ins Leben gerufen haben, um den Rückkanal der Internetverbreitung, und damit uns, das Publikum, aktiver zu nutzen. Ich weiss die Antwort: die haben Angst vor uns. Was mich persönlich betrifft, gibt es dafür auch Gründe, die meisten hier im Extradienst nachzulesen.