Seit Oktober letzten Jahres ist taz-Redakteurin Anne Fromm gewähltes Mitglied des Genossenschaftskonzern-Vorstandes. Schön, dass sie dennoch Zeit zum Recherchieren und Schreiben findet. Denn was selten ist, ist wertvoll – und sie kann es. Das beweist sie in dieser Story über ein Provinzduell in Meck-Pomm zwischen dem Nordkurier und dem Verleger der erfolgreichen Katapult-Magazins. Und wie im wahren Leben gibt es bei Fromm kein Gut und Böse, sondern eine Anhäufung von Widersprüchen, die sich mit Klischees nicht vertragen. Exzellent. Danke.
Auch nicht schlecht ist die Story von taz-Kulturchef Andreas Fanizadeh über Habermas’ Preisrückgabe an Emir MBZ. Neu für mich ist, wie peinlich die Sache für den Börsenverein des deutschen Buchhandels und das Auswärtige Amt aussieht. Leider lässt Fanizadeh unerwähnt, wie unappetitlich der Preisfinanzier in die “grösste humanitäre Katastrophe”, den Jemen-Krieg verstrickt war. Und dass er sich als Empfängerland deutscher Rüstungsexporte emsig in Richtung “Champions-League”-Plätze vorarbeitet, 2019: von 10 auf 8. Und das will dieser Habermas alles aufs Spiel setzen?
Regelrecht spektakulär ist eine sehr lange Analyse des über 90-jährigen ehemaligen Friedensforschers Erhard Geißler/Berliner Zeitung: “Virus-Panikmache: Eine rätselhafte Meldung der Deutschen Presse-Agentur”. Bei der Lektüre kauen Sie eher Ihre Fingernägel, als beim Tatort. Warum? Gibt der Autor nicht eher in allem Entwarnung? Scheinbar ja. Aber hinter seiner rhetorischen Beruhigung scheint auf, was alles denkbar und möglich ist. Und dass die Nato und Deutschland, diplomatisch ausgedrückt, keine vorbildliche Rolle spielen. Die “Profis” im Biowaffen-Geschäft denken ja nicht wie Sie und ich, also ungefähr: Finger weg, zu gefährlich! Sondern im Gegenteil: was technisch möglich ist, wird gemacht. Bevor es die Andern machen. Für den Fall, dass Geißler, wie ich hoffe, aktuell völlig recht hat. Wie lange wohl noch?