Wundersame Bahn LXII
Lustig: “Scholz und Laschet können sich nicht auf Klimaschutz als das beherrschende Thema einlassen. Für sie muss es um den Geldbeutel gehen. Alles andere spielt Baerbock in die Hände.” So ein Abkömmling eines uradeligen Geschlechts aus – natürlich! – Westfalen. Schön blöd für Laschet und Scholz. Oder von? Weniger blöd der US-Präsident: er wird in diesem Leben sicher kein Revolutionär mehr, sondern ist ein Konservativer im besten Sinne. Er kapiert die Bedeutung des Klimaschutzes; er und seine Administration interessieren sich ernsthaft dafür. Bevor die Landwirtschaft kaputtgeht. Oder ist es schon zu spät? Darüber berichtet Heike Wipperfürth (die muss aber hier aus dem Rheinland sein): “Millionen Hektar US-Ackerfläche von Erosion bedroht” (Audio, 6 min).
Zahlreiche Medien berichten über eine Studie im Auftrag des Verbandes der Verkehrsunternehmen sowie mehrerer Bundesländer (federführend: BaWü), die ergeben habe, dass das Corona-Infektionsrisiko von Bahnfahrer*inne*n sich entgegen dem verbreiteten Volksglauben nicht von dem von Autofahrer*inne*n unterscheidet. Über 3 Mrd. € Mindereinnahmen hat dieser Volksglaube die öffentlichen Verkehrsunternehmen, und damit per Saldo uns alle, bereits gekostet. Und da sind die durch den Autoverkehr angerichteten Gesundheits-, Klima- und Umweltschäden noch nicht eingerechnet. Berichte in der FAZ/Jan Hauser, der SZ/Markus Balser und dem DLF/Katharina Thomas. Schwach von allen Genannten: einen Link zum Originaltext gibt es nicht. Bei Abfassung dieses Beitrages habe ich ihn beim Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) und beim federführenden Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg vergeblich gesucht. Ein Bärendienst, den sich die Beteiligten mit dieser gestrigen PR-Strategie erweisen.
Nur wenig besser die immer nur auf sich selbst verlinkende taz. Immerhin berichtet Anja Krüger von einer Initiative von 36 europäischen Umweltorganisationen für einen besseren grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Und den Link zum Originaldokument bekommen Sie hier von mir.
Neidvoll geht ein Blick nach Spanien, wo die französische Staatsbahn es möglich machen soll, in 2 1/2 Stunden für 9 € von Barcelona nach Madrid zu jetten – auch wenn ich wohl nicht zur Zielgruppe gehöre (DLF-Bericht von Oliver Neuroth, Audio 4 min). Die gegenseitige Konkurrenz öffentlicher staatlicher Bahngesellschaften klingt mir ein bisschen wie irregewordener Staatskapitalismus. Als Fahrgast interessiert mich nicht die Gesellschaft, die meine Barmittel kassiert, sondern wie ich komfortabel von A nach B komme, ohne ein akademisches Fahrgaststudium absolvieren zu müssen. Mann nennt es “Netzwirkung”.