Die öffentlichen deutschen Schuldfragen gehen alle ins Leere.
Einerseits haben sowohl Ulrich Horn, als auch andererseits Jagoda Marinić/taz Recht. Das ist schon kompliziert genug. Denn diese Sichten als “eurozentristisch” zu bezeichnen, würde ihnen schon mehr Weltoffenheit zuordnen, als sie in diesen Texten aufbringen. Von beiden weiss ich, dass sie zu mehr Weit- und Weltblick imstande sind. Im September war ein Drittel der Weltbevölkerung geimpft, eine Parallele zur missratenen Klimapolitik, und kein Zufall. Daran sind sicher nicht irgendwelche Querulant*inn*en “schuld”, sondern strategisch denkende und berechnende Köpfe.
Es würde jedoch auch nichts nützen, die zu identifizieren und an die nächste Laterne zu hängen. Solange das Gesundheits- und Wirtschaftssystem dieser Welt so bleibt wie es ist. Es ist nicht in der Lage, die Menschheit zu schützen, und in ihr Hilfsbereitschaft und Solidarität zu fördern. Sowohl die Entwicklung des Weltklimas, wie auch die zahlreichen damit einhergehenden Gesundheitsrisiken zwingen uns jetzt dazu.
Wenn Sie mehr Gewissheit suchen: hier beim ZDF können Sie sich einen weltweiten Überblick verschaffen. Oder lesen Sie diese taz-Story: “Die globale Impflücke”.
Was wäre zu tun? Ähnlich den unvollkommenen Klimaberatungen von Glasgow wäre ein weltweiter Impfgipfel erforderlich. Der dürfte erst beendet werden, wenn alle Konferenzteilnehmer*innen einen Weg zu allgemeinem und gleichem Impfschutz für alle Weltregionen und Staaten gefunden haben. Schlimm genug, dass das noch länger dauern würde, als eine deutsche Ministerpräsident*inn*enkonferenz.
Die Alternative: wir machen es wie Trump. Mauerbau gegen alles Böse und Gefährliche dieser Welt. Am besten noch oben einen Deckel drauf. Wg. der Aerosole.
Es gibt nur diese eine Welt. Da das, was ich hier fordere, noch etliche Jahre dauern wird, werden noch viele Wellen kommen. Und neue Viren. Besser, wir stellen uns – und insbesondere unser Gesundheitssystem – darauf ein, als Panik.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net