Schau an: der Generalanzeiger kann doch digital. Wenn er will. Der sehr ausführliche Bericht von Rajkumar Mukherjee aus der Bezirksvertretung Beuel steht weltweit zugänglich online. Geht doch. Für die Fantasielosigkeit der Debatte kann dieser Zuwanderer aus der fremden Kultur Westfalens nichts. Er ist ja nur der Überbringer.
Ich weiss, dass meine persönliche Radikalität in meiner verbleibenden Lebenserwartungszeit nicht durchgesetzt wird: zwischen Kennedy- und Nordbrücke, westlich der Niederkasseler Strasse alle Autos raus, und zwar nicht nur die Durchfahrenden, sondern insbesondere das komplette parkende Blech. Aber auf mich hört ja keine*r.
Darum läge es nahe, in diesem Bereich eine Share-Space-Zone einzurichten. Das ist Englisch, weil es ein international verbreitetes Konzept ist. Manche Fachleute meinen, der Deutsche an sich sei zu doof dazu (deutsche Verkehrsminister auf jeden Fall!). In der Schweiz sagen sie “Begegnungszone”. Ein politisch attraktiveres deutsches Wort dafür ist noch von keiner Werbeagentur erfunden worden.
Die Abgrenzungen für diverse Verkehrsteilnehmer*nnen würden baulich beseitigt. Alle wären gleich. Gemäss § 1 StVo gälte das Gesetz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Skepsis ist berechtigt. Ich bin Radfahrer, und weiss, dass das auch unter deutschen Radfahrer*nne*n nur gering verbreitet ist. Muss aber nicht so bleiben.
Shared Space wäre ein Kompromiss, weil es Autos erlauben würde. Sie hätten nur keine Vorfahrt mehr. Ich wäre immer noch für die Abschaffung aller Parkplätze. Wenn sich das nicht durchsetzen lässt, darf es auf keinen Fall mehr gekennzeichnete Parkplätze geben. Dann bestünde die Hoffnung, dass die Parkenden automatisch für die Verkehrsberuhigung sorgen, weil die Autos – wie sonst überall auch – an sich selbst ersticken. Aber das wäre zuviel Katastrophenstrategie. Und auch eine Verhohnepipelung des Konzepts.
Ein Problem ist und bleibt der dicke, fette Bus, der der baulichen Fantasie Grenzen setzt. Er muss auch hier durch, allein schon für die rund 300 Altensozialwohnungen an der Wolfsburg. Gäbe es vielleicht kleinere Fahrzeuge, die nicht den ganzen Rhein-Sieg-Kreis mitverpacken müssen? Demnächst sogar autonom fahrende?
Aber bitte: ist der Beueler und die Beuelerin genauso doof wie der Deutsche an sich? Geht es nicht mit einem kleinen bisschen mehr Fantasie und Weitblick? Bitte, bitte!

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net