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Lockdown für das Schweinesystem

Aus dem Aufgabenheft von Cem Özdemir
Haben Sie einen “starken Magen” und ein stabiles Gemüt? Oder wollen Sie sowieso gerade Vegetarier*in werden? Dann schauen Sie sich die SWR-Dokumentation “Schweine vom Fließband: Bleibt der Tierschutz auf der Strecke?” von Monika Anthes und Edgar Verheyen an, die der NDR gestern Abend wiederholte. Sie lässt nur einen Schluss zu: die Massenschweinezucht in Deutschland muss sofort in den Lockdown. Das ganze System ist gesetzwidrig. Wo Haftbefehle nicht umsetzbar sind, sind sofortige Berufsverbote das Mindeste: für Tierfabrikbetreiber, in Schlachtkonzernen, Landratsämtern und für nicht wenige Tierärzt*inn*e*n.
Die Aussage eines Bauernlobbyisten “Tierschutz gibt es nur, wo es Tierhaltung gibt” wird in diesem Film widerlegt. Das Grundübel der Massentierhaltung in Deutschland ist ihre Weltmarkt- und Exportorientierung. Die Verbraucher*innen hierzulande wollen das Fleisch gar nicht; sie fressen es immer weniger. Und immer mehr Bundesbürger*innen essen überhaupt keins. Denen, die es noch tun, wird der Appetit vergehen, wenn sie verpflichtet würden, vor dem Verzehr – sagen wir eine Unterrichtsstunde von 45 Minuten lang – die Bilder der real existierenden Schweine”erzeugung” ansehen zu müssen, die dieser SWR-Film in diversen Sequenzen nur sekundenlang dokumentiert.
Die Bauern und Bäuerinnen, die Massentierhaltung betreiben, müssen wählen: entweder Umbau sofort – oder Jobcenter. Die Schlachthöfe von Tönnies, Westfleisch, Vion, Danish Crown usw. müssen sofort stillgelegt werden. An ihre Stelle können regionale Schlachthöfe treten, oder noch besser: selbstständige Schlachter*innen reisen zu den übrigbleibenden Betrieben vor Ort: der Mensch reist, die Tiere bleiben da, wo sie sind. Ja, das wären viele Millionen Schweine weniger. Die ausserdem viel besser schmecken würden. Mit dem “Markt”, wie wir ihn kennen, wäre es vorbei.
Der Mensch müsste wieder wie ein Mensch handeln, nicht wie ein gedankenloser Roboter. Die wenigen Tiere hätten wieder ein Leben. Die Böden und unser Trinkwasser würden nicht mehr durch Gülle verseucht. Ein Stück Fleisch, wo es noch auf den Tisch kommt, wäre wieder was Besonderes. Fürs Klima wäre es sowieso das Beste.
Cem, jetzt bist Du dran.
Und wie wärs, wenn sich das Bundeskartellamt mal um den Lebensmitteleinzelhandel kümmern würde? Zuständiges Ministerium: Habeck.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Helmut Lorscheid

    Ja die Siuation – auch für die in den Schlachereien tätigen Menschen ist ebenfalls eine Riesensauerei – übrigens seit Jahrzehnten weitgehend unverändert. Ich habe schon vor fast 20 Jahren darüber im WDR in der Sendung “Babylon” berichtet und auf Telepolis geschrieben: https://www.heise.de/tp/features/Wie-im-Lager-3429765.html

    Es gibt auch einen Maler, der sich in hervorragender Weise mit dem Thema befasst: https://hartmutkiewert.de/

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