Hunderttausende, weltweit gerechnet gewiss Millionen, Menschen gehen derzeit gegen den Krieg auf die Strasse. Das ist gut so. In den 80ern habe ich sowas selbst organisiert. Die meisten, die mitmachten, waren in vielen anderen politischen Fragen anderer Meinung, aber in dieser wichtigen waren (und) sind wir einig. Das ist sehr gut so. Selbst wenn die Frage berechtigt ist, gegen welchen Krieg denn da jetzt genau demonstriert werden soll. Die Bekenntnisfreude und der Drang dazu ist gegenwärtig in Deutschland zum Ukrainekrieg besonders gross. Auch hierzu gilt: besser dagegen als dafür. Wem das zuviel wird, wie gelegentlich auch mir selbst, muss eben Mediendiät halten. Wie in Schlussverkäufen: lieber erst in der zweiten Woche hingehen, um sich zunächst einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Das ist schwierig genug.
Derzeit werden neben dem akuten menschenmörderischen militärischen Krieg in und gegen die Ukraine weitere Kriege vom Zaun gebrochen. Heiner Jüttner erwähnte eben schon den Rüstungswettlauf, in dem die Bundesregierung symbolisch und finanzpolitisch mitrennen will, und der nur einen Sieger kennt: den militärisch-industriellen Komplex. Und dann gibt es noch den Wirtschaftskrieg, der in der Öffentlichkeit unter dem Begriff “Sanktionen” gelabelt wird. In dem gibt es nur einen Wert: den Kapitalwert (und die Profitrate). Der wird aber regelmässig ideologisch und rhetorisch verkleidet. Es ist nicht leicht, diese Verkleidung zu durchdringen.
Ich habe es gestern mal hier versucht:
Thomas Pany/telepolis: EU wird zur Kriegspartei: Die Stunde von der Leyens – Die Falken sind obenauf: Aufrüstung der Ukraine und Wirtschaftskrieg gegen Russland. Der Erfolg muss sich aber in der Diplomatie zeigen: In der Begrenzung und schnellen Beendigung des Kriegs”
German Foreign Policy: ‘Russland ruinieren’ – Für deutsche Unternehmen zeichnen sich erste Folgeschäden der neuen Russlandsanktionen ab. Keine Sanktionen verhängen China, Indien, die arabischen Golfstaaten und viele andere.” (ohne Autor*inn*enangabe; dieser Text verschwindet in einigen Tagen in einem Paywallarchiv)
Markus Frühauf und Tim Kanning/FAZ: Ukraine-Konflikt: Anleger an den Finanzmärkten befürchten weitere Eskalation
Tim Kanning/FAZ: Die Börse in Kriegszeiten : Rheinmetall plus 40 Prozent, Deutsche Bank minus 8 Prozent”
Kanning zitiert einen “Profi-Investor”: “Die Märkte sind zynisch.” Und damit zurück ins Studio …

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net