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Faschistische Wurzeln der Putin-Ideologie

Under Putin, the word “fascist” (or “Nazi”) just means “my chosen enemy, who is to be eliminated”

Prof. Snyder legt mit dankenswerter Klarheit die faschistischen Wurzeln der Putin-Ideologie frei. Carl Schmitts dezisionistisch bestimmter “öffentlicher Feind” (eine Feindbestimmungslogik, die die Nazis vollständig übernommen haben) wird bei Putin einfach unter das Label “Faschismus” gebracht – und schon trübt sich auch der Blick vieler ach so “kritischer” deutscher Intellektueller vor der Putinschen Ideologie.

Eine solche Aussage hat übrigens gar nichts mit der gerne geschwungenen “Faschismuskeule” zu tun, sondern gründet sich u.a. auf einer Analyse von Putins Rede zur Legitimation der Ukraine-Aggression unmittelbar vor dem 24.2. (s.a. Olschanski in “Extradienst”). Diese Rede ist wirklich und ausweisbar faschistoid.

So weit stimme ich also mit Snyder überein. Einen größeren Einwand hätte ich dennoch: der grauenhafte Molotow/Ribbentrop/Hitler/Stalin-Pakt war tatsächlich grauenhaft, das stimmt. Zu seiner Vorgeschichte gehört aber auch München 1938 – und z.B. die ausgiebigen, langwierigen Anreisewege, die englische Delegationen einschoben, um mit Stalin irgendwie auch mal über eine gemeinsame Abwehr des Hitlerfaschismus zu reden. Das hat die russische Seite damals sehr irritiert.

Andererseits – und alles noch schlimmer machend – gehört die damit angesprochene Erfahrung: “lange Zeit passiert gar nichts” auch zum Reaktionsmuster von Teilen der gegenwärtigen deutschen Politik. Auch das sollte einen sehr nachdenklich machen.

Mehr über den Autor hier.

Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

3 Kommentare

  1. Martin Böttger

    “Nachdenklich machen” finde ich gut. Was soll denn “passieren”. Ist es das?
    https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/ist-eine-eskalation-in-der-ukraine-teil-der-strategie-der-usa
    Steht das überhaupt einer demokratischen Meinungsbildung offen? Und was genau sind “die dafür notwendigen Opfer”?

  2. A.Holberg

    Zu Herrn Snyder und seine Faschismus-Expertise s. https://www.wsws.org/de/articles/2022/05/11/djwj-m11.html

  3. Reinhard Olschanski

    Zu Timothy Snyder würde ich statt Vierte Internationale („World Socialist Web“) – weia – einfach mal Wikipedia empfehlen:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Timothy_D._Snyder

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