Nur kurz verfügbar: “Parasite”, “Mustang”, “Elle”

Nach Phasen kultureller und ästhetischer Hungersnot beliebt der Sender Arte gelegentlich, das Publikum mit Perlen zu überschütten, dass kaum Zeit zu reflexiver Verdauung bleibt. Ich habe vor lauter nächtlicher Betäubung noch gar nicht über das im Sinne des Wortes fantastische “Parasite” (Südkorea 2019) nachgedacht, da folgen heute abendfüllend zwei weitere wichtige Filmereignisse. Schade nur: Sie müssen schnell gucken, nur kurze Mediathekzeit.

“Parasite” kannte ich noch nicht. Standen die Drehbuchautoren Bong Joon Ho (auch Regie) und Han Jin Won unter Drogen? Was nimmt mann so in Korea? Wuchsen sie in irren Familien auf, und haben das einfach ein paar Gedankenkurven weitergedreht? Eine bissigere Kritik an einer Klassengesellschaft habe ich nach “1900” von Bertolucci noch nicht gesehen. Politisch zu bemäkeln ist, dass Ansätze zu kollektivem solidarischem Widerstandshandeln gänzlich fehlen. Jede*r ist sich selbst die*der Nächste – Realismus? Ich fürchte: Ja. Das Geschehen ist – ich mutmasse selbst für koreanische Verhältnisse – irre komisch, und endet recht schlingensiefartig, also nichts für Kinder. Obwohl: was die alles in Mangas schon gesehen haben, da gähnen die wahrscheinlich drüber. Der Film scheint seinem Wikipedia-Eintrag zufolge alle Filmpreise dieser Welt komplett abgeräumt zu haben. Und ist nur bis Samstag in der Mediathek.

“Mustang” habe ich 2018 mit viel Glück und Zufall bei seiner Arte-Erstausstrahlung gesehen. Ich bin nicht sehr cineastisch gebildet. In der Rückschau erinnere ich mich an ihn als “meinen” schönsten “Türkei-Film” , und gleichzeitig ein kraftvolles feministisches Manifest. Anders als 2018 bekommt es dieses Mal einen Monat Mediathek. Das schaffen Sie – gönnen Sie sich das! Die superinformative “Making-of”-Dokumentation ist weiter verfügbar. Nehmen Sie die vorher oder nachher dazu. Wer danach noch Frauen hasst, soll sterben gehen.

Zu Isabelle Huppert muss ich nichts mehr schreiben. Die kennt doch jede*r. Und wer sie nicht kennt, hat sie dennoch oft gesehen. Heute kommt “Elle” (F 2015), nur bis Sonntag in der Mediathek.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net