mit Update 19.5.

Und: Gockelkampf in der was-mit-Medien-Blase

Der Fortschritt ist, dass die Bundesregierung Indien nicht als “Regionalmacht” abheftet, sondern die vielsagende Begrifflichkeit “strategischer Partner” verwendet. “Wertegeleitet” ist nichts daran. Regierungsdespot Narendra Modi ist ein lupenreiner Hindufaschist. Aber Indien ist ein Markt so gross wie China, nur bei weitem noch nicht so entwickelt und selbstbewusst, also beeinfluss- und eroberbar. Jede Regierung, die das nicht begreift, könnte gleich zurücktreten. So schlimm ist es hierzulande noch nicht.

Anders bei den grossen deutschen Medien. Haben Sie eine aufsehenerregende Berichterstattung über den Staatsbesuch Modis in Berlin (2.-4. Mai) entdeckt? Ich fast nichts. Liegt es an mir? Falsche Mediennutzung?

Die Kolleg*inn*en von Jungle World haben mit einer Woche digitaler Verzögerung diese informative Bestandsaufnahme von Catharina Hänsel online geöffnet: “Indien leidet unter einer verheerenden Hitzewelle: Heiße Verhandlungen – Während Indien unter Hitze leidet, ist Premierminister Narendra Modi am 2. Mai zu Regierungskonsultationen nach Deutschland aufgebrochen.” Und bei Jacobin erschien heute Chris Saltmarsh: Die Hitzewelle in Südasien ist eine Warnung an uns alle – Die brutale Rekordhitze in Indien und Pakistan lässt Vögel tot vom Himmel stürzen und bringt Millionen in Lebensgefahr – ein deutliches Warnsignal, dass wir den katastrophalen Verlauf des Klimawandels jetzt aufhalten müssen.” Update 19.5.: Hier in Spanien kommt “es” schon näher

Was-mit-Medien-Gockel

Meine erste Reaktion war: Siegfried Weischenberg – ach, der lebt noch, wie schön! Vor fünf Jahren gab er Marcus Klöckner/telepolis noch ein informatives Interview zu seiner nicht minder informativen Veröffentlichung “Medienkrise und Medienkrieg”. Doch nun scheinen die Jungs gegeneinader ins Diskursfeld gezogen zu sein, und Sebastian Köhler/telepolis hat darüber einen auf mich recht aufgeblasen wirkenden Zweiteiler gemacht: Geht es auch anders? In Richtung emanzipatorischer Kritik an Medien und Journalismus – Debatte über ‘das Elend der Medien’ und über ‘alternative Medienkritik’. Können Medienschaffende und -forschende auch anders?”

Das Beste an Köhlers umfänglicher Würdigung der Spielteilnehmer ist der Auftritt von Mandy Tröger, die sich zu einem aufgehenden Stern der Medienkritik zu entwickeln scheint, und die Jungs im Handumdrehen alt aussehen lässt: “Jede Kritik schwächelt an den Egos ihrer Autor:innen. Wenn im Mittelpunkt die (Re-)Produktion des Ichs steht und selbstbezogene Narrative die Argumentation zu treiben scheinen, ist das Indiz dafür, dass es sich um die Instrumentalisierung kritischer Perspektiven und die Übertragung privater Kämpfe in öffentliche Arenen handelt. Was zu einem gewissen Grad Grundlage jeder Kritik sein muss, kann durch die Übersteigerung des Ichs also kontraproduktiv werden. Auf der Strecke bleibt die Kritik selbst.”

Alle Jungs, auch und gerade die, die sich für besonders linksradikal halten, erweisen sich so als gelehrige Schüler des Neoliberalismus. Schade eigentlich.

SPD

Zu der wollte ich jetzt auch noch was schreiben. Aber heute ist zu heiss. Später vielleicht.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net