Beueler-Extradienst

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Aktivist*inn*en und Spekulanten

Wieder was dazugelernt. Bei wohlhabenderen Automodellen gehören “Mini-Kompressoren” jetzt zur Grundausstattung. Die sollen helfen, wenn Ihnen, wie z.B. hier in Essener Reichen-Stadtteilen – wir im Norden nannten sowas immer “Asozialen-Ghettos” – aus Versehen jemand aus mehreren Reifen die Luft geklaut hat. Schlimme kriminelle Sachbeschädigung natürlich. Aber wenn ich ehrlich in mich hineinschaue, entdecke ich da Gefühle wie bei Bankraub. Natürlich überhaupt nicht zu vergleichen …

Weder von “Reifenlöschern” noch von „Tyre Extinguishers“ hatte ich bis eben was gewusst oder gehört. Diese Bursch*inn*en wissen also so zielsicher wie die “Letzte Generation”, welche Knöpfe sie im Medienkapitalismus drücken müssen. Ihre mächtigen Gegner*innen sind soooo berechenbar. Aber Vorsicht: komplett bescheuert sind die auch nicht, sonst wären sie nicht an der Macht. Und nicht alle kapieren so schnell und heftig wie die Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld GmbH.

Mit einem recht schlicht gestrickten Text “Klimaschutz ist kein Verbrechen” haben die Aktivist*inn*en das Herz zahlreicher (derzeit weit über 1.000) Kultur- und Kunstschaffender getroffen, auch einige Stars darunter. Ich lese solche Unterschriftenlisten immer ganz gerne: wer ist dabei? Bei wem überrascht es mich? Wer fehlt? Warum? Schmökern Sie einfach selbst. Medien berichten darüber wenig, hier die Berliner Zeitung. ist ja nur Kultur. Und total friedlich – also langweilig?

Geldwäsche mit Problemen

Sie wissen ja, der Elbtower hat es mir angetan. Bonn ist René Benko losgeworden. In Hamburg ganz im Gegenteil. Dank der frühen Einflussnahme des Bundeskanzlers, als er noch Bürgermeister war. Ob er sich erinnert? Seine Genossin aus Juso-Hochschulgruppen-Zeit an der Uni Hamburg, die bisherige Senatorin für Stadtentwicklung Dorothee Stapelfeldt hatte an den Parlamentsgremien vorbei eine rechtsverbindliche – also nur sehr teuer politisch rückholbare – Baugenehmigung erteilt. Und nun tritt sie zurück, lässt sich von Bürgermeister Tschentscher auswechseln, “aus Altersgründen”. Sie ist 66.

Derzeit geht das Grundstück von der Stadt Hamburg auf Benkos Signa über – wenn die bis zum 23.12. eine dreistellige Millionensumme als Kaufrate überweist. Nicht alle glauben daran. Denn denkbar ist, dass der Kapitalzufluss von steuerflüchtigen Investor*inn*en aus Osteuropa aus naheliegenden politischen Gründen derzeit stark nachlässt. Andererseits gibt es dafür jetzt noch viel mehr Fluchtgründe als vor der “Zeitenwende”, die der gleiche Bundeskanzler (s.o.) höchstpersönlich ausgerufen hat.

Und dann fliesst ja noch jede Menge Staatskohle an die Signa, um – natürlich die “Arbeitsplätze” bei – Galeria Kaufhof zu retten. Die Firma gehört rein zufällig der gleichen Signa, weil die diese Immobilien, insbesondere die Grundstücke, auf denen die stehen, so attraktiv findet.

Z.B. in Berlin, wo sie ebenfalls nichts als Ärger mit störrischen Bürger*inne*n und Politiker*inne*n verursachen. Mann kann sie halt nicht alle kaufen wie die Fifa.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. GuacamOlé🥑

    @martin.boettger Mein letztes Auto hatte auch so einen Minikompressor, aber weniger weil das besonders hochwertig wäre, sondern weil die sich so das Reserverad sparen konnten.

  2. w. nissing

    wie machen die da eigentlich mit dem Luft raus lassen? Zahnstocher ins ventil oder Kneifzange? fragt mein kleiner Freund :(

    PS: werden die nicht heute alle mit Bordkompressor statt Reserverad ausgeliefert?

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