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Zwei feine Kerle

Beinahe hätten sie es geschafft, die Kölner vom 1. FC, den Fußballkonzern aus München zu stoppen, zu verhindern, dass die Geldmaschine von der Isar zum elften Mal hintereinander die Fußballrepublik langweilt. Aber wer es als BVB im eigenen Stadion nicht schafft, die Führung der Liga durchzuziehen, dem fehlt es halt am letzten Quentchen zur Meisterlichkeit. Zwei Spieler hat das sicher nicht besonders tangiert: Jonas Hector, Kapitän des 1. FC Köln, der mit dem Ende der Saison seine außergewöhnliche Karriere beim FC beendet und Timo Horn, sage und schreibe seit 21 Jahren im FC-Trikot, der nun den 1.FC verlassen wird.

Beide Spieler entsprechen so gar nicht den heutigen Maßstäben von Fußballerkarrieren, bei denen es immer ums Geld und ebenso um Ruhm und Chancen geht, die lieber bei Bayern München oder Borussia Dortmund auf der Bank sitzen, als bei einem kleineren Verein für das Team und die Emotionen der Fans zu spielen. Jonas Hector ist so einer, er kam aus dem Saarland zum 1. FC Köln, rückte dort zum unverzichtbaren Linksverteidiger, Spielmacher und  Kapitän auf. Jogi Löw berief ihn recht spät – erst mit Mitte zwanzig in die Nationalmannschaft, wo er schnell zu einer unverzichtbaren Bank in der Abwehr und schnellen Offensive für das Team wurde. Hector blieb beim FC, als dieser zweimal abstieg und er sicher bessere Angebote hätte wahrnehmen können und kämpfte sich mit seinem Verein zurück in die erste Liga. Er spielte 43 mal für Deutschland und kündigte, nachdem der FC den Klassenerhalt sicher hatte, seinen Rücktritt aus sehr persönlichen Gründen an. Weil der Familienvater den Druck der Liga nicht mehr spüren, sich davon befreien möchte, hört er auf dem Höhepunkt seiner Leistung und Karriere auf. Als Kapitän war er der ruhende Pol, das ideale Gegenstück zum emotionalen Trainer Baumgart. Er wird dem FC fehlen.

Kein Platz mehr für Hans Schäfers

Gleichzeitig lässt der FC einen weiteren Spieler ziehen, der sein ganzes Fußballerleben in der Domstadt verbracht hat. Timo Horn, einst junges Supertalent und immer wieder in Jugend- und Nationalmannschaft verlässt nach völlig unüblichen 21 Jahren den FC. Jahrelang war Horn die Nummer 1 im Tor, hat wie Jonas Hector seine Karriere immer mit dem Schicksal des 1.FC verbunden. Er hat ihn beim Abstieg 2018 nicht verlassen und war 9 Jahre lang die Nummer 1 im Tor der Domstädter. Nach einer Verletzung im Dezember 2021 und 329 Pflichtspielen für “seinen” FC wurde er hinter seinem Konkurrenten Marvin Schwäbe zur Nummer 2 , stand nur noch im DFB-Pokal im Tor, aus dem der FC 2022 früh ausschied. “Ich habe ursprünglich den Gedanken gehabt, mein Leben lang beim FC zu bleiben” bekennt er am 26.5. im “Kölner Stadtanzeiger”. Aber für genau solche Menschen, die viel mehr noch als der Gladbacher Lars Stindl dem Urkölner Hans Schäfer nachschlagen, hat die heutige Profimaschine des Bundesligafußballs keinen Platz mehr. Der FC lässt Horn in eine ungewisse Zukunft ziehen. Horn ist 30 – für einen Torwart ein Alter, in dem Erfahrung, Routine und Fitness erstaunliche Karrieren ermöglichen können. Aber was macht der 1. FC Köln, wenn sich Schwäbe verletzt?

Über Roland Appel:

Roland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net

4 Kommentare

  1. Martin Böttger

    “Beinahe…” – pffft
    “kleinerer Verein …”??
    Ach so . ja, in der Tabelle, die bekanntlich nicht lügt:
    https://www.kicker.de/bundesliga/tabelle
    10. BMG 34 11 10 13 52:55 -3 43
    11. 1FC 34 10 12 12 49:54 -5 42

    Karnevalsvereine als Partycrasher. So kennen wir sie.

    • Roland Appel

      Ich wusste, dass Du 10 und 11 zelebrieren wirst. Nachbar Matthias musste mir das auf der Geburtstagsfete gestern abend schon zur Begrüßung unter die Nase reiben. Genau: Particrasher. Außerdem passt die 11 besser zum Karneval!

    • Martin Böttger

      Ein “lebenslänglicher Bayer” schreibt zu dem Driss das Nötige:
      https://taz.de/Finale-in-der-Fussball-Bundelsiga/!5937072/

  2. Roland Appel

    Danke, er spricht auch mir aus dem Herzen!

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