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Zwei Lenins zum Preis von Einem

Deutungsstreit einst und heute

Wladimir Iljitsch Uljanow ist vor 100 Jahren totgegangen. Über ihn wurden so zahllose Mythen verbreitet, dass es ihn auch für mich interessant machte: warum tun die das? Hatte ihn der deutsch-wilhelminische Imperialismus benutzt? Und/oder unterschätzt? Warum hat ihn die deutsche Arbeiterbewegung lieber zusammen mit ihrer herrschenden Klasse als Gottseibeiuns bekämpft, statt sich mit ihm gegen die herrschende Klasse zu verbünden? Zweifellos gab es nicht nur schlechte Gründe dafür … Zwei von mir geschätzte Autoren, Robert Misik/taz und Reinhard Lauterbach/Junge Welt kommen noch heute zu sehr gegensätzlichen Bewertungen. Letzterer Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywallarchiv (klassisch für linksradikale Erkenntnisprozesse).

Merz wird zur Achillesferse

Entscheidend für die Bewertung der gegenwärtigen antifaschistischen Massendemonstrationen wird ebenfalls, wer die Macht über ihre Deutung an sich reisst. Räsonierende Seitensteher*innen sind dabei die, die schon in der Vorrunde ausscheiden. Diverse Medien ringen noch mit sich. Das beschreibt René Martens/MDR-Altpapier wie immer sowohl kritisch als auch abgewogen. Kompliment. Es entpuppt sich: der Möchtegern-Kanzlerkandidat Merz könnte zur Achillesferse werden, und vieles spricht dafür, dass er das bereits selbst gemerkt hat. Der (Gegner) ist ja nicht blöd.

Bei Martens kommt auch der Chefredakteur des Bonner Generalanzeigers zu Zitatehren, dessen Erkenntnis “Es geht um alles” mir schon vergangenen Freitag beim Mittagessen vorgelesen wurde. Politisch entscheidend ist aber die von Martens zitierte Feststellung Leo Fischers: “Somit wird man die AfD weiter rhetorisch verurteilen – während man ihr Programm faktisch ausführt.” Dä.

Soll das so bleiben? Sicher nicht. Wird es nun irgendeine demokratische Partei links der Rechten geben, die diese Lage versteht?

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. A.Holberg

    Martin Böttger schreibt Leo Fischer zitierend: “Somit wird man die AfD weiter rhetorisch verurteilen – während man ihr Programm faktisch ausführt.” “Dä.” Mein Eindruck ist, dass bis zum Beweis des Gegenteils die AfD sowohl ihre Stärke aus Dreierlei bezieht – 1. aus dem fehlenden Klassenbewusstein der breiten Bevölkerung, der man auf dieser Grundlage , sind doch üblicherweise die Ideen der Beherrschten allemal die der Herrschenden, die ja angesichts ihrer vergleichsweise kleinen Zahl sonst schon längst nicht mehr die herrschende Klasse wären, alles Mögliche aufschwätzen kann, 2. der Tatsache, dass die AfD nicht an der Regierung ist und deshalb die Folgen ihres eventuellen Handelns nicht unübersehbar sind, und 3. dass die Folgen des Handelns des regierenden anderen Teils der (politischen) Bourgeoisie sehr wohl erkennbar sind und umso stärker und emotionaler abgelehnt werden als sie so unübersehbar im Gegensatz zu ihren vermeintlichen “Werten” stehen. Die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der Ampel und der CDU einerseits und der AfD andererseits sind dher letztlich Streit innerhalb der Familie.

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