In der Gesundheitsdebatte kritisierte CDU-Politiker Streeck die „Vollkasko-Mentalität“ der Bürger und forderte: „Wir müssen Gesundheit vergüten statt Krankheit“, und er stellte die Frage, ob man hochbetagten Menschen tatsächlich mit besonders teuren Medikamenten das Leben verlängern solle. Allerdings, ab welchem Alter ein Leben nicht mehr schützenswert sei – ab 80, 90 oder 99 – das sagte er nicht, und seine Einstellung zur Euthanasie mit 70 wurde bislang nicht hinterfragt.

Mitten im Rentengerangel sei an Kristina Schröder, CDU-Familienministerin von 2009 bis 2013, erinnert. Sie hatte das Problem erkannt, das sie lösen musste: Sie forderte einen Zivildienst für Rentner. Künftig sollte demnach der Opa den Uropa wecken, waschen, windeln, füttern und ins Bett bringen…

Der Blick in die USA offenbart immer dasselbe: Wenn Donald Trump, Rächer der bedrohten Milliardäre und der unterdrückten Weißen, den chinesischen Staatschef Xi Jinping trifft, um binnen 90 Minuten wesentliche Fragen der Weltwirtschaft zu regeln, dann erkennt man schlagartig die ganze Einflusslosigkeit von Bundeskanzler Friedrich Merz.

In der sog. Flüchtlingsfrage wartet die Nation auf ein Machtwort von Herrn Söder: „Wenn Syrien so kaputt ist, dass man in Deutschland lebende Syrer wirklich nicht dorthin abschieben kann, muss man sie eben in Gaza ansiedeln.”

In der Brandmauer-Diskussion kam ein wichtiger Satz von Generalstabsoffizier Roderich Kiesewetter: Wer täglich für den Krieg gegen Russland und China trommelt, wer einen militaristischen Staatsumbau forciert, Rüstungskonzerne mit größtmöglicher Großzügigkeit pampert und nach Kräften Sozialleistungen demontiert, braucht keine weitere rechtsradikale Partei – zumal Außenminister Wadephul in Russland – wörtlich – den „Feind für immer“ sieht. Der Blödmann hat wohl ein bisschen zu viel von Ernst Moritz Arndt gelesen und vom „Erbfeind“ Frankreich….

In der täglichen NATO-Propagandabeglückung liefern ZDF, ARD und die wertegesteuerte Presse weiterhin Spitzenleistungen ab – vor kurzem erfuhren wir, dass der belgische Kriegsminister in Erwägung zieht, „Moskau dem Erdboden“ gleichzumachen. Eine Rechtfertigung dafür lieferte die Forschungsdirektorin der NATO-Militärakademie Florence Gaub: „Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass, auch wenn Russen europäisch aussehen, es keine Europäer sind, im kulturellen Sinne“. So ein fundiertes Statement beweist: Gedächtnisverlust und Geschichtsfälschung sind fabelhafte Voraussetzungen für Wehrhaftigkeit und Kriegsbereitschaft.

Besonders auffällig ist zur Zeit, dass immer mehr Datingportale ihre Webseiten mit der klaren Ansage aufmachen „Bitte keine Polizisten oder Soldaten!“, und auch meine Freundin Lysistrata fordert energisch „kein Sex mit den Olivgrünen“!

Die regelmäßige „Spaltung unserer Gesellschaft“ findet ihre Fortsetzung in der Auseinandersetzung um die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Der militaristische Teil des Volkes will unbedingt die fortschrittlichen Jahre 2011/2012 rückgängig machen: Damals haben wir das Gegenteil durchgesetzt – die Abschaffung der Wehrpflicht. Jahrzehntelang hatten die Parteien die Wehrpflicht als Stützpfeiler der Demokratie angepriesen. Sie gehörte zur Republik wie die D-Mark. Jetzt wurde sie also abgeschafft – und niemand störte es. Eigentlich wusste jeder, dass die Wehrpflicht nur noch Fassade war. In der Ära der Hightechwaffen war eine Armee aus Wehrpflichtigen nur bedingt einsatztauglich. Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg als der hauptberuflich Beauftragte für kriegsähnliche Zustände, also Bundesminister der Verteidigung, war für die Abschaffung zuständig. Guttenberg, der meist überschätzte Adelige seit Kaiser Wilhelm II, und der überflüssigste noch dazu, leistete ein enormes Pensum.

Der pomadigste aller Minister leitete die Verteidigung der deutschen Freiheit am Hindukusch, feuerte Generäle und Staatssekretäre, musterte Segelschiff-Kapitäne ab, öffnete Feldpostbriefe, inspizierte Generalinspekteure, er hetzte hin und her zwischen Ahnungslosigkeit und Fehlinformation, zwischen Vertuschung und Aufklärung, zwischen Bildzeitung und Parlament, bis niemand mehr Auftuschung und Verklärung unterscheiden konnte.

Die Reform der Bundeswehr und das Ende der Wehrpflicht hinterließ Guttenberg dem Kollegen Thomas de Maizière, einer Fleisch gewordenen Schlaftablette. Der kam mit grabsteinähnlicher Mine vom Innenministerium rüber und erledigte das. Und als Chef der Obersten Heeresleitung begründete er die Auslandseinsätze der neuen Wehrmacht mit Deutschlands „Ressourcenabhängigkeit als Hochtechnologiestandort und rohstoffarme Industrienation.“ Früher hieß es: Gefallen „für Kaiser und Vaterland“, aber die moderne Version „für Handy und Dax“ fand auch großen Anklang.

In jener Zeit berichtete die spanische Zeitung El Pais, in Spanien habe man die Anforderungen an die Intelligenz von Rekruten drastisch gesenkt: Bisher musste ein Rekrut einen IQ von 90 beibringen. Jetzt reicht ein IQ von 70. Der Durchschnittswert des IQ bei jungen Menschen beträgt 100. Ein IQ von 70 ist das absolute Minimum, – das nur noch von künstlicher Intelligenz unterboten wird – und wer noch weniger aufbringt, läuft Gefahr, weggesperrt zu werden. Welcher Wert genügt, um in Deutschland Verteidigungsminister zu werden, wurde nicht mitgeteilt.

Die Auseinandersetzung, ob es wohl zum Krieg kommt oder nicht, geht weiter. Wer es nicht abwarten kann, Russen abzuknallen, dem empfehle ich eine vaterländische Ersatzbefriedigung.

Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

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