Das Elend provinzieller deutscher Symbolpolitik – “Olympiabewerbungen”

Deutsche Kommunen klagen mit einigem Recht, dass sie aus ihrer Schuldenfalle aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen, und darum mehr Hilfe von Bund und Land brauchen. Wenn es nicht frauenfeindlich wäre, würde ich es als Klageweiberchor bezeichnen. Denn alle wissen: es bleibt folgenlos. Den allseitig gebildeten Bundeskanzler interessiert Wichtigeres. Was also tun, als ratlose*r Regional- und Lokalpolitiker*in? Sahen nicht in der jüngeren Vergangenheit Paris (2024) und London (2012) besonders gut aus bei ihren Olympischen Spielen? Davon träumen deutsche KommunalpolitikerInnen. Sie haben ja sonst nichts …

Eine Möglichkeit wäre, sich die dortige Kommunalpolitik mal etwas genauer anzusehen. Ach nee, wie mühselig. Macht nur Arbeit und bringt nur Ärger.

Materialistische ökonomische Analysen haben sie nirgends gelernt. Woher auch? Dann wüssten sie, dass diese Veranstaltungen dazu gedacht sind, öffentliche Ressourcen zu privatisieren, sowie regionale/lokale Märkte beschleunigt zu gentrifizieren, also für Kapital besser und beschleunigter verwertbar zu machen. Dass in München bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit für das Bewerbungsrennen stimmte, hängt vielleicht damit zusammen, dass dort die Wohnungsmieten und Immobilienpreise für Normalbürger*innen sowieso schon so unerreichbar sind, sodass von denen da keine*r mehr wohnen kann …

Hauptsponsoren des Olympischen Komitees (wie bei EMs oder WMs solche der Uefa, bzw. Fifa) verlangen und bekommen aussergesetzliche Monopolrechte. Ein Ausnahmezustand wird verhängt, in dem der traditionelle Rechtsstaat (vorübergehend) ausgeschaltet wird. Gut, so manche*r Politiker*in findet gerade das besonders dufte. Entsprechende Veranstaltungsverträge sind mehrere hundert Seiten dick. Und geheim. Nicht einmal Parlamentarier*innen bekommen sie zu lesen – sie dürfen sie nur grosszügigerweise abnicken. Wegen dem damit verbundenen öffentlichen Ärger bevorzugen die Mafiosi von IOC (oder Fifa oder Uefa) sowieso despotische Regimes. Die sind einfach geschäftsfähiger als nervende Demokratien.

Medienkonzerne, kleine und grosse, sind immer unisono für jedes Spektakel zu haben, und rühren also alle verfügbaren Trommeln. Ohne solvente Medienkonzerne gäbe es diese Veranstaltungen ja gar nicht. Sie sind die Hand, die die Herde füttert.

Das alles aber lässt den Dümmsten unter Deutschlands Kommunalpolitiker*innen erst recht keine Ruhe. Sie sind Teil der Herde, und wären zu gerne der Chefbock. Und also balgen sie sich zunächst untereinander um die innere Rangordnung im Stall. Da will unser grösstes Bundesland nicht hinten anstehen: Olympiabewerbung: NRW setzt jetzt auf Köln – Die Olympiabewerbung des Landes wird deutlich geändert. Köln rückt dabei in den Mittelpunkt.”

Unvergesslich für viele Beteiligte die Olympia-Rückreise 2012. So eine schöne Party muss sich doch irgendwie wiederholen lassen. Nur grösser, teurer und näher an zuhause.

Es wäre zum totlachen. Wenn es nicht so teuer wäre.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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