Sagen Sies mir: ist die britische Linksabspaltung von Labour “Your Party” zu blöd, oder dieser Bericht von Dieter Reinisch in der Jungen Welt? Er wird in wenigen Tagen in einem Paywallarchiv versenkt. Der bescheidwisserische overton-Vergleich mit dem deutschen BSW erscheint mir absurd abwegig. Denn dieses britische Desaster ist in dem dort komplett destabilisierten Parteiensystem unvergleichlich viel wichtiger.
Der Rechtskurs der regierenden Labour-Party ähnelt in Vielem dem Hinterherlaufen der deutschen Bundesregierung hinter dem Agendasetting der Faschisten in der AfD. Und entsprechend droht es bei der nächsten Wahl auszugehen. Im englischen Wahlrecht können 30% für eine absolute Mehrheit der Parlamentssitze ausreichen. Und die hat der Rassist und Antisemit Farage in Sichtweite. Und was machen britische Linke dagegen? Mann will es nicht mitansehen …
Auch dieser dagegen sehr informative und analytische Bericht von Wolfgang Pomrehn von der COP in Belém wird in Kürze in der Junge-Welt-Paywall (= Linke zu blöd) versinken: “Klimawandel: Blockade der Industriestaaten – Lobbyismus, Klimahandel, Hinhalten: Die COP 30 in Brasilien ist zu Ende”. Es kennzeichnet den Niveau-Abstieg des Online-Magazins telepolis (= Linke zu blöd), dass er dort nicht mehr seine “Energie- und Klima-Wochenschau” publiziert.
Kneipensterben
Keineswegs zu blöd ist diese Abhandlung von Sascha Döring/Jacobin: “Warum die Linke sich um sterbende Kneipen kümmern sollte – Explodierende Kosten und stagnierende Reallöhne zwingen immer mehr Kneipen in die Knie. Die Linke sollte sich dieses Problems annehmen. Denn eine vereinzelte Gesellschaft macht nicht nur keinen Spaß, sondern auch keinen sozialen Fortschritt.” Einen Gesichtspunkt unterschlägt der kluge Autor freilich. Die meisten Kneipen, die er meint (Parallelen zum Pubsterben in Britannien s.o. nicht zufällig), hatten und haben ein massives Männerproblem. Ungefähr vergleichbar mit dem Männerproblem in allem, was-mit-Medien zu tun hat.
Als ich jung war, gab es noch Frauenkneipen, zu denen Männer keinen Zutritt hatten. Der Markt dafür besteht weiter. Nur müssten die Frauen vermehrt ihre Wohnungen verlassen, wo es für sie sowieso am gefährlichsten ist. Döring vergisst ausserdem den Punkt, dass in den reichen europäischen Ländern die mobilen jungen Leute schlicht quantitativ-demografisch immer weniger werden. Kneipiers (m/w) brauchen also zusätzlich echt gute Ideen …
Kluge Wirt*inn*e*n wissen, dass sie klassenübergreifend arbeiten müssen. Wie es Kamel Bsissa im Beueler “El Horizonte” macht. Hier verkehren Drogensüchtige und Professor*inn*en miteinander und fachsimpeln absolut gleichberechtigt über Fussball u.a. Dinge des Lebens. Hier gastzugeben und für Frieden zu sorgen, ist eine ganz eigene Kunstform. Nur wenige können das.
Mediensterben
Die Hoffnung auf gute Ideen von deutschen/europäischen Medienpolitiker*innen habe ich längst aufgegeben. Otfried Jarren/epd-Medien/bruchstuecke offenbar immer noch nicht: “Social Media als Ordnungsstörer und Gamechanger”, obwohl er doch am Schluss selbst ganz richtig feststellt: “Zudem ist gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die Politik aus demokratiepolitischen Gründen in der Pflicht, für eine demokratische Medien- und Kommunikationsordnung zu sorgen. Die aber fehlt derzeit.” Zu einem ganz ähnlichen Befund war hier bei uns schon Wolfgang Lieb gekommen. Legen Sie es sich nebeneinander, damit Sie nicht “von nichts gewusst” haben …

sorry aber du blendest imho den Militärisch medialen Komplex aus dem Sichtfeld. Dann wird mit Umfragen und framing Knüppel in den fragilen Werdungsprozess geworfen um alles was nicht bei 3 auf dem Baum ist zu verwirren und zu manipulieren. Ich beobachte das ja mittlerweile seit 7 8 Jahren wie das in Frankreich ab geht wo die dezidierte Linke mit 1 stelligen Umfragen geframt wird und dann wenn zum Vote kommt mit 2 stelligen Zahlen daher kommt.
Dann kommen noch ein paar Hufschmiede um die Ecke und fertig ist das Weltbild.