Wundersame Bahn CCXXXV – Beuel-Ehrenfeld und nicht zurück
Der WDR hat gestern gewarnt. Da passt es ja, dass heute die renovierte Beethovenhalle wiedereröffnet werden soll. So kennen wir uns und unsere Region. Ich war gewarnt, aber ich hör’ ja nicht. Merkwürdig auf bahn.de erschien schon, dass es für angeblich umgeleitete ICs hiess: “fällt heute aus”. Merkwürdig auch, dass mein normalerweise zweizügiger RE, der doch zusätzlich Fahrgäste der falschen Rheinseite aufnehmen musste, dieses Mal nur einzügig erschien. Tür kaputt. Toilette kaputt. Eine Zubegleiterin – ungewöhnlich! – war dabei, schien aber entnervt. Die eigentliche Sensation aber:
Der Zug fuhr auf der rechtsrheinischen Strecke störungsfrei und pünktlich. Meine Verabredung in Ehrenfeld wurde erreicht! Hammer!
Nach einem wie immer schönen Abend mit besten Freundinnen Rückweg. Keine Verspätungen ab Ehrenfeld angezeigt. 10 Minuten vor Abfahrt auf dem – in Ehrenfeld sehr langen für Fernzüge geeigneten – Bahnsteig. An beiden Enden eine Überdachung. Ich vertrete mir die Beine in der abendlichen Dezemberkälte. Die Bahn trifft absolut pünktlich ein. Jedoch wieder nur einzügig. Sie zieht vor bis ans entgegengesetzte Ende des Bahnsteiges. Die meisten Fahrgäste hingegen warten am hinteren Westende/Venloer Str., wo der Übergang zum Kölner U-Bahnnetz ist. Die Bahn steht dagegen nun nahezu an der Subbelrather Strasse. Ohne Zugbegleiter*in, die früher, als es sie noch gab, bei der Bahnsteigabfertigung behilflich waren.
Eine junge Frau sprintet der Bahn hinterher und erreicht sie (knapp). Ich folge schnellen Schrittes im Gehen (nach einem Herzinfarkt vor einem halben Jahr). Ich betätige die hinterste Tür. Sie öffnet nicht. Der Türdrücker leuchtet auch nicht. Ich gehe eine Tür weiter. Nochmal dasselbe. Ich schaue nach vorne: noch eine Tür offen? Nein. Ein Rückblick der*des Lokpilot*in? Nicht zu erkennen. Überall “Kameraüberwachung”, aber kein Blick auf die unzähligen Monitore? Was soll das? Die Bahn fährt ab. Pünktlich. Ohne mich.
Das hatte ich so noch nicht (ich bin jetzt 68).
Zornentbrannt, irrational, und um in Bewegung zu kommen und nicht untätig zu verzweifeln, wechselte ich das Bahnsystem und stieg in die Tiefen der Kölner U-Bahn hinab. Von Ehrenfeld begab ich mich zum Neumarkt, um dort das Angebot der vom WDR empfohlenen 16 und 18 in Augenschein zu nehmen. Tja, was soll ich sagen: die (schnellere) 16 “entfällt”, mehrfach. Die durch das Vorgebirge kriechende 18 ist immer die allerletzte Rückfallposition (sie fuhr früher immer bei Roland Appel durch den Garten). Zuletzt hatte ich sie bei einer Rückreise aus dem Ruhrgebiet benutzen müssen, als “Brings” gerade mit einem Stadionkonzert fertig war. So ähnlich war sie gestern auch gefüllt. Aber ab Hürth eroberte ich einen Sitzplatz.
In Ehrenfeld 25 Minuten warten und die nächste Regionalbahn nach Beuel nehmen, wäre sicher klüger gewesen. Stellen Sie sich, wie im Comic bei Donald Duck, über mir eine schwarze Rauchwolke vor. In Bewegung verzog sie sich besser. Der Bus nachhause sollte in 11 Minuten kommen. Ich ging vom Adenauerplatz die letzten Meter lieber zu Fuss. Das war fürs friedliche Einschlafen von Vorteil.
Bhf. Ehrenfeld – Haustür Beuel: 2 Stunden. Reisen im Rheinland ist keine gute Idee.
Anm. zum Bhf. Beuel: die denkmalswürdige Treppenkonstruktion zum Bahnsteig 2/3 ist abgerissen, wie schade, eine Landmarke weniger. Die Unterführung ist wieder da, jetzt wieder ohne Aufzug, also barrierereich. Die Bahnsteigüberdachung ist neu und weit hässlicher, auf jeden Fall aber in jeder Hinsicht luftig. Wie auch die Möblierung. Bringen Sie sich zum Sitzen eine Zeitung mit, sonst kriecht Ihnen der Wind tief in die Arschritze. Beim Blick aufs Bahnhofsgebäude sind noch die Fensterfront für die Bahnsteigüberwachung und die Tür der Gepäckabfertigung zu erkennen, selbstverständlich alles menschenleer. Früher, als dort noch Menschen arbeiteten, konnten die sogar Rollstühle beim sicheren Überqueren der Gleise assistieren, wie es auch die “Gepäckabfertigung” (sowas gab es, ich habe es erlebt!) tat. Es war die Zeit der vielbelästerten Bundesbahn. Es war nicht alles schlecht.

Ich weiß nicht mehr, ob ich das hier schon mal ge- und beschrieben habe. Ich war vor paar Wochen an einem Tag in Hamburg – mit Deutschland-Ticket hin und zurück. Zwischen durch habe eine Kunstmesse besucht. War verrückt, aber hat sich gelohnt. Ich mag gerne Kunst gucken. Nur die Rückreise wurde nach Dormagen etwas länglich. Ich habe mitten in der Nacht 2,5 stunden von Köln-Worringen nach Ehrenfeld gebraucht. Tagesüber , im Hellen hätte ich wahrscheinlich viel von der Kölner Gegend gesehen. Aber es war Nacht… Die Bahntour von Hamburg bis Dormagen war vorher ganz nett. Klar, nichts war pünktlich – aber manche Verspätung eines Zuges wurde durch Verspätung des Anschlußzuges wieder ausgeglichen – ich kam trotzdem weiter. Aber Worringen -Ehrenfeld in 2,5 stunden – das fand ich denn doch, das war eine stramme Verspätungs-Leistung. Das kann auch nicht jede Bahn – nur die in Deutschland, die schafft das