Bleibt mir an diesem ersten Sonntag noch ein „frohes Neues Jahr“ zu wünschen und es drängt sich die Frage auf, wie es mit den „Guten Vorsätzen“ aussieht. Die Gelegenheit ist günstig etwas zu ändern, zum Beispiel – weil sie nicht wirklich alles falsch machen – die Kinder auch mal loben oder nur noch, wenn es absolut notwendig ist, die Ehefrau stilvoll zu verprügeln. Für meinen Teil habe ich das in diesem Jahr bis heute (fast) geschafft. Wenn wir uns ändern wollen, sind gute Vorsätze hilfreich, also nicht mit schlechtem Gewissen an Windows kleben bleiben.

Da kommt der Digital Independence Day(di.day) den der Chaos-Computer-Club auf der 39C3 aktiv unterstützt, im rechten Augenblick. Der soll an jedem ersten Sonntag im Monat Hilfestellungen zum Nachdenken bieten. Heute ist der erste Sonntag im Monat! Beginnen wir mit einer ganz einfachen Übung, ganz ohne Nachdenken, das gelingt auch Dir, liebe Leserin und sollten die Herren mitlesen, ebenfalls!

Es hat einen ganz praktischen Nutzen und macht den Dreck weg (ich hatte das schon mal, aber Redundanz verstärkt die Verständlichkeit).

Mit der Zeit ist es unangenehm, den Müll beim Nachbarn reinzustopfen, weil der Abfuhrtermin verpasst wurde, der Sperrmüll auf der Straße stehen bleibt, weil ich den Monat verwechselt habe, oder – noch schlimmer – im Sommer die Biotonne noch zwei weitere Wochen den Eindruck erweckt, als hätten wir die Olchies zu Besuch.

Packen wir es in den Kalender, Omi kann sich das Ding an die Wand nageln, wir wollen es smarter und der örtliche Versorger (zumindest in Bonn) unterstützt uns dabei. Nicht, dass der Oberbürgermeister den Müllkalender jeden Tag auf Instagram tanzt, das Problem ist weniger dramatisch und auch ästhetischer zu lösen.

Stufe 1: Kalender besorgen. Mit einer Suchmaschine der Wahl, also z.B. search.brave.com oder startpage.com oder qwant.com oder, oder, oder, (es gibt nicht nur google, Du Propfen:in) dort geben wir ein „abfuhrkalender“, gefolgt von der Stadt in der wir residieren. Wir landen sehr schnell auf der passenden Seite und wir gehen über zu

Stufe 2: Straße und Hausnummer eingeben. Das ist bis zu diesem Punkt noch denkbar einfach und funktioniert auch mit Windows ohne Copilot.

Stufe 3: Termine aufrufen und jetzt wird es für den aufrechten Windows-Nutzer oder die Expertin spannend, denn wir müssen eine Auswahl treffen. Egal in welcher Stadt, es findet sich ein wunderbarer Eintrag, der eine „ics-Datei“ anbietet. Das ist kein Teufelswerk, kein Virus, sondern eine einfache Datei. Mit einem Klick auf diesen Eintrag laden wir diese Datei zu uns auf den Computer, von Fachleut:innen gern als „Download“ bezeichnet.

Ohne Copilot sind Windows-Abhängige schnell überfordert, denn die wissen nicht, wo die Datei liegt und schon gar nicht, wie die hieß. Es wäre falsch daraus einen Vorwurf zu formulieren, denn Microsoft hat die Opfer daran gewöhnt alles wegzuklicken.

Fortschrittliche Betriebssysteme importieren den Abfuhrkalender ohne Copilot in den eigenen Kalender und fragen vorher, ob ein neuer Kalender angelegt werden soll oder in einen bestehenden Kalender importiert.

Ein Weg führt immer zum Ziel, wenn ich weiß, wo die ics-Kalender-Datei liegt und auf welchen Namen sie hört. Es folgt

Stufe 4: Dazu das Kalenderprogramm aufrufen, im Kalenderprogramm einen Eintrag suchen, der „importieren“ zeigt, auswählen, und wer jetzt noch den Lagerort und den Namen kennt, importiert den Abfuhrkalender seiner Straße. Bei der Frage, ob ein neuer Kalender angelegt werden soll oder in einen bestehenden Kalender eingefügt, wählt besser einen neuen Kalender aus, denn sonst steckt der Müll zwischen meinen eigenen Terminen.

Damit nicht nur der reale Müll abgeholt werden kann und sich meine Platte mit digitalem Müll füllt, lösche ich die „ics-Datei“, die wird nicht mehr gebraucht.

Wer bei Stufe 4 nicht versagt hat, der hat seine Mülltermine 2026 komplett greifbar in seinem Kalender.

Alle Termine einzulesen war eine Sache, die in Bruchteilen einer Sekunde den Weg in meinen Kalender gefunden haben. Und im selben Tempo wird nicht nur Dein Kalender, sondern auch Dein Adressbuch zu WhatsApp oder Facebook übertragen. Nur mal so eine Frage, sollte WhatsApp die verschlüsselten Nachrichten tatsächlich nicht mitlesen: Was brauchen sie mehr von Dir?

Genau so bei Google, die kennen Deine Kontakte und Deinen Kalender – darüber hinaus, wissen Sie aus erster Hand, was Du im Internet treibst, kennen alle Deine Mails und werten Deine Social-Media-Profile (wo auch immer die sind) aus.

Ärgerlich für Microsoft, die müssen Deine Mails, Deinen Kalender und Dein Adressbuch irgendwie in Outlook bekommen und die wohlfeilen Suchergebnisse von Google haben sie auch nicht, denn dieses Bing verabscheuen sogar echte Microsoft Fanboys:innen. Nicht, dass die uns noch pleitegehen…

Übrigens, bei Apple wandert das auch in deren Cloud, nur wenn ich meinen Kalender, Adressbuch und Mails einem anderen Server (das können nicht nur Firmen) anvertraue, dann bleibt die Cloud von Apple leer, es werden nur die Verbindungen hinterlegt, keine Inhalte. Vor allem: über Updates und alle Gerätegrenzen hinweg. Bei Linux sowieso.

Microsoft nimmt sich sogar die Zugangsdaten von den fremden Servern in die Cloud und Google kopiert sich alles raus.

Kurzum: Android-Smartphone in der Tasche oder ein Windows-Rechner und ich werde wissentlich meiner Intimität beraubt, dazu brauche ich nicht unbedingt WhatsApp.

Wenn das Abendessen nach diesen Zeilen nicht mehr schmeckt, auch gut, Du hattest doch den Vorsatz, nicht mehr so viel zu fressen. Bitteschön!

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)