Es gibt zwei Mega-Strategien autokratischer Macht: 1) Ausdeutung eines externen Feindes zur Konstruktion einer In-Group der eigenen Anhängerschaft, und 2) das Versprechen imperialer Größe durch Erweiterung des eigenen „Reichs“, an dem die „Reichsbürger“ dann psychologisch partizipieren sollen. Trump spielt Mega-Maga auf beiden Klaviaturen, nur tut er es viel primitiver als Mussolini, Hitler oder Putin. Er hat allen Grund für eine Verschärfung seiner Politik, wenn man seine sinkenden Zustimmungswerte in den USA betrachtet. Nach den Midterm-Elections könnte er eine Lame Duck sein, von der die Anhängerschaft sich rasch abwendet. Dem Kartenhaus seiner Macht droht der schnelle Zusammenbruch.
Wenn man hinter den aktuellen Aktionen und Kommunikationen zu Venezuela und Grönland noch einen weiteren Sinn ausmachen möchte, dann den, dass die USA ihre Rolle als Declining Superpower nun begriffen haben und sich sozusagen in die eigene Festung zurückziehen. Mittel- und Südamerika und Grönland lassen sich gegen eine wachsende chinesische Macht wohl längerfristig verteidigen und garantieren zudem eine reiche Rohstoffbasis. Dafür gibt man den Anspruch einer weltweiten „Last remaining Superpower“ von 1989 ff. endgültig auf.
Dass man die „schlafende Supermacht“ Europa an seiner Seite durch ein solches Vorgehen verlieren und sich damit noch viel tiefer in die Bredouille reiten könnte, hat man im Trump-Lager wohl nicht bedacht. Doch auch Kanzler Merz ist kein Adenauer, der in größeren Zügen denkt und begreift, worauf ein rationales Kalkül die USA eigentlich führen müsste und mittelfristig auch führen sollte. Merz verkauft mit seinem Appeasement an Trump Deutschland und Europa weit unter Wert – und damit wohl auch die Werte von Liberalität, Demokratie, sozialer und ökologischer Verantwortung, die bei uns immer noch eine Rolle spielen. Amerika hat einen schlimmen Präsidenten, wir den falschen Kanzler.

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