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Digitaler Wochenrückblick 18. Januar 2026

Wie wäre das, wenn wir einfach das nicht mehr benutzen, was wir nicht brauchen?

Klingt einfach – ist es aber nicht. Also Trump braucht Grönland nicht, will es aber haben, auch wenn er es nicht braucht. Das ist einfach, er nimmt es sich. So einfach ist das. Wer etwas dagegen hat, der muss abgestraft werden. Auch das macht er einfach: Strafzölle gegen uns und ein paar andere Unwillige aus der EU, die diesen Eisbrocken nicht hergeben wollen. Nicht gegen die EU, sondern nur ein paar Länder.

Zugegeben, der wird – bevor er die Zölle im Juni auf 25 Prozent anhebt – bemerken, dass er die ganze EU mit den Strafzöllen belegen muss. Kommt er noch drauf, wenn die ersten Porsches oder Mercedes aus Ungarn geliefert werden. Muss er etwas geschickter vorgehen, wenn der die EU zerlegen will.

Wie sollen wir uns gegen diesen Grönland-Zoll wehren? Es wird nicht lange dauern, bis die Regierung wieder den Rohrkrepierer vom Beauftragten für Kultur und Medien Wolfram Weimer aus dem Köcher zieht und mit stumpfer Spitze eine „Digitalabgabe“ abschießt.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst äußerte damals schon Bedenken – auf seine Art – es bestehe das Risiko, Wirtschaft und Verwaltung würden gebremst „wo sie doch dringend beschleunigt werden müsste“, denn jeder „Aufschlag wird unmittelbar oder mittelbar zu einer Preiserhöhung führen und dies werden Unternehmen, Verwaltungen, Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland spüren.“ Was er damit meinte? Ich denke, zum Beispiel die Microsoft-Lizenzen würden teurer und AWS nimmt sich mehr aus dem Topf. Zudem wären Aufschläge für die Werbeschaltungen bei Facebook und Co fällig. Das zahlen wir zusätzlich, böse Falle.

Abgesehen davon hat unser Kulturstaatsminister im fremden Gewässern gefischt, denn wozu gibt es ein Digitalministerium? Mit Kultur und Medien hat der Vorstoß nichts zu tun. Schreckt auf, ja, mehr nicht.

Der Vorschlag hat aber dennoch einen gewissen Reiz, wenn es darum geht Wirtschaft und Verwaltung ein wenig zu drangsalieren – mir persönlich könnte das gefallen, müsste nur anders gemacht werden. Keine Gegenzölle (für Grönland oder was dem noch einfällt) oder Zwangsabgaben. Nein, die Lösung ist Vorratsdatenspeicherung.

Die Wirtschaft Nordamerikas treffen wir nicht durch Zoll für deren minderwertige Produkte wie zum Beispiel Whisky, sondern nur mit digitaler Zielgenauigkeit.

Anstatt Zoll wäre ein Datenübertragungsentgelt für deutsche (gerne auch europäische) Unternehmen und ganz besonders Verwaltungen für Verbindungen nach Übersee trefflicher. Früher waren Ferngespräche ja auch teurer – wegen der langen Leitung.

Mittels der Vorratsdatenspeicherung wird ermittelt, wie viel Datenvolumen eine bestimmte IP-Adresse beansprucht hat und Verbindungen nach Übersee hatte. Sollten die Verbindungen zu Servern in Europa/Asien gehen, lässt sich anhand der IP-Adresse feststellen, ob amerikanische Unternehmen davon leben – und schon läuft der Zähler auch in diesem Fall.

Das wäre allein schon deshalb praktisch, weil es keine Rolle spielt, zu welchem Dienst übertragen wurde, das Datenübertragungsentgelt wird einfach für das Ferngespräch fällig.

Die horrenden Entgelte zahlen nicht die vom Überfluss gebeutelten nordamerikanischen Unternehmen, sondern wir an uns selbst.

Das erhöht die Steuereinnahmen, die allerdings in absehbarer Zeit wieder fallen werden, weil die Unternehmen über digitale Souveränität nachdenken müssen und Lösungen finden, die sie vorher nicht brauchten, weil alles so schön, bunt und billig war. Sicherlich werden einige unserer Unternehmen damit völlig überfordert sein und sachgerecht in den Ruin getrieben, was ich nur begrüße! Sonderlich innovativ waren die wohl auch vorher nicht, dann werden sie vermutlich nicht gebraucht, das regelt der Markt (würde die FDP dazu sagen).

Ein großes Problem wird uns allerdings – außer in Schleswig-Holstein – daraus erwachsen: Die Verwaltungen sind durchweg innovationsgestört, die können nicht wie ein schlecht geführtes Unternehmen Insolvenz anmelden. Die müssen durchgefüttert werden. Die erheben Gebühren sowieso, wie sie wollen.

Gibt es aus der Leserschaft Vorschläge?

Sonst geht das weiter wie hier in Bonn. Wenn ich den Führerscheinzwangsumtausch in Bonner Stadthaus beantrage, dann ist das 5,31 Euro billiger, als wenn es in Beuel (oder den anderen Stadtbezirken) beantragt wird. Sicherlich wird er zugestellt, ich darf das Papperl nicht abholen – obwohl die hier vertreten sind.

Vielleicht doch billiger, wenn wir uns den Eisklotz nicht ans Bein binden. (was den charmanten Vorzug hat, wir müssen nichts machen, also gar nichts)

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)

4 Kommentare

  1. Avatar-Foto
    w.nissing

    Danke für die immer wieder erhellenden Artikel, möchte aber zu bedenken geben, wir werden von einer “Elite” geführt (regieren wäre dafür eine euphemistische Bezeichnung) die mir den Glauben geraubt hat, das irgend etwas besser wird.
    Aber konkret müßte zum aufgeführten Beispiel aber die Frage sein, warum läuft bei den Jüngeren die graue Pappe (die Älteren wissen was ich meine) überhaupt alle nass lang ab, zerbröselt der Plastik? Kann nicht sein, meine ist noch bis 34 gültig und ob ich das noch erlebe ist in der derzeitigen Situation nicht abzusehen.
    Trotzdem Danke für digitale Erhellungen

    • Avatar-Foto
      Christian Wolf

      Schön, wenn es erhellend ist – und nicht abschreckt. Unsere elitären Führungsnaturen geben sich selbst nur mit ruinösen Phrasen den Rest, deren Wirkung verpufft, bevor sie das vorhersehbare Wortgebilde zu Ende gesprochen haben.

      Der Führerschein ist ein Beispiel für willkürliche Gebühren. Vor einiger Zeit brauchte ich einen internationalen Führerschein. Es gab zur Ausstellung drei Tarife, grau war die teuerste Variante, dann kam das rosa Papperl und der Kartenführerschein hatte die günstigste “Gebühr”. Auf Nachfrage wurde mir bekundet, beim Kartenführerschein könnten die Daten direkt übernommen werden, deshalb sei der am billigsten. Hernach tippt er alles sorgfältig in eine Eingabemaske, was er aus meinem Kartenführerschein herausliest. Meine Nachfrage bestätigt er und ich merke an, dies sei doch der Grund, warum der Kartenführerschein so günstig sei, weil genau das nicht notwendig ist. Er erklärt, das sei grundsätzlich auch richtig, wenn der Kartenführerschein in Bonn ausgestellt sei und nicht, wie mein Führerschein, in Köln. Auf die Daten hätten sie keinen Zugriff. Setzen Euer Ehren, keine weiteren Fragen…

      Sicherlich hat sich das geändert – aber es ist symptomatisch.

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    MarS

    Wieso denn „ausser in Schleswig-Holstein“? Sind die Verwaltungen dort etwa nicht „durchweg innovationsgestört“?

    • Avatar-Foto
      Christian Wolf

      Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat Schleswig-Holstein Perspektiven und sie haben – aus gutem Grund – die IT der Landesbehörden “trumpfest” gemacht. Bei 25000 Arbeitsplätzen sparen sie enorm viel Geld, weil sie keine MS-Lizenzen brauchen. (Nein, auch wenn das viele denken, die arbeiten jetzt nicht mit Raubkopien, so ist das nicht gemeint). Das Geld fließt auch in eigene Entwicklungen, von denen andere Bundesländer profitieren könnten. Im Grunde ist dies eine sehr konservative Entwicklung, die der Digitalminister Dirk Schrödter von der CDU umgesetzt hat. Natürlich gab es Widerstand seitens mancher Mitarbeitenden, die sich der Lethargie verpflichtet fühlten und meckern: “Uh, das sieht ja ganz aus!” oder “Seit ich hier mit Linux arbeiten muss, riecht meine Tastatur ganz anders!” bis hin zu: “Die machen ja gar keine Updates an meinem Computer, soll ich jetzt etwa ohne Zwangspause durcharbeiten? Daran bin ich nicht mehr gewöhnt, sonst bleibt es ja schon mal hängen, oder der Drucker druckt nicht.” Es ist günstiger, geht schneller und Daten wie Backups bleiben bei hier – ebenso das Know-how. Andere Behörden sehen das Problem in der Abhängigkeit zu den Diensten aus Nordamerika ebenfalls, mutig versuchen die einzelne Notfallarbeitsplätze, ohne Windows (!) einzurichten, für mehr reicht es nicht – und es wird erst recht nicht reichen, wenn der Russe kommt, äh, nein, ich meine, wenn Trump mal wieder eine Blähung hat. Dann tut Microsoft das, was der gottgleiche Präsident vom Plumpsklo in die Welt brüllt: “Abschalten” und pladdert in die Kiste. Um zu verlieren, brauchen wir die Russen nicht, nicht wirklich.

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