Grinsen musste ich heute bei der Lektüre von Spielberichten über Blamagen in der Champions League. Anders als in der deutschen Bundesliga passieren sie überhaupt noch. Das spricht für ihre sportliche Unberechenbarkeit, also das, was die feudalen und oligarchischen Investoren so furchtbar hassen. In den kriegführenden und völkermordenden Vereingten Arabischen Emiraten wird mann darüber nicht amüsiert gewesen sein. Und in einer “Metropole” Westfalens ist mann es auch nicht.
Der brave FAZ-Bericht des Kollegen Theweleit zauberte mir ein Schmunzeln ins Gemüt. Denn das gestrige Ergebnis dokumentierte doch nur – endlich – was fachkundige Fans schon seit Monaten kritisieren: der Kovac-Fussball des BVB sieht scheisse aus. Und ist es auch.
Mein Schmunzeln begann mit diesem Satz: “Dass zwei Stunden Champions-League-Fußball reichen können, um die Empfindungen zur Lage eines Fußballklubs grundlegend zu verändern, ist keine ganz neue Erkenntnis im Fußball.” Wo waren die, die das erst in diesen “zwei Stunden” gemerkt haben, denn im letzten Halbjahr? Müssen die Plastikwände der VIP-Kabinen im Westfalenstadion mal feucht gewischt werden? Haben die auf ihren Business-Seats draussen nicht freie Sicht?
Die folgenden Zitate von Sebastian Kehl – “intensiveren Fußball spielen” – kommen alle spät, und sind schon seit Monaten richtig. Dieses Problem hat der BVB längst nicht exklusiv – es ist in der kompletten ersten Liga offenkundig, fragen Sie nur mich als Fan der “wahren” Borussia. Die Unternehmenskultur im Profifussball der Herren ist kaputt, die Menschenführung im grassierenden Medien- und Intrigenspektakel unmöglich geworden. Wer Fussballlehrer gelernt hat, ist hier falsch.
Theweleit schreibt weiter: “Die Dortmunder hatten dem Publikum eine erste Halbzeit zum Gruseln präsentiert”. What is the news? Die ersten Halbzeiten “zum Gruseln” sind im neuen Jahr ein Gesetz der Serie. Das Stadionpublkum weiss das, aber auf der Pressetribüne waren sie wohl abgelenkt.
Gut beobachtet hat Theweleit durchaus treffend “Schwächen bei Defensivzweikämpfen” bei einigen ambitionierten Akteuren, deren Verträge demnächst verlängert werden sollen. Daran war schon das qatarische Investitionsobjekt PSG mit den Superstars Messi, Neymar und Mbappé jahrelang gescheitert. Solche Superstars glauben, nicht mehr arbeiten zu müssen. Das sollen mal die Andern machen. Schon Günter Netzer hatte dafür Peter Dietrich, Ente Lippens hatte Werner Kik. Aber Fussball ist glücklicherweise ein Teamsport. Ein Coach steht also vor der Aufgabe ein Team zu bilden (engl. “Teambuilding”).
Durchstecher zu Springermedien sabotieren das. Sie sind nicht überall. In Bodø z.B. ganz sicher nicht, landschaftlich anspruchsvoll, aber viel zu kalt. Aber in deutschen Fussbalkonzernen halten sie sich warm.

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