Aktuelle Probleme meiner Mediendiät – Eckenga und Becker in einem Bundesland, es ist furchtbar, aber es geht … sehr gut!
Ich liebe sie beide. Sie verkörpern den Rheinländer und den Westfalen auf sympathischste Weise. Der Eine, Jürgen, ist zwei Jahre jünger als ich, hat aber schon viel weissere Haare. Der Andere, Fritz, ist zwei Jahre älter als ich, und ihn nerven und erfreuen die gleichen Sachen wie mich. Nur dass er eine andere Borussia hat, und dass er, wie so viele, total genervt ist von Claudia Roth, während ich sie besser kenne. Ich bin also in der Mitte zwischen den beiden, was sich biografisch darin symbolisiert hat, dass ich als Schüler mehrmals täglich die Demarkationslinie zwischen Rheinland und Westfalen mit dem Fahrrad überquert habe – im Städteviereck Essen-Bottrop-Gladbeck-Gelsenkirchen. Ich bin also die personifizierte Multikultur. Danach wurde ich Beueler.
In Gelsenkirchen hat Eckenga jüngst sein Soloprogramm aufgeführt. Unmöglich, von Beuel dahin zu kommen. Fragen Sie mal die Bahn! Aber dafür gibt es ja Radio. WDR5 sendete letzte Woche “Hirnschmelze”. Normalerweise schaue ich jeden Samstag nach, was die bringen. Und wenn es was mit Becker oder Eckenga (oder Schmickler) ist, höre ich es live zum Warten auf den Bundesliga-Schlusspfiff.
Letzten Samstag nicht. Warum bloss? Ich marterte meine Erinnerung, und dann fiels mir wieder ein. Beim Mittagessen im Beueler l’Olivo – samstagsmittags ist immer die ruhigste Zeit im Lokal, abends ist immer ausgebucht, und sonntags ebenfalls voller – überraschte mich ein befreundetes Ehepaar, ich legte mein Tablet weg, und wir unterhielten uns, wie Menschen das früher so gemacht haben. Mein Lesepensum am Tablet habe ich nach dem Essen zuhause nachgeholt, und so Eckenga verpasst. Also Nachholspiel heute nachmittag.
Warum ist das so besonders?
Jürgen Becker hat das mal offen von sich erzählt. Sein erstes Soloprogramm “Biotop für Bekloppte” war ein grosses Abenteuer. Und ein riesiger Erfolg. Als er es seinerzeit im Bonner Pantheon aufführte, hatte ich dank Rita Baus zwei Plätze in der ersten Reihe. Als Becker das “bandkeramische Dorf in Köln-Lindenthal” vorstellte, rief meine Freundin mit türkischer Mutter hinein: “Da bin ich geboren!” Der Saal tobte, und der Komiker war amüsiert. Und wie Sie hier sehen, war alles sauber recherchiert von dem ähnlich genialen Texter Martin Stankowski, und ist von weltweiter wissenschaftlicher Prominenz.
Becker hatte sich selbstständig gemacht, nach seiner Präsidentenregentschaft in der megaerfolgreichen Stunksitzung (Donnerstag und Samstagnacht im WDR-TV, und nächsten Samstagnachmittag im Radio). Der Erfolg war so riesig, dass er es sieben Jahre in der ganzen Republik rauf und runterspielte, ohne dass er nachliess. Konnte er es wagen, ein neues Programm zu erfinden? Die Schwelle war hoch und wurde immer höher. Dann machte er zuerst ein gemeinsames Programm mit dem Beueler Westfalen-Performer Rüdiger Hoffmann, bevor er es 1998 wieder wagte. Und siehe, es ging. Becker hat ein Teamplayer-Talent, das ihm komfortables berufliches Künstler-Überleben sicherte.
Er brachte es bisher auf 7 Soloprogramme, bei dem vier Jahre älteren Eckenga – schon 71, wow! – ist es jetzt das Elfte, wenn ich richtig gezählt habe. Und das ist auch schon wieder drei Jahre alt. Aber Vollprofis wie diese Jungs schaffen die Aktualisierungen mühelos hineinzuimprovisieren.
Bemerkenswert bei Fritz: er gehörte zum Team der epochemachenden Veröffentlichung “Häuptling Eigener Herd”. Der geniale Herausgeber kocht heute noch. Alle, die da mitgemacht haben, der tote Wiglaf Droste war es, Jenni Zylka ist es u.v.a., sind eine verschworene Bande für Humor mit Bisskraft, gutes Essen und Trinken und die Verteidigung der Lebensfreude gegen alle Angriffe und Depressionsattacken von Rechts. Ich freue mich schon auf heute nachmittag.

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