Zum digitalen Wochenrückblick 08. Februar 2026

Sag ich zu einem meiner Söhne, kannst Du mir mal eine scheuern. Der fackelt nicht lange, er ist ein wenig grobschlächtiger, der andere hätte vorher gefragt, egal, die Frage bleibt nicht aus: „Papa, warum sollte ich das denn machen?” und antworte ihm ehrlich: „Ich muss gewährleisten, dass ich das hier nicht träume!”

Es geht darum, wie Bayern die digitale Souveränität durchsetzt, da hilft zur Not ein Söder-Machtwort im nordamerikanischen Stil. Nicht von Wissen und Kompetenz geprägt, das ist in Bayern nicht nötig. Sie beschließen ohne Ausschreibung ein Milliardenpaket für Microsoft.

Eine einträgliche Petitesse sind „Unified-Support-Verträge”, dabei nimmt Mircosoft Wünsche entgegen und baut sie in deren proprietäre Software ein. Schließlich ist das anders nicht möglich, denn den Quellcode kann nur Mircosoft selbst ändern. Und weil dieser Anbieter der einzige Anbieter ist, werden diese Verträge gleich ohne Ausschreibung vergeben. 2020 haben die Bayern dafür 27.000,00 Euro aufgewendet. Für den neuen Premiumvertrag gibt Bayern 248.740,91 Euro aus, aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange, nur für weitere Verträge gibt die Staatsregierung nach einer Anfrage der Grünen einen Betrag von 4.866.400,00 Euro an. Dabei sind nicht die übrigen Microsoft-Lizenzen berücksichtigt. Was ist schon Geld ….

Bei soviel Intransparenz müssen in einer Demokratie Fragen beantwortet werden. Da sticht der bayrische Finanzminister Füracker mit seiner bestechenden IT-Kompentenz hervor und sagt: „Seit den 1960er Jahren nutzen wir, die staatliche und die kommunale Verwaltung, Microsoft-Produkte.” Hey, da hat der kleine Bill Gates noch mit Gummipüppchen gespielt, bevor er Mitte der 1970er Jahre froh war, dass sein DOS nicht laufend abstürzt.

Aber warte, bleib noch einen Moment sitzen, kommt noch was zu Open Source, das sagt er, ohne tot umzufallen: „Unsere 51 Vermessungsämter arbeiten seit den 1960er Jahren komplett mit Open-Source-Arbeitsplätzen.” Klar, Rechenschieber, Zirkel, Bleistift und Schreibmaschine sind bis heute Open Source. Da verstehe ich, dass er in Open Source keine Zukunft sieht.

Das ist KEINE Büttenrede, sondern ich habe nur ein paar Highlights aus dem Artikel bei Golem genannt. Dort wird das alles im Detail ausgebreitet.

Wir müssen selbst etwas machen, das kann in Bayern nicht funktioniern. Als dem Gemeinwohl verpflichtete staatliche Alternative steht OpenDesk in den Startlöchern. Personal und Betrieb der Server kosten Geld, weniger, als dass, was wir nach Nordamerika schicken müssen. Jeder Einzelarbeitsplatz wird mit 45 Euro abgerechnet, nicht viel auf den ersten Blick. Eine Universität hat schon mal 50.000 Studenten, dann verursacht das Kosten von über 2,2 Millionen Euro aus der Uni-Kasse.

Gleichzeitig verschenkt Microsoft Lizenzen an Studenten – dann müssen wir uns nicht wundern, dass sie eine Tabellenkalkulation meinen, wenn sie Excel sagen.

Morgen ist Di Day.

Jeden ersten Sonntag im Monat sollen wir ein kleines Stückchen Souveränität wagen. Ich helfe mit, hier im Extradienst, dranbleiben!

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)