Die Agenda 2030, die 2015 von der Weltgemeinschaft verabschiedet wurde, ist ein globaler Fahrplan für nachhaltige Entwicklung, der wirtschaftlichen Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz verbindet. Kernstück sind die siebzehn Ziele, die bis 2030 Armut beenden, Ungleichheiten verringern und den Klimawandel bekämpfen sollen. Eines dieser Kernziele ist eine chancengerechte und hochwertige Bildung für alle Menschen.
An diese Aufgabe erinnern jährlich gleich zwei Gedenktage, nämlich der internationale Tag der Bildung am 24. Januar, der 2018 von der UNESCO ausgerufen wurde, und der deutsche Aktionstag am 8. Dezember. Dieser wird seit 2015 von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit anderen Institutionen veranstaltet. Anlass war u.a. die Berichterstattung über die Ergebnisse der PISA-Studien. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf die Verbesserung des deutschen Bildungssystems, um Bildungschancen und -gerechtigkeit zu fördern. Chancengleichheit soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.
PISA ist eine internationale Studie der OECD, die alle drei Jahre die Kompetenzen 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften testet, um Bildungsqualität und -gerechtigkeit zu vergleichen. Die jüngste Studie (veröffentlicht 2023) zeigte einen deutlichen Leistungsabfall in vielen Ländern, auch in Deutschland. Die Ergebnisse führen zumeist zu bildungspolitischen Debatten geführt, insbesondere beim früheren “PISA-Schock” von 2001, der in Deutschland auf unterdurchschnittliche Leistungen und den starken Einfluss der sozialen Herkunft hinwies.
Der internationale Tag der Bildung der UNESCO soll die Notwendigkeit und Bedeutung einer angemessenen weltweiten Bildung verdeutlichen und an das globale Recht auf Zugang zu einer hochwertigen Bildung erinnern. In jedem Jahr steht der Gedenktag unter einem aktuellen Motto. 2025 war dies „KI und Bildung“ und 2026 „The Power of Youth in Co-Creating Education“, die Kraft der Jugend bei der Mitgestaltung von Bildung. Junge Menschen sollen nicht nur Lernende sein, sondern auch Mitgestalter von Bildungswegen. Schwerpunkte der internationalen Aktivitäten waren Frieden, nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit.
Bildung ist kein Privileg. Sie ist und bleibt der maßgebliche Schlüssel für die persönlichen und für die gesamtgesellschaftlichen Zukunftschancen. Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Allerdings gibt es keine Garantie, dass dieses Recht auch gewährt wird – nicht in den Staaten der Dritten Welt, aber auch nicht in Deutschland. Auf diese Umstände sollen die Aktionstage aufmerksam machen und dazu auffordern, Bildungssysteme und -angebote umfassender, gerechter und zukunftsorientierter zu gestalten.
Gerade die heutige Zeit stellt anspruchsvolle und komplexe Herausforderungen. Man denke nur an Künstliche Intelleigenz, Klimawandel, Migration, geopolitische Konflikte oder Fachkräftemangel. In einer Arbeitswelt, die durch solche Faktoren geprägt ist, werden lebenslanges Lernen und die Aneignung neuer Lernformate zu einer unverzichtbaren Aufgabe. Politische Bildung, Medienkompetenz, interkultureller Sachverstand und nicht zuletzt ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien sind eine wesentiche Voraussetzung, um Desinformationen entgegenzuwirken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Dialogfähigkeit und die demokratischen Strukturen zu stärken.
In etlichen Ländern haben immer noch viele Menschen keinen Zugang zu den Grundlagen der Bildung. Die UNESCO schätzt, dass dies für mehr als 250 Mio. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren gilt, die nicht zur Schule gehen können. 770 Mio. Menschen, die älter als 15 sind, sind Analphabeten. Kriege, Fluchtbewegungen, Klimawandel, mangelhafte Infrastruktur, unzureichende Zahl an Lehrkräften, Armut und Pandemien erschweren den Zugang zum Bildungsangebot. 2022/23 soll es über 6000 gewaltsame Angriffe auf Schulen gegeben haben. Besondere Probleme sind die Benachteiligung von Frauen und Mädchen und die Förderung der digitalen Kompetenzen. Die Gedenktage der Bildung dienen dazu, auf all diese katastrophale Zustände aufmerksam zu machen.
Im breiten Rahmen der Bildungsförderung stechen vier Aufgaben hervor: Berücksichtigung der Bedürfnisse benachteiligter Gruppen wie Minderheiten, Flüchtlinge oder Behinderte. Gleichbehandlung von Mädchen und Frauen. Schaffung von Lehrangeboten in Krisengebieten. Förderung von Kompetenzen in der Informationstechnik, damit das digitale Zeitalter möglichst alle Menschen einbezieht.
Weltweit existieren unterschiedliche Bildungspflichten: In vielen Ländern, z.B. in Deutschland und den meisten europäischen Staaten, ist der Besuch einer Schule vorgeschrieben, während in anderen (z.B. USA, Kanada, Australien, Niederlande) unter bestimmten Auflagen auch ‘Homeschooling’ erlaubt ist. In einigen wenigen Ländern fehlt eine gesetzliche Schulpflicht gänzlich, oft aufgrund finanzieller oder infrastruktureller Probleme. Die Dauer der Schulpflicht variiert ebenfalls und geht zumeist bis zum 16. Lebensjahr.
Während der Besuch öffentlicher Schulen in den Industriestaaten in der Regel frei ist und Gebühren nur in Privatschulen erhoben werden, variiert dies in Entwicklungsländern stark. Öffentliche Grundschulen sind oft gebührenfrei, doch die Kosten für Materialien, Uniformen und Transport bleiben bestehen. Die Abschaffung von Grundschulgebühren hat in vielen Ländern (vor allem in Afrika) die Einschulungszahlen erhöhte, aber das System überlastet. Sekundarschulen erheben häufig Gebühren, die eine große Hürde darstellen können (in Kenia z.B. 120-370 €/a), weshalb viele Kinder, besonders Mädchen, die Schule abbrechen oder gar nicht erst besuchen.
Neben den beiden Gedenktagen der Bildung am 24. Januar und am 8. Dezember gibt es noch eine Initiative, die sich konstruktiv mit den Notwendigkeiten der Bildungsvermittlung befasst. Am 8. September findet der Weltalphabetisierungstag statt. Er weist auf eine besondere Bildungslücke hin. Weltweit können rund 860 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben, zwei Drittel sind Frauen. Selbst in Deutschland heißt es, das gut 6 Mio. Menschen nur begrenzte Kenntnisss in Lesen und Schreiben haben und über einfache Sätze nicht hinauskommen.
Der Weltalphabetisierungstag wurde 1965 auf einer internationalen Tagung der UNESCO ins Leben gerufen. Neben Veranstaltungen und Aktionen, die an diesem Tag auf die sozialen und wirtschaftliche Folgen des Analphabetismus hinweisen, wird er für die Vergabe von drei Bildungspreisen genutzt: für die Bekämpfung des Analphabetismus, für die Förderung der Entwicklung der Muttersprachen und für die Alphabetisierung von Frauen und Jugendlichen.
Die Datierung der Bildungsgedenktage auf 2015 und 2018 lässt vermuten, dass die Bedeutung der Bildung erst im letzten Jahrzehnt erkannt wurde. Das ist natürlich nicht der Fall. Bildung hat immer eine Rolle als Motor für die individuelle Entfaltung, den gesellschaftlichen Aufstieg und die politische Stabilität gespielt, von der antiken Erziehung zur Mündigkeit über die religiös geprägte Bildung des Mittelalters und die humanistische Prägung der Aufklärung bis zur modernen Idee der Bildung als Basis für Demokratie, wirtschaftliche Prosperität und die Bewältigung der Zukunft. Dabei hat sich ein langsamer Wechsel von der reinen Wissensvermittlung zur ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung vollzogen.
In der Antike standen körperliche und geistige Schulung sowie Rhetorik und soziale Integrität im Vordergrund. Im Mittelalter war die Bildung kirchlich geprägt, sie galt als ‘Gottessache’. In der Phase der Aufklärung gab es keine Grenzen der Lehre, Ziel war die aufgeklärte Gesellschaft. Im 19. Jahrhundert ging es darum, durch Bildung einen sozialen Aufstieg zu ermöglichen; Mädchen werden einbezogen.
Bildungsangebote waren jahrzehntelang Teilen der Gesellschaft vorbehalten, vor allem der Elite. Bildung war Privatsache. In Griechenland und Rom waren Metöken (Fremde) und Sklaven ausgenommen, im Mittelalter die landwirtschaftliche Bevölkerung. Für Mädchen gab es nur eine auf hauswirtschaftliche Tätigkeit bezogene Ausbildung. In Griechenland wurden Philosophie und Rhetorik gelehrt, aber auch Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen, Recht und Musik vermittelt. In Rom standen eher praktische Fähigkeiten wie Politik, Militär und Finanzen im Vordergrund.
Heute gilt Bildung als Menschenrecht und als Schlüssel zu Armutsbekämpfung, nachhaltiger Entwicklung und Mündigkeit in einer globalisierten Welt. Dekolonisierung, die Vereinten Nationen und die internationale Vernetzung haben ihren Einfluss geltend gemacht. Bildung fungiert als Grundlage für Demokratie, Frieden, Toleranz, soziale Ordnung, Selbstbestimmun und Gleichberechtigung. Und natürlich als Grundlage für Wirtschaftswachstum und einen qualifizierten Arbeitsmarkt.

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