Gestern haben mir meine Paywallbohrer wieder gute Dienste geleistet. In der FAZ erschien ein Interview mit dem Arabien-Spezialisten Sebastian Sons, der für sich eine harte Realo-Rolle entwickelt hat, mit der er Medien bedient. Er sitzt in einer Strasse, in der auch Roland Appel mal die Geschäfte einer NRW-Stiftung geführt hat, gleich neben dem ehemaligen Auswärtigen Amt in Bonn. Sons gab dem FAZ-Volontär Majd El-Safadi ein Interview, das die Redaktion so betitelte:

“‘Ein Super-GAU für die Golfstaaten’ – Der Islamwissenschaftler Sebastian Sons erklärt, was der Irankrieg für den Sport im Nahen Osten bedeutet, warum die WM in den USA noch politischer sein wird als die in Qatar – und er sagt, was er dem DFB deshalb rät.” und dann beginnt an der digitalen Mauer die FAZ-Abo-Falle. Streng nichtgewerblich und “nur zum persönlichen Gebrauch” kann ich Ihnen beim Wunsch das zu lesen behilflich sein. Oder Sie hören einfach heute Abend um 23.30 h das DLF-Sportgespräch u.a. mit dem gleichen Herrn Sons “Der Krieg im Nahen Osten – Auswirkungen auf den Sport”. Danach an dieser Stelle nachhörbar (30min).

Sons bemüht, wie erwähnt, für sich die Rolle des Realos und versucht auf diese Weise, die Entwicklungsstrategien der arabischen Feudalclans nachvollziehbar zu machen. Ein Knochensäger-Versteher? Das wäre die böswillige Deutung. Angesichts hiesiger Unkenntnis sind Wissenschaftler wie er sicher eher ein Gewinn als ein Verlust. Die hiesige moralische Erhebung über die teilweise durchaus verbrecherischen Feudalclans ist schon deswegen unangebracht, weil sich hiesige Herrschende noch nie zu fies waren, bei denen einen Diener und anschliessend reichhaltige Geschäfte zu machen – von Habeck bis Merz, und immer mehrere Dutzend Industriekapitäne im gleichen Flieger.

Was Sons nicht erwähnt, aber ebenso zur Wahrheit der Macht gehört, ist die Tatsache, dass die arabischen Feudalkriminellen gleichzeitig wichtige Finanziers des Trump-Regimes waren und sind. Vor seiner ersten Präsidentschaft war Trump beinahe pleite, und die arabischen Diktaturen fütterten ihn ins Präsidentenamt hinein. Dort gelang (und gelingt) ihm mit umfangreichem Insiderwissen und Börsenbetrug (wie seinem Bruder im Geiste Elon Musk) anschliessend unermessliche eigene Bereicherung.

In diesem Schweif organisierter Kriminalität wird z.Z. ein Schlüsseldeal um die Medienmacht durchgezogen, über den hinter der SZ-Paywall David Steinitz eine lesenswerte Analyse verfasst hat:

“Ist dieser Deal dumm? – Der Sohn eines reichen Trump-Unterstützers kauft für mehr als 100 Milliarden Dollar ein Hollywoodstudio. Das hat auch Auswirkungen auf deutsche Wohnzimmer. Warum die Übernahme von Warner durch Paramount im Fiasko enden könnte.” Auch für die Lektüre dieses Textes kann ich Ihnen streng “nur zum persönlichen Gebrauch” behilflich sein.

EU-Europa dementiert seine angebliche “Souveränität” selbst

Ein Rätsel bleibt, warum der Autor einen bereits abgeschlossenen Deal unerwähnt lässt. Die europäische Fussballmafia Uefa hat die wertvollsten Fussball-TV-Rechte in voller Kenntnis der Besitzverhätnisse an ebendiesen Konzern für die nächsten vier Jahre vergeben: die sog. Champions-League. Leistungssportlich betrachtet rangieren diese TV-Rechte noch über denen der Fifa-WM, bei der selten zusammenspielende Nationalteams konkurrieren. Die weltweit besten und teuerst global zusammengekauften Teams spielen in den europäischen Fussballkonzernen in London, Manchester, Liverpool, Barcelona, Paris und einer in Süddeutschland.

Hier schliesst sich erneut der Kreis zu den arabischen Feudalclans. Ihnen gehören mehrere der europäischen Vereine (ManCity, PSG, Newcastle etc.), sie sitzen in der Uefa-.Exekutive. Und beim trumpnahen Ellison-Clan, der Paramount und Warner gefressen hat, sind sie mit einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag als angeblich “stille” Teilhaber dabei.

Also an allen Seiten aller Verhandlungstische. Sport und Wettbewerb sind was Anderes. Und fraglich ist, ob sie die freifliegende Kanonenkugel in Washington noch unter Kontrolle bekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es fürchten oder hoffen soll …

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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