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Wie Hans-Jochen Vogel zum Grünen wurde

Schöne neue  KI-Welt. Auf der Google-Suche nach den Mitgliedern der ersten  Grünen Bundestagsgruppe stieß ich auf eine Auflistung von Personen, die eine nähere Betrachtung lohnt. Zeigt sie doch – da mit “KI erstellt” – welcher Unfug dabei herauskommen kann, wenn man das  ohne eigene Sachkenntnis macht.

Der  Eingangstext stimmt noch: “Die erste grüne Bundestagsgruppe zog nach der Bundestagswahl 1983 in den Deutschen Bundestag ein.”

“Die Partei ‘Die Grünen’ erreichte 5,6% der Stimmen und stellte damit 28 Abgeordnete”. Als  Quelle  steht dort: Deutschlandmuseum Berlin. Sie beginnt – so weit noch richtig  mit Petra  Kelly, Gert Bastian, Otto Schily… Aber schon bei Nummer 6 wird es ungenau. Da wird Heidi Dann erwähnt, die allerdings zunächst noch “Nachrückerin” war, und erst später ihr Mandat erhielt.  Dann wird es, sagen  wir mal, sehr viel mehr ungenau.

So kommt auch auf Platz 11 Rainer Trampert zu einem Mandat und später auch Lukas Beckmann. Trampert war mal Vorsitzender  der Grünen, aber nie im Bundestag.  Beckmann war bei der Fraktion als Geschäftsführer.  Genannt wird auch Jürgen Reents  – der in späteren Jahren der Grünen-Fraktion angehörte. Außerdem Reinhard Bütikofer, der dem Europa-Parlament angehörte, aber nie  dem Bundestag. 

Richtig lustig finde ich den Platz 19. denn dort  kommt Helga Schuchardt  zu einer  neuen Vita. Sie war demnach zunächst Grüne, später FDP. Tatsächlich war sie FDP-Bundestagsabgeordnete und  später als Parteilose Senatorin in Hamburg. Weiter gehts mit  Michael Vesper und auf  Platz 24 dann  Hans-Jochen Vogel.

Hinter  dessen  Namen steht die Bemerkung: “(Hinweis: Dies ist ein historischer Name, vermutlich Verwechslung in der Quelle, gemeint ist oft das soziale Umfeld. Die Liste beruht auf den gewähltenMandatsträgern 1983. Die genaue Zusammensetzung änderte sich teilweise durch das Rotationsprinzip).”

Ja,  Hans Jochen Vogel mag  oft rotiert sein – aber nicht in der Grünen-Bundestagsfraktion. Für die jüngeren Leser – er war SPD-MdB, deren  Bundesvorsitzender, Bundesjustizminister und Münchener Oberbürgermeister. Es werden weitere Namen aufgezählt, mit denen ich im Bezug auf die Grünen nichts anfangen kann. So taucht auch ein Manfred Sohn auf,  – tatsächlich gab es einen Abgeordneten, der so  ähnlich hieß – Manfred Such. Der forderte  während seiner Zeit im Bundestag  in einem Antrag die Auflösung des BND,

Wie erwähnt, die angeführte Quelle für diesen Datenmüll  heißt Deutschland Museum, offenbar eine  private Tourismus-Einrichtung in Berlin. Es wirbt mit dem Spruch: “Ein  Museum, wie Du es noch  nie gesehen  hast”. Ich war dort   noch nicht, aber für die Inhalte, die mit Bezug auf dieses “Museum” verbreitet werden, stimmt das bestimmt.   

4 Kommentare

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    Martin Böttger

    Ich fürchte, die Verblödung breiter Öffentlichkeiten durch KI/AI ist nicht mehr aufzuhalten. Derartige Beispiele gibt es massenhaft. Gemäss der Weltsicht der IT-Oligarchen, dass die vorgebliche “Wirklichkeit” von ihnen selbst geformt und gemacht wird. Die, die es “wirklich” mal gab, muss sie also nicht interessieren. Exakt so läuft ja längst die Politik ihres Donald. Für hiesige Politiker*innen ist das “zu komplex”. Das ging doch schnell, oder?

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    Helmut Lorscheid

    Ich habe – auf der Suche nach dem Link, der Grundlage für meinen kurzen Text war, noch mal nachgeschaut. Ähnlicher Mist krusiert auch, wenn beispielsweise “Die Grünen” als Quelle auftauchen. Die Fehler in der Liste der 28 vermeintlichen Abgeordneten ist nicht ganz so blödsinnig wie die, die Grundlage für meinem Text war, aber auch die ist sehr fehlerhaft. Auch dann “Ki-unterstützt” nur vielleicht mit den Grünen als “Hauptquelle.” Ich werde es weiter versuchen, mal schauen wer alles sonst noch als Mitglied der ersten Grünen Bundestagsgruppe auftaucht. Fraktion waren sie erst in der dann folgenden Wahlperiode

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    Annette Hauschild

    Das kommt davon, wenn man sich nur auf KI verläßt und selbst von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist. Recherche ohne KI hilft da weiter auch schon eine normale Internetrecherche da ist aber mittlerweile eine Hürde vor, denn die großen Suchmaschinen haben fast alle irgendeine Stussmaschine vorgeschaltet.

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    Christian Wolf

    Ich hab mal bei den Chinesen gefragt, die sehen das so:

    Die erste Grünen-Bundestagsgruppe zog am 29. März 1983 in den Deutschen Bundestag ein und bestand aus 28 Abgeordneten . Die Gruppe setzte sich aus 10 Frauen und 18 Männern zusammen .

    Es folgt die vollständige Liste der Mitglieder der ersten Grünen-Bundestagsfraktion der 10. Wahlperiode (1983–1987):

    Hendrik Auhagen
    Sabine Bard
    Gert Bastian
    Marieluise Beck-Oberdorf
    Annemarie Borgmann
    Eberhard Bueb
    Willi Hoss
    Hannegret Hönes
    Petra Kelly
    Torsten Lange
    Helmut Lippelt
    Christa Nickels
    Wolfgang Daniels
    Heidemarie Dann
    Jutta Ditfurth
    Gaby Gottwald
    Erika Hickel
    Dieter Drabiniok
    Joseph Fischer (Joschka Fischer)
    Charlotte Garbe
    Otto Schily
    Christian Schmidt (Nürnberg)
    Walter Schwenninger
    Christa Reetz
    Regula Schmidt-Bott
    Hans-Christian Ströbele
    Christa Vennegerts
    Antje Vollmer

    Hinweis zum Rotationsprinzip: Die Grünen praktizierten in dieser ersten Legislaturperiode das sogenannte Rotationsprinzip. Das bedeutete, dass viele Abgeordnete ihr Mandat nach zwei Jahren niederlegten, um Nachrückern Platz zu machen . Daher gab es im Laufe der Wahlperiode personelle Wechsel. Petra Kelly und Gert Bastian gehörten zu den wenigen, die sich weigerten zu rotieren .

    Nebenbei: ..und das hier kannte ich gar nicht:
    https://www.ddr-im-blick.de/jahrgaenge/jahrgang-1983/report/erneuter-aufenthalt-von-mitgliedern-der-gruenen/

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