Es gibt ein Sicherheitsrisiko in jedem Haushalt. Das ist die kleine Schachtel mit ein paar Drähten dran, für Telefon und Internet. Technikaffine Leserinnen und Leser kennen den Fachbegriff: Router. Meist steht bei uns Fritz.Box oder Speedlink drauf. In Nordamerika haben sie entdeckt:
Böswillige Akteure haben Sicherheitslücken in im Ausland hergestellten Routern ausgenutzt, um amerikanische Haushalte anzugreifen, Netzwerke zu stören, Spionage zu betreiben und den Diebstahl geistigen Eigentums zu erleichtern. Im Ausland hergestellte Router waren zudem an den Cyberangriffen „Volt“, „Flax“ und „Salt Typhoon“ beteiligt, die auf wichtige US-Infrastruktur abzielen.“ lesen wir alles  hier

Deshalb haben die Nordamerikaner Router aufgelistet, die nicht mehr eingeführt und verkauft werden dürfen. Wer Router im Land der Träume weiter dort verkaufen will, der muss erstmal eine Begründung liefern, „warum ein im Ausland hergestellter Router derzeit nicht in den Vereinigten Staaten hergestellt wird, einschließlich der Gründe für die Wahl dieser ausländischen Lieferanten und der Angabe, ob Alternativen bestehen.“

Die wollen die Dinger im Land selbst zusammenpusseln und warum das bedeuten soll, dass Router aus Nordamerika sicher sind, wissen sie selbst nicht. Jedenfalls findet sich in den Papieren nichts dazu.

Muss auch nicht, die FCC, das ist deren Zulassungsbehörde, nimmt nur Bezug auf die Sicherheitsstrategie 2025 von Donald Trump: „Die Vereinigten Staaten dürfen bei Kernkomponenten – von Rohstoffen über Bauteile bis hin zu Fertigprodukten –, die für die Verteidigung oder die Wirtschaft des Landes notwendig sind, niemals von einer ausländischen Macht abhängig sein. Wir müssen uns unseren eigenen unabhängigen und zuverlässigen Zugang zu den Gütern wieder sichern, die wir benötigen, um uns zu verteidigen und unsere Lebensweise zu bewahren.

Das dient der Sicherheit und dem Wohlstand! Deshalb gibt es einen „Plan zur Produktion in den USA und zur Rückverlagerung“. Es wird gefordert: „Ein detaillierter, zeitgebundener Plan zur Einrichtung oder zum Ausbau der Produktion in den Vereinigten Staaten für den Router, für den der Antragsteller eine bedingte Zulassung beantragt, damit dieses Gerät die Voraussetzungen für eine FCC-Zulassung erfüllt“ – und die „Voraussetzungen für eine FCC-Zulassung“ sind eng an der Wetterbericht gekoppelt.

Brendan Carr, das ist der Vorsitzende der FCC (die „Federal Communications Commission“ zu deutsch etwa „Bundeskommunikationskommission“) bekennt sich zu der Maßnahme, betont aber, die FCC sei für das Verbot gar nicht zuständig, sondern nur für die Veröffentlichung und die Durchsetzung, der Befehl (!) dazu käme von einem nicht näher genannten Geheimdienst.

Irgendwie erinnert mich diese Argumentationskette an die Verteidigungslinie unserer Nazi-Schergen, die hatten auch keine Verantwortung für den Befehl, sie mussten ihn nur umsetzen. Das ist kein Vergleich, der Schaden ist geringer und kostet keine Menschenleben – aber die haben bei uns auch ganz klein angefangen.

Dies, im Gegensatz zu den digitalen Schäden, die Nordamerika im Sinne des eigenen Wohlstandes bei uns in Europa anrichtet, befeuert von Politkern, die Palantir für eine Segnung und die OpenSource für einen Kampfbegriff der „Fünften Kolonne“ halten.

Bleibt die Frage, ob es statthaft ist, das eigene geistige Eigentum zu schützen und der Vermarktung US-amerikanischer Dienste zu entziehen. In den letzten Wochenrückblicken  konnten wir uns dieser subversiven Gedanken aktiv annähern. Deswegen wird dieser schleimige Labsal für Microsoft/Google nicht abreißen, nur weil wir nicht mehr mitmachen. Andererseits: wenn auch wir nichts machen, welche digitalen Vorbilder gibt es?

Was noch fehlt, war unser Adressbuch und den Kalender aus den Fängen Microsofts zu befreien. Natürlich ist das nicht völlig ohne Verluste möglich, dann Microsoft hat seine eigenen proprietären inkompatiblen Standards. Anders allerdings, als bei den Mails, muss nichts umgewurstet werden, es gibt den kleinsten gemeinsamen Nenner: in Outlook auf Datei: „Öffnen und Exportieren“ gehen und hernach das gewünschte Format wählen: CSV, das ist, kundige Leserinnen und Leser werden es zuerst erkennen, nichts anderes als ein Format für eine Tabellenkalkulation. Wer jetzt nicht gleich an Excel denkt, hat verstanden, was eine Tabellenkalkulation ist. Das müssen wir uns als eine Art ungeschliffenes Rohformat vorstellen, mehr geben die uns nicht.

Mit diesem Format können wir unseren Kalender und auch das Adressbuch bei mail.de importieren, einfach die Seite aufrufen und zum Import jeweils als Dateityp CSV wählen.

Der Kalender und das Adressbuch muss danach zwingend in Outlook gelöscht werden, hier gilt KEINE Ausrede, auch nicht zur Sicherheit ein paar Tage noch drin lassen, denn Du vergisst das garantiert! Wer sich absichern möchte, der darf höchstens noch einen Export im PST-Format wagen und gleich im Papierkorb seiner Festplatte ablegen, die wird nach ein paar Tagen automatisch gelöscht, Gefahr gebannt!

Unterm Strich ist das alles kein Hexenwerk, wenn ich weiß, wo meine Daten liegen und wie ich sie behandeln kann. Wer zurück möchte, wohin auch immer, der kann alle Daten ohne Verluste in Standardformaten exportieren und an anderem Ort importieren.

Eine solche Anleitung zu Selbsthilfe in einem Medium zur politisch-philosophischen Erbauung mag auf den ersten Blick Irritation auslösen, was aber nicht davon abhalten sollte, einmal selbst aktiv zu werden. Oder wollen wir weiter einer elegischen Weltsicht folgen, damit wir nichts ändern müssen? Nur zu, auch das verursacht zuerst keinerlei körperlichen Schmerzen.

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)