Dieser Newsletter informiert Sie über die zwischen Mitte Februar und Ende März 2026 im Demokratischen Salon veröffentlichten Texte (vollständiger Text über diesen Link). Er erscheint wenige Tage vor Pessach und Ostern, Feste der Befreiung, Erlösung, Hoffnung, aber auch in Erinnerung an ungewisse Zukünfte. Natan Sznaider schrieb im Jahresband des Leo-Baeck-Instituts „Zeit im jüdischen Kontext“, dass immer wieder „das Jetzt gegen die Zukunft, die wir nicht kennen können, ausgespielt“ werde. Es gebe manche, die „glauben nicht an die Gegenwart, sondern nur an die Vergangenheit und Zukunft.“ In der Hoffnung, dass es uns gelingt, die Gegenwart zu gestalten, wünsche ich allen meinen Leser:innen Frohe Ostern und Pessach Sameach.
Als Editorial empfehle ich das Gespräch mit Medardus Brehl, Redakteur der in Bochum erscheinenden Zeitschrift für Genozidforschung: „The Intent to Destroy a Group as Such”. Thema sind Begriffsgeschichte, juristische und sozialwissenschaftliche Annäherungen sowie Ergebnisse der vergleichenden Genozidforschung anhand von Fallbeispielen. (Rubrik: Opfer und Täter*innen, Shoah)
Weitere Inhalte der neu veröffentlichten Texte:
- Sylvia Sasse, Slavistin und Initiatorin von „Geschichte der Gegenwart“, analysiert in „Verkehrte Welten“, wie die „Welt verkehrtherum erzählt wird“, welche gefährlichen Allianzen, aber auch welche Subversivität sich daraus ergeben. Ein Kollateralnutzen ist die durch Ukraine und Belarus inspirierte neue Vielfalt der Slavistik. (Rubriken: Osteuropa, Weltweite Entwicklungen)
- Hans-Gerd Angel fragt: „Gibt es gerechten Krieg, gerechten Frieden?“Kriege sind nach einem Wort von Papst Johannes Paul II. „Niederlagen der Menschheit“. Erklärungen und Dokumente des Vatikans und der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 2003 und 2024 präzisieren diesen Gedanken, zur Orientierung, nicht als Handlungsanweisung. (Rubriken: Weltweite Entwicklungen, Treibhäuser)
- Souad Lamroubal, Autorin und Beamtin, sieht sich als „privilegiert“ und dennoch im Zwiespalt zwischen „Deutschsein“ und „Deutschwerden“. Ihre Bücher werden in „Der endlose Weg zur ‚Integration‘“ vorgestellt. Wir sind noch weit entfernt von einer „Demokratie für alle“, die allen gleichermaßen „Sicherheit“ und „Teilhabe“ garantiert. (Rubriken: Liberale Demokratie, Migration, Afrikanische Welten)
- Lesia Smyrna porträtiert in „Eine Reise in die Dunkelheit der Zeit“ die ukrainische Fotokünstlerin Yana Kononova. Die Barbarei eines genozidalen Krieges ist nicht interpretierbar, sodass die Künstlerin zur Kriegsreporterin wird, die die Fragmentierung der Welt „zwischen diskursiver Barbarei und poetischer Überhöhung“ sichtbar werden lässt. (Rubriken: Kultur, Osteuropa)
- Mykola Riabchuk kommentiert in „Ukrainisches Selbstbewusstsein“, dass der ukrainische Skeletonfahrer Vladyslav Heraskevych bei der Winterolympiade einen moralischen Sieg errungen habe, indem er dem IOC die Stirn bot – ein Statement gegen dessen Doppelmoral sowie ein Gegengewicht zur wachsenden „Ukraine-Müdigkeit“. (Rubriken: Osteuropa, Treibhäuser)
- Ana Margvelashvili berichtet in ihrer Georgisch-Deutschen Bibliothek von der Reise des deutschen Tropenmediziners Albert Herrlich in den 1930er Jahren ins sowjetische Tbilissi, in „Die Stadt der Gegensätze“, in der sich Religionen, Kulturen, Ethnien durchmischen und Handelswege kreuzen. (Rubriken: Osteuropa, Kultur)
- Jenny Joy Schumann dokumentiert in „Was bleibt, wenn die Angst bleibt – Warum Hoffnung in Venezuela gelernt hat, leise zu sein“ ein Gespräch über die Stimmungen in dem südamerikanischen Land nach dem „Eingriff“ von Donald Trump. Niemand weiß, ob Hoffnungen auf Freiheit berechtigt sind. Es bleibt bei höchster Vorsicht. (Rubriken: Weltweite Entwicklungen, Treibhäuser)
- Jeannette Oholi beschreibt „Wege zu einer transkulturellen Literaturwissenschaft“, insbesondere im Hinblick auf die Rolle und Perspektiven Schwarzer deutscher Literatur. Es ist etwas in Bewegung gekommen, Netzwerke sind entstanden, Selbstwirksamkeit und ein neues Selbstbewusstsein, jenseits von binären Konzeptionen. (Rubriken: Afrikanische Welten, Kultur)
- Christine Künzel plädiert in „Schmutzige Wahrheit“ für die Wiederentdeckung der Romane und Essays von Gisela Elsner, deren Bücher zurzeit im Buchhandel nicht erwerbbar sind. Gisela Elsner nannte sich selbst eine „schmutzige Satirikerin“. Sie fand ihren unverwechselbaren Stil in der Tradition eines Jonathan Swift und als Chronistin der BRD. (Rubriken: Treibhäuser, Kultur)
- Florian Markl porträtiert in „We remember” das erste Holocaust-Museum in der arabischen Welt, inspiriert vom United States Holocaust Museum in Washington und Reaktion auf aktuelle antisemitische Ereignisse, die an „das größte Verbrechen gegen die Menschheit“ erinnern. (Eine Übernahme aus dem Mena-Watch-Lexikon, Rubriken: Shoah, Levantinische Aussichten)
- Renate Heß berichtet in „Machtpolitischer Schachzug mit Militär“ über den Staatsstreich in Guinea-Bissau vom 26. November 2025, die gekippten Wahlen und Entwicklungen bis zum Ende Februar 2026, die „Charta des Übergangs“, die internationalen Reaktionen, das harte Vorgehen der Militärs gegen die Opposition sowie über einen Hoffnungsschimmer. (Rubrik: Afrikanische Welten)
- Fritz Heidorn stellt in „Leben wie in einem Science-Fiction-Roman“wissenschaftliche und politische Debatten sowie Romane und Filme der Science-Fiction rund um Seuchen und Pandemien vor. Wir leben in unsicheren aus den Fugen geratenen Zeiten, aber gerade deshalb sollten wir Science Fiction lesen. (Rubriken: Utopien / Science Fiction, Treibhäuser)
- Norbert Reichel stellt in „Game’s not over“ Handbücher des Deutschen Kulturrats, der Bundeszentrale für politische Bildung und einer Leipziger Forschungsgruppe vor, die die Vielfalt des Gaming als Thema und Methode in Kultur und Bildung beschreiben. Aktuelle politische Debatten über das Gaming ähneln den Debatten über Soziale Medien. (Rubriken: Kultur, Kinderrechte)
Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen finden Sie zu folgenden Themen: 18. März – Tag der Demokratie (Beschluss des Deutschen Bundestages), Tyrannenmord (Nils Markwardt), Iran (drei Texte: Hamid R. Ekbia, Nils Minkmar, Deutscher Kulturrat), Krieg als Videospiel (René Martens, Simon Strick), Israel (zwei Texte: Sarah Levy, Gespräche von Elisa Mercier mit Ricarda Louk und Sonja Bohl-Becker), Handreichungen zum Antisemitismus (OFEK), Terrordepots in Krankenhaus in Gaza (Michaela Dudley, Ärzte ohne Grenzen), Vertreibungen von Juden aus arabischen Ländern (Raimund Fastenbauer, Nathan Weinstock), Wokeness ist Achtsamkeit (Christian Wulff), Neutralität (KMK, Siegburger Konsens), Meinungsfreiheit (zwei Texte: Ronen Steinke, David Kaye, Jan Fleischhauer, Claudius Seidl), Biologistisches Denken in Deutschland (Nationaler Diskriminierungsmonitor), Bedrohung internationaler Kulturbegegnungen (Deutscher Kulturrat), Moses Hess (Initiative von Künstler:innen aus Bonn), Hausfrauenehe und Steuerrecht (Frauke Brosius-Gersdorf, Hedwig Richter), Häusliche Gewalt (Dunkelfeldstudie von Innen- und Familienministerium sowie BKA), Jugendkriminalität (CORRECTIV), Nachhaltigkeit und Verteidigung (Royal United Services Institute, Thomas Tutschker), Simson-Motorräder (Spiegel, CORRECTIV), Briefwechsel syrischer und ukrainischer Autor:innen (Weiter Schreiben), Russisches Rückkehrprogramm (Oksana Akmaeva), Russische Desinformationen (CORRECTIV, Marina Weisband), Russischer Kolonialismus (Maksym Eristavi), Russische Demokratie der Zukunft (Daria Boll-Palievskaya, Dmitri Gudkov).
Regelmäßig aktualisierte Empfehlungen für den Besuch von Veranstaltungen und Ausstellungen finden Sie auf einer eigenen Seite, nach Orten sortiert.
Der Newsletter des Demokratischen Salons erscheint in der Regel etwa alle acht Wochen. Die nächste Ausgabe erhalten Sie Ende Mai / Anfang Juni 2026. Neue Beiträge werden selbstverständlich weiterhin laufend veröffentlicht.

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