Er war die wohl beste Mänätscher-Entscheidung, die Max Eberl in seinem ungesund-turbulenten Berufsleben getroffen hat: Lucien Favre. Der hat nun in meinem Alter bekannt gegeben, dass er sein Berufsleben als Fussballlehrer beendet.

Favres grösste Leistungen waren zum einen in Nizza: er war der einzige Trainer, der Mario Balotelli in eine Mannschaft integrieren konnte, in der dieser an der Seite des späteren Gladbachers Alassane Pléa, Klasseleistungen und Erfolge abliefern konnte. Das waren die Jahre 2016-18, nach seinen – zum anderen – fünf Jahren in Mönchengladbach.

Dort hatte Favre aus einem schon abgestiegenen und mental toten Team einen Champions-League-Teilnehmer gemacht. Es verrät hohe menschliche und fachliche Qualitäten, wenn ein Fussballlehrer die gleichen Spieler besser macht. Es geht auch umgekehrt: sehen Sie sich nur die zahllosen schwarzen Talente in Dortmund an.

Dort wollten sie 2020 auch Favre schnellstens loswerden. Denn überraschend: er war und ist kein Ebenbild des medienklavierspielenden Jürgen Klopp (der macht bekanntlich gegen Geld “alles”). Im Gegenteil: er konnte kaum verbergen, dass er keinen Respekt vor fachlich ahnungslosen Boulevardreportern hatte. Da ging es ihm wie mir. Während ich es im NRW-Landtag erlernt hatte, das professionell zu verbergen, konzentrierte sich Favre lieber auf die fachliche Arbeit als Fussballlehrer. Das haben sie ihm in der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA sehr sehr übelgenommen. Dort suchen sie immer noch nach einem Klopp-Ebenbild. Und sind jetzt mit einem zufrieden, der Punktgewinne mit unansehnlichem Fussball abliefert. Aber ich schweife ab.

Mein Vorschlag an das Management meiner Borussia bleibt, den durch unsere Legende Hans Meyer freigemachten Platz im Präsidium mit ebendiesem Lucien Favre zu besetzen. Ich fürchte nur, der ist so klug, so ein Angebot abzulehnen. Er weiss zuviel.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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