Ergänzender Warnhinweis zur Mediathekperle
Küppi schrieb gestern (Red.schluss 14 h) von der „bitte nicht wecken-Phase”. Als ich heute wach wurde, rauschte das mediendiätswidrige Radioprogramm an mir vorbei, weil im Kopf schon wieder “After Benjamin” spielte. Die Augen wurden nass – Heuschnupfen? Draussen regnet es. Was ist passiert?
Meine ersten fünf Lebensjahre wuchs ich in einer sogenannten “Mau-Mau-Siedlung” an der Stadtgrenze von Gelsenkurchen-Buer-Beckhausen und Gladbeck-Rüsenhügel auf. Wie es der Volksmund so treibt, hatte das nichts mit den Tatsachen zu tun. In Wirklichkeit war es eine ECA-Siedlung. Wie kamen die Leute auf “Mau-Mau”? Die Strassen der Siedlung waren prall gefüllt mit spielenden Kindern. Für Autos gab es kein durchkommen. Alle Kinder waren weiss, nicht wenige blond. Das Gefährlichste waren die Pferdefuhrwerke der “Klüngelskerle”, die regelmässig durchfuhren, um nicht mehr benötigte Haushaltswaren einzusammeln. Heute ist in der gleichen Siedlung kein einziges Kind mehr auf der Strasse, aber alle Autostellplätze belegt. Mann nennt es “demografischer Wandel”. Die Kredite für die seinerzeit 10.000 D-Mark teuren Reihenhäuschen sind abbezahlt. Unsere damalige Mietwohnung im ersten Stock dürfte heute Teil des bescheidenen Eigenheims sein.
Mehr darüber können sie in dem grossartigen Buch “Graue Architektur” von Benedikt Boucsein lesen, wie ich es in ebendiesem Norwegen-Urlaub getan habe. Ein wissenschaftliches, aber wunderbar lesbares Werk. Der “Stadtbild”-Bundeskanzler wird es nicht kennen. Keine Zeit.
Und wir sind wieder zurück im Norwegen “After Benjamin”
Wenn ich am nächsten Morgen beim Wachwerden schon wieder daran denke, muss was passiert sein. Und so war es auch.
Meine gestrige Rezension schrieb ich schon, während die Serie auf meiner Glotze noch lief. Ich wollte emotional Atemholen. Das funktionierte auch.
In der letzten Folge hatte dann Linn Skåber als Benjamins Mutter einen Auftritt, wie ich ihn so schon lange nicht mehr in der Glotze gesehen habe. Kaum zu glauben, dass die Dame in ihrem Land ein “Comedy-Star” sein soll. Ich zitterte am ganzen Leib.
Legen Sie sich für die letzte Folge Taschentücher bereit. Am besten, Sie schauen es nicht alleine. Und keine Angst: es ist kein tragisches Ende, sondern ambivalent, wie das wahre Leben, in den wahren Siedlungen unserer reichen Länder.

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