In der Arte-Reihe “Europas große Filmpaläste” kommt Bonn nicht vor – verdientermassen

Der TV-Sender Arte bietet eine vierteilige Dokumentationsreihe “Europas große Filmpaläste” an. Verfügbar is 29.7. Die erste Folge über das “Grand Rex” in Paris habe ich bereits gesehen. “Mit 2.700 Plätzen ist das Grand Rex der größte Art-déco-Filmpalast Europas. Jacques Haïk gab den Bau in Auftrag und brachte in den 1920er Jahren als Filmimporteur Charles Chaplin nach Frankreich. Das Kino, in dem es auch Wasserspiele gibt und das einen der angesagtesten Techno- und Elektro-Clubs von Paris beherbergt, ist ein Familienbetrieb in dritter Generation.”

Was hätte hier über das Bonner “Metropol-Kino” stehen können? In dem schönen Film zeigt Axel Fuhrmann, welche zentrale kulturelle Rolle so ein markanter Ort für seine Stadt und ihr Land spielt. Das 20. war in ambivalenter Weise ein turbulentes Jahrhundert. Und solche Kinos erzählen davon.

Wenn mann sie lässt. Daran hatte der Bonner Immobilienkaufmann Klaus Töpfer, nicht zu verwechseln mit dem CDU-Umweltpolitiker, kein Interesse. In einem der asozialen Netzwerke wird als seine “Berufserfahrung” angegeben: “Vermietung und Verpachtung”. Das halte ich für korrekt. Die Firma, mit der er das Metropol-Kino – gewiss steuermindernd – zerstörte, hiess “Metropol Immobilienmanagement Verwaltungs GmbH”. Noch Fragen? Ich musste ihn als Grünen-Fraktionsgeschäftsführer im Stadtrat bei einem Gespräch persönlich kennenlernen. Aus heutiger Sicht: eine Mischung von Donald Trump und Friedrich Merz, an Einsicht durch Fakten und Argumente nicht interessiert.

Ich verbinde viel biografisches mit diesem einst grossartigsten Kino NRWs, neben der Essener Lichtburg, die ebenfalls in der Arte-Reihe geehrt wird, linear ausgestrahlt übermorgen um 9.25 h. In diesem Saal habe ich die Kino-Premieren der Schimanski-Folgen “Zahn um Zahn” und “Zabou” gesehen. Unvergesslich. Und Jahre zuvor, Ende April 1972, erfuhr ich an dieser Kinokasse, dass das Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Willy Brandt gescheitert war.

Heute residiert dort ein Buchhandelsmonopolist mit einer ähnlich unsympathischen Ausstrahlung wie sein Vermieter. Wenn Sie für ein Buchgeschenk noch 24 Stunden Zeit haben, wählen Sie lieber eine inhabergeführte Buchhandlung in Ihrem Stadtviertel. In Beuel haben wir Auswahl, hier und hier. Ich habe dort schon jede Menge netter Menschen kennengelernt und viele alte Bekannte wiedergetroffen. Kinozerstörung mit Umsatz belohnen – das bringe ich nicht übers Herz.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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