Der Newsletter Juli 2026 des Demokratischen Salons (vollständiger Text über diesen Link) informiert Sie über die im Juni 2026 veröffentlichten Texte. Wie üblich finden Sie weitere Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen sowie Vorschläge für den Besuch von Veranstaltungen und Ausstellungen auf einer eigenen Seite, nach Orten sortiert.

Sie wäre im Juni 2026 einhundert Jahre alt geworden und ist mit Elfriede Jelinek und Gisela Elsner eine der bedeutendsten Stimmen deutschsprachiger Literatur der sogenannten Nachkriegszeit: Ingeborg Bachmann. Zwei Halbverse ihres Gedichts „Alle Tage“ (in: „Die gestundete Zeit“) bringen die Wirren ihrer wie unserer Zeit auf den Punkt: „Das Unerhörte / ist alltäglich geworden.“ 

Als Editorial empfehle ich meinen Essay „Die unerzählten Geschichten Buchenwalds“, der zugleich eine Besprechung des Buches „Landschaft ohne Zeugen“ von Ines Geipel ist. Im Buchenwald der DDR sind selektive Erinnerung, organisiertes Beschweigen, eine engführende Geschichtspolitik und die irritierende Heroisierung einiger Auserwählter sinnfällig erfahrbar. (Rubriken: DDR, Shoah).

Inhalte der weiteren neu veröffentlichten Texte:

  • Karin Althaus und Adrian Djukić stellen in „Weimarer Hoffnungen“ die von ihnen kuratierte Ausstellung im Lenbachhaus vor. Technologische Entwicklungen verkürzten die Distanzen, das Theater wurde sportlich, Frauen befreiten sich, es entstand eine antifaschistische Szene Münchner Künstler:innen. Weimar hätte auch ein gutes Ende finden können. (Rubriken: Kultur, Treibhäuser)
  • Harald Schlüter und Thomas Frings beschreiben in ihrer historisch-theologischen Führung die „Antijüdische Bildsprache im und am Kölner Dom“, die wechselvolle Geschichte der Jüdinnen und Juden in der Stadt Köln, die Leitlinien der Kirchen zum Umgang mit christlichem Antijudaismus sowie einen internationalen Kunstwettbewerb des Kölner Domkapitels. (Rubrik: Antisemitismus)
  • Matteo Gentile kommentiert in „Spaltungslinien und wo sie zu suchen sind“ aus juristischer Sicht ein Gespräch zwischen der Historikerin Christina Morina und dem Politikwissenschaftler Philip Manow im Hinblick auf das prekäre Begriffspaar der „liberalen Demokratie“ und Konsequenzen für das Handeln einer „wehrhaften Demokratie“. (Rubriken: Weltweite Entwicklungen, Liberale Demokratie)
  • Christine G. Krüger analysiert „Geschlechterrollen in Versöhnungsprozessen“ nach Kriegen, Genoziden und internen Konflikten als Thema einer Geschlechter-Geschichte am Beispiel von interessegeleiteten Zuschreibungen der (Un-)Versöhnlichkeit als Charaktermerkmal bei Frauen und Männern. (Rubriken: Gender, Weltweite Entwicklungen)
  • Ellen Fähnrich porträtiert in „Ein Leben für den Kampf gegen Antisemitismus“ den Wiesbadener Rechtsanwalt Moritz Marxheimer (1871-1942). Als Student engagierte er sich in jüdischen Burschenschaften und verfolgte das Ziel der Gleichberechtigung mit nicht-jüdischen Kommilitonen, die er zeitweise erreichte, die aber von den Nazis brutal zerstört wurde. (Rubriken: Jüdischsein, Shoah) 
  • Bahram Moradi kommentiert in „Du lebst, also sprich!“ (ein Appell der persischen Regisseurin Mahnaz Mohammadi) die 40jährige Geschichte seines Romans „Das Gewicht der Anderen“ über die Zeit eines unpolitischen Teenagers im Gefängnis. Bahram Moradi nennt seine Sicht der Lage im Iran in Zeiten von Krieg und Terror. (Rubriken: Levantinische Aussichten, Opfer und Täter*innen)
  • Ana Margvelashvili beschreibt in „26. Mai – Dieser Tag gehört uns“ ein Kapitel der kurzen drei Jahre währenden Unabhängigkeit Georgiens zwischen zaristischer und sowjetischer Herrschaft. Dazu gehören die georgisch-deutschen Beziehungen nicht zuletzt in den Bereichen von Bildung und Gesundheit. (Rubrik: Osteuropa, Kultur)
  • Fritz Heidorn bietet in „Der trügerlsche Schein der letzten Dinge“ eine Hommage an Andreas Brandhorst am Beispiel seiner Romane „Der Riss“ und „Messias“. Brandhorst verknüpft Literatur, Religion und Wissenschaft, kongenial mit bekannten US-amerikanischen Autor:innen, die sich mit post- und transhumanistischen Fragen befassen. (Rubrik: Utopien / Science Fiction)
  • Bettina Wurche stellt in „Climate Fiction – Engagierte Literatur unserer Zeit“ Autor:innen vor, die in ihren Romanen einerseits dystopische Welten der Wüsten, Fluten und gewaltsamen Unterdrückung, andererseits aber auch Perspektiven eine „fairträglichen“ Zukunft entstehen lassen. Mit Kim Stanley Robinson plädiert sie für „kämpferischen Optimismus“. (Rubriken: Utopien / Science Fiction, Treibhäuser). 

Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen finden Sie zu folgenden Themen: Friedenspreis an Philippe Sands, „Rede an Europa“ von Anne Applebaum, 25 Jahre Stiftung EVZ, Patriotismus und Erinnerungskultur (Meron Mendel), Schlechte Vergleiche (Martin Hartmann), Lust am Abriss (Stephen Holmes), Faschismus und Scheinriesen (Eva von Redecker und Heribert Prantl, Fintan O‘ Toole), Messianismus in Nahost (Sari Nusseibeh), die Frage nach einem „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama), Achtsamkeit (Kathrin Fischer), Hitler-Stalin-Pakt (Bundeszentrale für politische Bildung), Demokratie der First Nations (Boris Hermann), Obergrenze für Bevölkerung in der Schweiz (Jonathan Pärli), Negative Identitätspolitik (Luca de Blasi), Peter Thiel und der italienische Futurismus (David Lange), die Ausladung Peter Thiels bei den Wiener Festwochen (Milo Rau), Intellektuelle in China (Stefan Messingschlager), Minderheiten in China (Kai Biermann, Vivien Chang, Sascha Venohr und Benja Zehr), Genozid in der Ukraine (PEN, Medardus Brehl, Martin Schulze Wessel), Staatsterror im Iran (Raha Nik-Andisch, Nila, Mahtab Qolizadeh), Ebola (Jean-Jacques Murembe-Tamfun), Ostsee (Nils Markwardt), Künstliche Intelligenz (Themenheft der Zeitschrift Merkur und D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt), Demokratischer Salon in der Ukraine (ein Überblick von Pavlo Shopin über die bisherige Zusammenarbeit mit der Drahomanov-Universität Kyjiw, unter anderem der Übersetzungen ins Ukrainische durch die von ihm betreuten Student:innen). 

Der Newsletter des Demokratischen Salons erscheint in der Regel etwa alle sechs bis acht Wochen. Die nächste Ausgabe erhalten Sie nach der Sommerpause gegen Ende August 2026. Neue Beiträge werden selbstverständlich weiterhin laufend veröffentlicht.

(Alle Internetlinks zuletzt am 1. Juli 2026.) 

Über Norbert Reichel - Demokratischer Salon:

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