Heute stieß ich bei der Lektüre der FAZ auf auffallend viele Todesanzeigen. Mir kam ein deja vu zur Corona-Pandemie in Italien, als ich im Internet die Zeitung von Bergamo studierte, der Stadt, die zu Anfang der Pandemie besonders betroffen war. Dort waren täglich bis zu zwölf Seiten Todesanzeigen zu sehen. Es hatte den Anschein, als würde eine ganze Generation von betagten und hochbetagten Menschen regelrecht ausgemerzt, schrecklich.

Die Todesanzeigen in der FAZ gelten nun ebenfalls mehrheitlich betagten und hochbetagten Menschen, was an sich nicht auffällig ist. Auffällig ist aber die Zahl der Anzeigen, zusammen mit den Todesdaten, die zumeist in den Zeitraum zwischen dem 20. und 30. Juni 2026 fallen, also den Tagen der Hitzewelle.

Die Übersterblichkeit von Menschen aus vulnerablen Gruppen bei großer Hitze ist bekannt. Das Robert Koch Institut hat gerade eine Schätzung herausgegeben, wonach die Zahl der Todesopfer der jüngsten Hitzewelle in Deutschland 800 betragen dürfte.

Inzwischen sterben mehr Menschen an Hitze als an Verkehrsunfällen. Zeit, viel ernsthafter zu reagieren – gegen die Ursachen der globalen Erhitzung – und gegen deren Folgen.

Über Reinhard Olschanski / Gastautor:

Avatar-FotoGeboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.