Alle Beträge von Martin Böttger:

Aktualisierung emanzipatorischer Strategien

Von , am Sonntag, 12. Januar 2020, in Beuel & Umland, Lesebefehle, Politik.

An diesem Wochenende erhielt ich von Extradienst-Gastautor Dieter Bott ein schönes Neujahrsgeschenk. Er schickte mir einen Text, leider in hektographierter Form, zu lang zum Abschreiben, von 1999. Rot-Grün hatte ein Jahr zuvor die Bundesregierung gegen den ewigen Kanzler Helmut Kohl erobert, und war sogleich gegen die serbischen Reste Jugoslawiens in den Krieg gezogen. Bott besuchte damals einen Jubiläumskongress des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, der angeführt von Ex-Chef Jürgen Habermas, sich böse verrenkte bei seinen Rechtfertigungsversuchen für die so junge, hoffnungsvolle neue Regierung. Dieter dagegen war enttäuscht und verbittert, und verteidigte in seinem heute noch lesenswerter gewordenen Text seinen Lehrer Weiterlesen

40 Saarlande

Von , am Samstag, 11. Januar 2020, in Lesebefehle, Politik.

Ist es Ihnen alles zuviel mit den Nachrichten zu Klimapolitik und -katastrophen? Obwohl Sie es selbst ja auch wichtig finden? Dann habe ich einen guten Vorschlag, wie Sie sich in wenigen Minuten auf den Stand bringen.
Susanne Aigner/telepolis fasst die aktuellen Daten und politischen Fakten zu den Brandkatastrophen in Australien kompakt und sachlich zusammen. Weiterlesen

Tipp für AKK

Von , am Samstag, 11. Januar 2020, in Politik.

Militär macht nichts besser – aber vieles schlimmer
mit Update 12.1.
Mann sollte davon ausgehen, dass Frauen, kluge zumal, den Wettbewerb der Jungs darum, wer den Längsten hat, als das erkennen, was er ist: kompletter oft gefährlicher Blödsinn. Leider gibt es jedoch eine kleine Minderheit von Frauen, die einfach nur bei den Jungs mitspielen wollen, ohne die Regeln zu ändern. Die deutsche Bundesregierung will nur zum Schein mit Frankreich zusammenarbeiten, tatsächlich hat sie die Konkurrenz aber schon bis zum Achsbruch getrieben, und schickt sich an, die Boss-Rolle in der EU alleine spielen zu wollen.
Frankreich hat für alle erkennbar so viele Probleme mit sich selbst, Weiterlesen

Fehlende Qualifikation: Diplomatie

Von , am Freitag, 10. Januar 2020, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Satan sollte Genscher aus der Hölle ausweisen
Zu Lebzeiten standen wir auf gegensätzlichen Seiten der gleichen Partei. Später sollte es mir mit Joseph Fischer, einem weiteren Aussenminister, noch mal ähnlich ergehen. Heute dagegen entwickle ich Sehnsucht nach einem Bundesaussenminister von Genschers Kragenweite. Doch der Fachkräftemangel, Sie wissen schon, der ist in Berliner Regierungskreisen halt besonders gross. Weiterlesen

Lernen die jetzt auch Elfmeter?

Von , am Freitag, 10. Januar 2020, in Fußball.

Elite Player Performance Plan im englischen Fussball
Englischer Fussball findet in der breiten deutschen Öffentlichkeit kaum statt. Er ist im Pay-TV vermauert. Und selbst dort wechseln so häufig die Lizenzen, dass mir bekannte Abonnent*inn*en gar nicht mehr wissen, wo sie ihn finden sollen. Darum ist es ein gutes und starkes journalistisches Stück, dass Timur Tinç/FR allen Interessierten die Augen öffnet.
Die langjährige Krise hat den englischen Fussballkapitalismus gezwungen, seinen Blick stärker auf die in Britannien weit diversere Jugend zu werfen, als es im saturierten Ex-Weltmeisterland Deutschland geschah. Weiterlesen

Operette verdeckt Verbrechen – aber welche?

Von , am Donnerstag, 9. Januar 2020, in Politik.

Das Trump- und das Mullahregime scheinen sich zu einer billigen gemeinsamen Inszenierung verabredet zu haben. Zielgruppe dieser Inszenierung sind nicht vernunftbegabte und mit einem Minimum an Intelligenz (das englische “Intelligence” ist übrigens ein Synonymbegriff für Geheimdienste!) Menschen, sondern ihre jeweils eigene innerstaatliche Anhänger*innen*schaft, also definitiv die Doofen ihres Landes. Sie stellen in diesen grossartigen Ländern nicht die Mehrheit der Bevölkerung, weswegen es für ihre Regimes umso wichtiger ist, sie möglichst 100%ig zu mobilisieren, mögliche politische Gegenbewegungen dagegen generalstabsmässig zu deprimieren – und damit zu demobilisieren.
Das scheint aktuell gut zu klappen. Weiterlesen

WDR-Versammlung: der Intendant geht früher

Von , am Mittwoch, 8. Januar 2020, in Medien.

Der Mediendienst dwdl scheint gut informiert. Die Schreibe seines Chefredakteurs Thomas Lückerath in seinem Kommentar vor der gestrigen WDR-Betriebsversammlung macht jedenfalls auf mich diesen Eindruck. Von ihm werden auch Teilnehmer*innen*eindrücke von der überfüllten Versammlung am gestrigen Nachmittag übermittelt. Selbstverständlich ist so ein Riesenplenum nicht wirklich für einen Dialog geeignet. Umso minutiöser müssen sich jene vorbereiten, Weiterlesen

München / Kolonialverbrechen

Von , am Mittwoch, 8. Januar 2020, in Fußball, Medien, Politik.

Ein Münchner in Berlin, das allein muss schon depressiv machen. Andreas Rüttenauer/taz ist von haus aus eigentlich Sportredakteur. Anlässlich eines merkwürdigen Denkmalsaktivismusses in seiner alten Heimat und der “Neuerscheinung” im Geschenkschuber seiner alten G’schichten beschäftigt er sich mit dem Werk Helmut Dietls (und seiner Clique), und damit zwangsläufig der Entwicklung dieser Stadt. Im Grossen und Ganzen teile ich Rüttenauers Sicht. Nur einige wichtige Eckchen bleiben unbeleuchtet.
Zum Einen ist es die Mediengeschichte, die bei Dietl berufsbedingt immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Weiterlesen

Küppi zum WDR

Von , am Dienstag, 7. Januar 2020, in Fußball, Lesebefehle, Medien, Politik.

Flach zu Lindner / Gladbacher Hinrunde
Zum Zustand des WDR habe ich keine Lust mehr. Nicht zum Hören oder Sehen, nicht zum Schreiben oder Kommentieren. Wie schön, dass mir Friedrich Küppersbusch in der taz diese Arbeit abgenommen hat: Wenn ein paar Millionen Türkdeutsche im ZDF der Ziegenfickerei beigewitzt werden, hagelt es alle Fernsehpreise Deutschlands und Bild schwingt sich zur heldenmütigen Schildmagd der Satirefreiheit auf. Wenn ein paar Millionen Senioren im WDR als Umweltsäue provoziert werden, wird das Stück gelöscht, der Intendant zum Zensor und in Bild deliriert Wagner von „der Entlassung der Verantwortlichen“. So viel zum „linken Mainstream“ in diesem Land. Weiterlesen

In Beuel ist mehr bedroht als Fassaden

Von , am Montag, 6. Januar 2020, in Beuel & Umland, Medien.

Die Sonnenseite der Stadt kann in wenigen Jahrzehnten zum Asi-Viertel werden
Das Märchen sagte, dass die Beuelerinnen die Scheisse und Sperma der Bonner aus deren Bettwäsche gewaschen haben. Während beim kurfürstlichen Bischof drüben am andern Ufer Orgien gefeiert wurden, wurde in Beuel immer die Drecksarbeit gemacht. “Und wenn sie nicht gestorben sind …” – sind sie aber.
Es ist irgendwie typisch bönnsch-naiv, wenn sich jetzt Anwohner*innen bei mir um die Ecke in der Rheindorfer Strasse um Fassaden sorgen. An dieser Stelle Beuels wohne ich jetzt seit 20 Jahren. Auch mir ist nicht verborgen geblieben, Weiterlesen

Rätsel Rechter Mann

Von , am Montag, 6. Januar 2020, in Lesebefehle, Politik.

Zurecht lobte Uli Krug vor einem Monat in der Jungle World die “epochalen” “Männerphantasien” von Klaus Theweleit. Richtig ist selbstverständlich auch seine Kritik, dass Theweleit darin nicht die Weltprobleme oder auch nur das komplexe Faschismus-Problem erschöpfend erfassen kann. Solcher messianischer Eifer ist Theweleit, wie ich ihn z.B. in diesem 3sat-Interview wahrgenommen habe, ganz fremd. Weiterlesen

Wundersame Bahn XLII

Von , am Montag, 6. Januar 2020, in Genuss, Politik.

Reisezentrum Dortmund Hbf. / Moskau-Nizza / Schlafwagen
Im Weihnachtsverkehr war bei mir nicht viel schief gegangen. Tipp: versuchen Sie es an Reise(stress)-Feiertagen mal mit dem an Werktagen unzumutbaren Regional-Express (RE). Da gibts Sitzplätze, und es ist billiger. Ein Erlebnis hat mich allerdings so beunruhigt, als wenn ich den Lauf der Welt nicht mehr mitbekomme. Dass die Bahn Personal vernichtet, ist Volkswissen solange ich lebe: menschenlose, vergammelnde Bahnhöfe in allen Dörfern und Kleinstädten. Neuerdings, also seit nur wenigen Jahrzehnten, sind auch Automaten “zu teuer”, werden nicht mehr gewartet (oder gar erneuert) und sogar abgebaut – neuerdings gibt es sogar Weiterlesen

Friedhof oder Pakistan

Von , am Sonntag, 5. Januar 2020, in Lesebefehle, Politik.

Faschismus in Indien / Spaniens Kriegsverbrechen / Lieber Stadt als Forst / Schwarz in der Schweiz
Arundhati Roy ist für mich ein ikonenhaftes Muster einer schönen Frau. Zu so unreflektierten Urteilen komme ich in der Regel aus grosser Distanz – ein Medienbild. “Der Gott der kleinen Dinge” hat sie reich gemacht. Ich habs gelesen. Sie nicht? Holen Sies nach. Danach hat sie mich regelmässig mit ihren politischen Essays mitgerissen. Bei gleichem Inhalt von anderen Autor*inn*en hätte ich sie nach wenigen Leseminuten als hilflose Jammerei beiseite gelegt. Weiterlesen

66 – Gerüchteküche

Von , am Samstag, 4. Januar 2020, in Beuel & Umland, Politik.

Gestern Abend am Stammtisch machten Gerüchte die Runde. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten bekannt gegeben, dass, nachdem “keine technischen Defekte” hätten festgestellt werden können, nun auch gegen den Fahrer ermittelt werde. Das klingt etwas unangemessen nach Richtungswechsel. Und ist in meinen Augen Produkt zu hastiger Öffentlichkeitsarbeit. Und technischer Unkenntnis der Lage im Wagenpark und in den Werkstätten Weiterlesen

Silvesterkrawall 19/20 (II)

Von , am Samstag, 4. Januar 2020, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der überforderte Bundesinnenminister endlich zurücktreten muss, dann lieferte er ihn selbst mit seiner und seiner rechten Spiessgesellen missratenen Inszenierung. Dieses Jahr sollte endlich mal wieder nach ungezähltem und gerne ignoriertem rechten Terror gezeigt werden, dass Links ja genauso schlimm ist. In Leipzig-Conneweitz wurden, wie überall in Deutschland, in der Silvesternacht die mit Feuerwerkskörpern bewaffneten männlichen Strassen-Irren gefunden, um für die Videodesperados des AfD-nahen Springerkonuzerns kostengünstiges Bildmaterial zu produzieren. Weiterlesen

Bohnet und Boell

Von , am Freitag, 3. Januar 2020, in Beuel & Umland, Lesebefehle, Politik.

Weil hier noch so wenig los ist, lesen Sie doch mal woanders.
Z.B. in unserer lokalen Monopolpresse dieses interessante Porträt von Extradienst-Autor Rainer Bohnet. Ich bewegte mich an ähnlichen Rändern des Sozialsystems wie er, aber mit mehr Glück und eigenem Kalkül.
Oder dieses exzellente Magazin der Böll-Stiftung zum Thema “Infrastrukturen”, das komplett online zugänglich ist. Es enthält u.a. eine sachliche Kritik der chinesischen Infrastrukturstrategien. Weiterlesen

Silvesterkrawall 19/20

Von , am Mittwoch, 1. Januar 2020, in Medien, Politik.

Geschichte wird hier im Westen, in NRW und im WDR, gemacht
Der Silvesterkrawall 2015/16 war ein “Gamechanger” in der Flüchtlingsdebatte: vom “Wir schaffen das” zum “Wir können nicht alle aufnehmen”. Dass ein alljährlich wiederkehrendes Ereignis das werden konnte, hatte sehr wesentlich mit dem katastrophal missratenen Krisenmanagement der damaligen rotgrünen NRW-Landesregierung und der ihr unterstehenden Polizeibehörden zu tun. Öffentlich an die Laterne gehängter Sündenbock war der damalige liberal gesonnene Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. Nichtöffentlich an die Laterne gehängt wurde der stellv. Regierungssprecher Rudi Schumacher – ich lege offen, mit beiden war ich gut bekannt und bedaure ihr Schicksal sehr. Durch das desaströse Landtagswahlergebnis hat es immerhin auch tatsächlich politisch Verantwortliche erwischt – allerdings nicht so menschlich unterirdisch wie diese beiden.
Das damalige Jahreswendekrisenmanagement hat sich nun der Westdeutsche Rundfunk zum Vorbild genommen. Weiterlesen

Pause verlängert bis 6.1.

Von , am Samstag, 28. Dezember 2019, in Allgemein.

Mein Internetversorger NetCologne hat meinen Internetzugang gesperrt. Hilfe habe ich angefragt, aber nicht erhalten. Um mir nicht die Feiertage verderben zu müssen, verlängere ich hiermit meine Blog-Pause bis zum 6.1.
Hinweis: es besteht derzeit auch keine E-Mail-Erreichbarkeit. Ich empfehle das gute alte Festnetztelefon, das wird mir gnädig noch gewährt.

Beueler Tratsch

Von , am Montag, 23. Dezember 2019, in Beuel & Umland.

Bahnhof
Keine Warteschlange am Fahrkartenschalter. Darum ergab sich ein informatives Gespräch. Ausschlaggebend für seine Existenz ist ein Vertrag zwischen der DB und dem “Aufgabenträger” für den Nahverkehr in der Region. Dieser Vertrag läuft noch bis 2023. Ein Grund mehr, sich um mehr Mitsprache der Fahrgäste zu kümmern. In Mönchengladbach z.B. wurde das DB-Reisezentrum dichtgemacht, weil ein Privatbahnbetreiber den Zuschlag bekam. Der lässt Fahrkarten im Zeitungskiosk verkaufen, allerdings nicht für den DB-Fernverkehr. Schöne neoliberale Welt. Weiterlesen