Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Altenpflege

Kampf gegen den Skandal-Notstand

Anhaltender PflegekrĂ€ftemangel – Die schwierige Situation in den Altenheimen
Ich hasse Call-In-Sendungen. Doch heute vormittag hatte die DLF-LÀnderzeit-Redaktion ein fachlich erstklassiges GÀste-Panel zusammengestellt. Vergessen Sie TV-Talkshows, und statt langer oder kurzer Texte von mir, hören Sie sich das lieber an (71 min). Es ist wichtig. Und wir Alte sind viele!
Es diskutierten: Weiterlesen…

Kollektives BeschÀftigtenhandeln in der Altenpflege

von Wolfgang Schröder / Hans-Böckler-Stiftung
Im folgenden wird das Schlusskapitel der gleichnamigen Studie dokumentiert (ohne Tabellen, Fussnoten, Literaturverzeichnis). In voller LĂ€nge (256 Seiten) finden Sie sie hier.

6 RESÜMEE

Die Altenpflege ist eine junge Teilbranche des Sozial- und Gesundheitssektors in Deutschland. Sie ist erst vergleichsweise spĂ€t professionalisiert worden; hat aber seit den 1960er Jahren stark an BeschĂ€ftigungs- und Professionalisierungsdynamik gewonnen und sich damit anderen Segmenten des Dienstleistungssektors angepasst. In der alternden Gesellschaft der Bundesrepublik, die durch einen hohen Grad von Arbeitsteilung, Dienstleistungen und Erwerbsbeteiligung gekennzeichnet ist, in der sich die weibliche ErwerbstĂ€tigkeit zur NormalitĂ€t entwickelt, kommt der professionellen, berufsförmigen Altenpflege eine zunehmend grĂ¶ĂŸere Bedeutung zu. In dieser dynamischen Perspektive hat sich der Pflegesektor in den letzten Jahrzehnten grundlegend transformiert: Noch in den 1960er Jahren war die Altenpflege eine teilweise semiprofessionelle Form der DaseinsfĂŒrsorge, die in hohem Maße durch Sozialversicherungs- und Steuermittel refinanziert wurde und stark durch wohlfahrtskorporatistische Strukturen geprĂ€gt war. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts prĂ€sentiert sie sich als ein zerklĂŒfteter, wettbewerblich gemischt finanzierter Sektor, dessen BeschĂ€ftigungsbedingungen von Kostendruck, Flexibilisierung und Ökonomisierung gekennzeichnet sind. Diese Prozesse der Vermarktlichung werden aber nicht von vergleichbaren machtpolitischen Dynamiken auf Seiten der BeschĂ€ftigten begleitet: Weder auf der betrieblichen noch auf der ĂŒberbetrieblich-gewerkschaftlichen Ebene sind sie organisatorisch stark verankert, so dass in der Tendenz gegenĂŒber den Arbeitgebern ein starkes MachtgefĂ€lle mit ausgeprĂ€gten ReprĂ€sentationslĂŒcken besteht.

Der Arbeitsmarkt der Altenpflege weist einige Spezifika auf, die ihn auch von anderen Teilbranchen des Sozial- und Gesundheitswesens deutlich unterscheiden.Weiterlesen…

Mieter, Arbeiter – Euch gehts zu gut

Weihnachten naht. Unsere Religionen sagen uns nicht nur, dass wir ausnahmsweise mal unsere GotteshĂ€user besuchen sollen. Bei vielen christlichen könnte es sein, dass sie schon verschlossen und verkauft sind. Womit wir bei Immobilien sind. Wir sollen zum Fest unser Herz öffnen fĂŒr die Armen und Schwachen: also die Immobilienlobby. Der geht es ganz schlecht.

Das erfahren wir in diesen Tagen aus den BlĂ€ttern, die ihre Tagesbefehle gewöhnlich veröffentlichen. Bauland ist alle. Die Mieten steigen viel zu langsam. Die Mieter zahlen einfach nicht genug aus ihrem Einkommen fĂŒrs Wohnen. Weniger als 40% (im Durchschnitt aller Deutschen! die Mieter allein also ein bisschen mehr). Nur beim Essen und Trinken sind wir noch geiziger (14%). Bei mir ist es anders: fĂŒrs Wohnen zahle ich weniger als 20%, weil ich 1999 eine – mittlerweile abbezahlte 2-Zimmer-Wohnung gekauft habe, fĂŒr Menschen meiner Einkommensklasse ist das heute nicht mehr möglich; fĂŒrs Essen in BioqualitĂ€t zahle ich dagegen 40%. Ich kann Ihnen sagen: wenns schmeckt, und das tĂ€glich mehrmals, haben sie den Großteil von LebensqualitĂ€t schon im Sack!

Die Immobilienlobby hats schwerer.Weiterlesen…

(Dienstleistungs-)Arbeit muss teurer/wertvoller werden

Oskar Lafontaine wird sich wieder einmal durchsetzen. Er fĂŒrchtet die LohndrĂŒckerei durch zuviele FlĂŒchtlinge. Seine Gattin trat kĂŒrzlich öffentlich gemeinsam mit seinem CSU-Kumpel und einstigen BILD-Kolumnistenkollegen Gauweiler auf. Die 6%-Partei CSU kĂŒmmert sich jetzt auch in den Koalitionsverhandlungen darum, Lafontaines Sorgen Rechnung zu tragen. Die LohndrĂŒckerei in den massenhaft sich ausbreitenden prekĂ€ren ArbeitsverhĂ€ltnissen soll gebremst werden. Ob das klappt?

Wer sind die PrekĂ€ren? Die Dienstleister*innen aller Art: Putz- und Haushaltshilfen, VerkĂ€ufer*innen, Erzieher*innen, Pfleger*innen, Kellner*innen und KĂŒchenhilfen, Kurierdienst- und Callcenter-Sklav*inn*en, HandwerkstĂ€tten aller Art, insbesondere bei Arbeitszeiten abseits 9 to 5. Wo fehlt Personal und sind die KrankheitsstĂ€nde am höchsten? Dito. Am meisten ĂŒberall dort, wo mit Scheisse und anderen AbfĂ€llen hantiert werden muss. Aber selbst im schönen und menschenleeren Meck-Pomm sucht die Gastronomie, die haben da ja sonst nichts mehr, ĂŒber tausend Leute und findet sie nicht.

Wie der Zufall es will, fallen in allen diesen Arbeitsbereichen zwei Dinge zusammen:Weiterlesen…

Was klappt eigentlich ĂŒberhaupt in dieser Stadt?

Vor wenigen Tagen hat Martin Böttger an dieser Stelle die PlanungssĂŒnden der Stadt Bonn in Sachen SĂŒdĂŒberbauung des Bahnhofsvorplatzes geschildert. In der vorigen Woche war ich als Wahl-Bornheimer zugegebenermaßen mit dem Auto in Bonn unterwegs, um in meiner langjĂ€hrigen Heimatstadt einige Erledigungen zu machen. NatĂŒrlich habe ich die beschriebenen Wege nicht alle am StĂŒck gemacht – aber folgen Sie mir auf einer fiktiven Rundreise durch Bonn und begleiten Sie mich auf dem kommunalen Weg von Desaster zu Desaster.

ZunĂ€chst ging es zur ZahnĂ€rztin nach Bad Godesberg – interessante VerkehrsfĂŒhrung auf der B9 mit Stau in den Sommerferien um 11.30 – das muss einer erst mal schaffen. Weil hier kontaminierter Teer entdeckt wurde, der dringend zu entsorgen war. Man fragt sich allerdings, wieso es in der Stadt, die mal Hauptstadt war und ein Umweltamt hat, bis 2017 dauerte, bis dieser Giftfund aus den 70er Jahren auffiel, Anwohner und BĂŒroangestellte durften vermutlich jahrelang den Abrieb der B9 einatmen. Allerdings nicht auf dem StĂŒck am Landesbehördenhaus entlang – das steht seit bald zehn Jahren leer. GrĂŒĂŸe an Stadt und Landesliegenschaftsbetrieb!

Wir sind in Bad Godesberg, am KurfĂŒrstenbad. Dieses kleinste linksrheinische Schwimmbad hĂ€tte Anfang der 2000er Jahre durch den Einbau eines Blockheizkraftwerkes rentabel gemacht werden können. Nicht nur der damalige BĂ€deramtschef, der lĂ€ngst in Rente ist, verhinderte das, sondern auch Stellen der Stadt, die in der gesamten Zeile eine lukrativ zu vermarktende Immobilie sahen, die Dollarzeichen bereits in den Augen. Ein großkotziger Liegenamtschef namens Naujoks wollte eine “Gesamtlösung fĂŒr alle BĂ€der”- er stĂŒrzte inzwischen nicht nur darĂŒber. So kĂ€mpfen BĂŒrger jetzt um ein Fossil, das wohl inzwischen finanziell kaum zu retten ist.

Auf dem RĂŒckweg kommen wir am neuen “tollen” Projekt der Stadt, dem geplanten Prunkbad im Wasserland vorbei. Angeblich energiesparend mit AbwĂ€rme vom Kraftwerk und Blockheizkraftwerk (BHKW). BHKW sind technisch gesehen Gasmotoren, die einen Generator antreiben mit 95% Wirkungsgrad. BHKW plus FermwĂ€rme ist physikalisch ein maultierreitender Esel. Entweder ich nutze WĂ€rme eines BHKW und nutze den Strom oder verkaufe einen Teil des Stroms oder ich habe Ab- (Fern-)wĂ€rme eines Kraftwerkes, dann brauche ich kein BHKW. Alles andere ist ökonomischer und ökologischer Unsinn. Genau das aber haben Stadt Bonn und SWB den BĂŒrgern im Wasserland bisher vorgegaukelt. Schaumermal, wie das ausgeht.

Weiterlesen…

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑