Einmal im Jahr kann es Beuel in die “Tagesschau” schaffen. Der Ursprungsort der Weiberfastnacht. Der Tag ist heute. Insbesondere auf dem Rathaus-Balkon, neben dem Oberbürgermeister, spielen sich, wie jedes Jahr, unbeschreibliche Szenen ab. Wer wird es aufs Bild schaffen?

Der früheren Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann gelang es immer besonders gut und politprofessionell, die Legende und Inszenierung der Weiberfastnacht für sich zu nutzen. Sie rief die Weiber um Hilfe vor den bösen Männern in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ihr Nachfolger Jürgen Nimptsch hat zwar der Stadt erheblich weniger finanziellen Schaden zugefügt – die von Dieckmann angerichtete WCCB-Affäre musste er überwiegend aufräumen – im Karneval brachte er es mit mittelmäßigen Gesangskünsten weniger weit als seine Vorgängerin und schädigte das Ansehen seines Amtes eher bei den Massen der Karnevalsflüchtigen.

Noch bedeutender als Pützchens Markt ist aber heute der wichtigste Tag für die Beueler Lokalprominenten aller Parteien. Wer es in die nächste Nähe des OB schafft, hat die beste Chance ins TV-Bild und auf die Pressefotos zu gelangen. Da wird auch vor kleinen und groben körperlichen Fouls nicht zurückgeschreckt. Mein Ex-Chef Roland Appel, Landtagsabgeordneter 1990-2000, war mehrere Jahre dabei und auch kein Kind von Traurigkeit – denn meistens hatte er es aufs Bild geschafft.

Was bleibt auch sonst für LokalpolitikerInnen? Sie haben ja sonst nichts.

Update: Der öffentliche Bedeutungsverlust Bonns ist noch größer, als ich befürchtet habe. Beuel hat es noch nicht mal heute in die Tagesschau geschafft. Ein O-Ton von Ina Harder in der Berichterstattung des Deutschlandfunks war schon das höchste der Gefühle an überregionaler Berichterstattung und Präsenz, allerdings im Umfang weit zurückbleibend hinter einem Bericht aus ……. Billerbeck, wo immer das auch liegen mag.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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